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Schleicht's eich, es Schleicher – Wettrennen übers Wachterl und den Hallthurm

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Berufspendler: Volontärin Lena Klein und Redakteur Christian Fischer. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – Irgendwie muss man auch in den verkehrsreichen Ferien in die Arbeit kommen. Da bleibt nur die Wahl zwischen Baustellen und Stau und Langsamfahrer und Parkplatzmangel. Doch wie geht es schneller nach Berchtesgaden zur »Anzeiger«-Redaktion? Übers Wachterl oder über den Hallthurm? Volontärin Lena Klein und Redakteur Christian Fischer machten den Test.


Er war schnell. Schnell genervt. Doch trotz erschwerter Bedingungen dank eines Hymermobils aus Bremen und später einem Skoda aus Sachsen, hat Redakteur Christian Fischer das Rennen gewonnen. In 27 Minuten schaffte er die 22 Kilometer lange Strecke von der Fronau über das Wachterl in den Markt Berchtesgaden.

Das war klar: Gleich nach dem Abbiegen in Fronau auf die Alpenstraße zum Wachterl ist schon es da, das Wohnmobil. Albtraum aller Autofahrer, die Pest für alle Pendler.

Hat man einen dieser rollenden Zweitwohnsitze, dieser Doppelhaushälften mit Dieselantrieb vor sich, muss der Arbeitgeber warten. Denn, wer seinen kompletten Hausstand inklusive Katze Maunzi, drei Fahrrädern und dem Smart auf dem Anhänger durch ganz Deutschland kutschiert, möchte nicht zügig ans Ziel kommen. Falls es so eins überhaupt gibt.

Man kommt ins Philosophieren. Können Wohnmobile den Wohnungsmarkt entlasten? Wann sind die Feinstauber in der Hansestadt Bremen, wo zumindest ihr Hymer zugelassen ist, losgefahren, um am Mittwochmorgen um 8.41 Uhr in der Fronau zu sein?

Dann: eha! 70, 60, 50, 40. Das Hymermobil wird immer langsamer. Die erste Steigung inklusive Kurve bremst die Bremer aus. Na, toll. Denn ab hier kann man nicht mehr überholen. Außer, man ist lebensmüde. Die Fahrzeugschlange wird schnell länger.

Die rote Ampel wegen der Felsputzarbeiten verschlechtert die Lage zusätzlich. Wenn das so weiter geht, wird Kollegin Klein groß triumphieren. Aber dann fährt das Hymer an. Und schaukelt sich hoch auf gut 70 km/h. Sehr gut, sehr gut. Läuft.

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Dicht ist Pflicht: Gedränge am Bavaria-Knoten. (Foto: Tessnow)

Genauso läuft der Schweiß der Hardcore-Radler, die dann das Wachterl hinauf schnaufen. Das himbeerfarbene Trikot spannt sich sportlich über das Wammerl der Nachhut. Der Abstand zum Feld wird immer größer. Sein Belle ist lila. Oben erwartet ihn eine grandiose Aussicht. Oder der plötzliche Herztod.

Am Wirtshaus »Wachterl« und dem Autohaus Sauder vorbei, biegt der Bremer Fremdenverkehrsteilnehmer zwar leider nicht auf die Alte Reichenhaller Straße ab, aber ist inzwischen auf 80.

Zwei, drei Kilometer läuft es bestens mit dem Bremer-Hymer. Doch dann: Aus dem Datzenweg kommt ein Skoda Fabia mit Meißener Kennzeichen. Sachma ma so: Die Sachsen haben es nicht eilig an diesem Morgen. Der Anblick des schneebedeckten Watzmanns scheint den Gasfuß zu hemmen. Mit 60 geht es also weiter.

Iumm, iumm, iumm, iumm. Kurz vor der ersten Kehre reißen mich an die 15 bretternde Biker aus meiner Alpenstraßentrance. Kommt bitte lebendig in Schneizlreuth an. Gerne auch eine Minute später. Zweite Kehre. Zieleinlauf Ramsau. Baustelle. Bremsen.

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Gewühle in der Schwüle: die Schießstättbrücke. (Foto: Tessnow)

Haha, mit dem Bergsteigerdorf-Hindernisparcours habt ihr Touris natürlich nicht gerechnet. Der Skoda macht es richtig. Hält einfach an und verschafft sich gefühlte fünf Minuten lang einen Überblick. Dann schleicht er durch die Ramsau. Vorbei an Baufahrzeugen aller Art, über unzählige Schlaglöcher hinweg und reichlich Staub aufwirbelnd.

An der Wimbachbrücke vorbei und durch das Felsentor geht alles gut. Während ich mich wieder einmal frage, was eigentlich der Unterschied zwischen Ilsank und Engedey ist, biegen sowohl der Sachsen-Skoda als auch das Bremen-Hymer zum Duftberg ab.

Gute Fahrt bis zum Gmundberg. Auffe muass i, i muass. Nachdem ich oben am Kreisverkehr knapp eine Vorfahrtsverletzung vermieden habe, rege ich mich nicht darüber auf, dass es für Ganztagsarbeitnehmer keine Parkplätze mehr im Markt gibt, und nehme einen auf dem berüchtigten Ganghofer-Parkdeck. Zwei Stunden bis zum nächsten Termin kann man da immerhin stehen. 27 Minuten. Gewonnen. Christian Fischer