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Schlechte Laune nach dem Pyro-Derby: «Beschämend»

Hannover (dpa) - Die letzte Rakete flog auf den Rasen, als Hannovers Anhänger die Spieler mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedeten. Der fast 90 Minuten andauernde Einsatz von Pyrotechnik verdarb 96-Boss Martin Kind nach der trostlosen Nullnummer vollends die Laune.

Gesichert
Die Polizei sichert vor dem Stadion den Zugangsbereich der Braunschweig-Fans. Foto: dpa Foto: dpa

Das schlechte Benehmen einiger Fußball-Chaoten ärgerte den Vereinspräsidenten des Bundesligisten im emotional aufgeladenen Niedersachsen-Derby gegen Eintracht Braunschweig noch viel mehr.

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«Beschämend» und «inakzeptabel» nannte Kind das Verhalten und wunderte sich: «Es ist nicht erklärbar, wie sie so viel Pyrotechnik in den Block bekommen.» Die verschärften Kontrollen und der Einsatz von mehr Ordnern als üblich hatte offensichtlich nicht geholfen. Fast ununterbrochen brannte es in der 96-Kurve. Zudem flogen auch aus dem gegenüberliegenden Block der Braunschweiger Anhänger einige Raketen auf das Spielfeld.

Bei den Randalen haben Braunschweig-Fans auch mit abgetrennten Schweineköpfen geworfen. Wie die Bundespolizei in Hannover mitteilte, hätten Anhänger des Vereins nach dem Eintreffen eines Braunschweiger Sonderzuges am Bahnhof Hannover-Linden/Fischerhof Schweineköpfe und Innereien auf den Bahnsteig geschleudert. Die Einsatzkräfte seien mit einem außergewöhnlichen Agressionspotenzial konfrontiert gewesen.

Kind bedauerte, dass die «Mehrheit der Fans sprachlos war». Er hatte sich gewünscht, dass die friedlichen Anhänger ihren Unmut über das gefährliche Abbrennen und Abschießen von Leuchtraketen zum Ausdruck bringen. «Spinner» nannte 96-Sportdirektor Dirk Dufner die Feuerwerker unter den Fans und befürchtet nun wie Kind «eine hohe Strafe». Die 96-Verantwortlichen hoffen, dass sie die Täter dank der modernen Videotechnik ermitteln können. Allerdings war der zündelnde Teil der Anhänger vermummt.

Das Derby verlief insofern glimpflich, als es keine größeres Unglück durch die Pyrotechnik gab. Und auch außerhalb des Stadions waren die Krawalle nicht so schlimm wie befürchtet. Es wurden aber nach Polizeiangaben dennoch 14 Beamte leicht verletzt. Neben mehreren Randalierern erlitten auch einige Unbeteiligte Verletzungen. Die genaue Zahl konnte die Polizei am Samstag zunächst nicht nennen.

Dass es vergleichsweise gut ging und nicht mehr passierte, lag auch am massiven Einsatz der Polizei. So verhinderten die mehr als 1000 Beamten, dass randalierende Fangruppen beider Clubs das Stadion stürmten. Für diese Sorte von Fußballfans gehört es offensichtlich auch zur Normalität, den Gegner auf Plakaten als «Abschaum» zu bezeichnen und «Tod und Hass» zu wünschen.

Der friedliche Teil der 96-Anhänger, also die große Mehrheit der 47 200 Stadionbesucher, ärgerte sich vor allem über das Geschehen auf dem Platz. Der «Abwärtstrend», wie Trainer Mirko Slomka es später nannte, war nicht zu übersehen. Einfallslos berannten die 96-Profis das Braunschweiger Tor, kamen kaum zu Chancen.

Nur zwei Punkte aus den vergangenen sechs Spielen sind der numerische Ausdruck der Krise, in welcher der ambitionierte Club steckt. Der Coach fand dafür eine merkwürdige Umschreibung: «Wenn man sechs Spiele nicht gewinnt, dann kann man schon davon sprechen, dass es nicht läuft.»

Slomkas Braunschweiger Kollege gehörte hingegen zu den wenigen, die am Ende dieses aufgeheizten Abends strahlten. «Dass wir einen Punkt mitgenommen und das zweite Spiel zu null gespielt haben, zeigt, dass wir uns weiterentwickelt haben», kommentierte Torsten Lieberknecht das Derby. Nach sieben Punkten aus fünf Spielen darf der erschreckend schwach gestartete Aufsteiger sich inzwischen Hoffnungen auf den Klassenerhalt machen.