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»Schlafen ist wie Zirkeltraining«

Berchtesgaden - »Schlafen ist wie Zirkeltraining«, sagt der Gesundheitsmanager, Präventologe und Buchautor Jürgen Schuster. Warum der Schlaf kein passiver, sondern ein höchst aktiver Zustand ist, erläuterte der Experte dieser Tage bei einem Vortrag, zu dem die »Bücherstube«, die Marktbibliothek und »Betten Zauner« eingeladen hatten. Die Zuhörer wurden in das Geheimnis des Schlafes eingeweiht.

Auch das Thema Schlaf kann Spaß machen: Gesundheitsmanager Jürgen Schuster (l.) und Franz Machata von der »Bücherstube«. Foto: privat

Warum schläft der Mensch überhaupt und was passiert in seinem Körper? Jürgen Schuster hatte die passenden Antworten auf diese Frage. Ähnlich wie ein Akku am Stromnetz wird der menschliche Körper über Nacht durch den Schlaf ebenfalls entscheidend mit neuer Energie versorgt. In diesen Phasen finden lebenswichtige Regenerationsprozesse im Organismus statt. Das Immun- und Organsystem, der Stoffwechsel und die Lernfähigkeit stehen in engem Zusammenhang mit dem Schlaf. »Der Schlaf ist, entgegen der landläufigen Meinung, kein passiver, sondern ein höchst aktiver Zustand«, erläuterte der Experte. Er gleicht eher einem Zirkeltraining. Speziell wirken hier Hormone als Botenstoffe, die Aktivitäten auslösen, aber auch stoppen können. Ohne diese Hormone könnten die menschlichen Körperfunktionen nicht harmonisch aufeinander abgestimmt ablaufen.

Milliarden von Zellen bilden im Körper das Immunsystem. Mithilfe von Melatonin werden Körperzellen aufgebaut, denn sie müssen sich ständig vermehren, um abgestorbene zu ersetzen. Wunden heilen, neues Blut wird aus dem Knochenmark regeneriert und die Haut ersetzt innerhalb von 28 Tagen (besser Nächten) die abgestorbenen oberen Hornzellen. Zudem wächst beziehungsweise regeneriert jedes Organ Nacht für Nacht einen winzigen, fein abgestimmten Teil. Schuster: »Unser Immunsystem öffnet somit in dieser Zeit sinnbildlich seine Reparaturwerkstätten. Hier bauen wir die für uns notwendigen Abwehrkräfte auf und legen damit den Grundstein für unser Wohlbefinden und unsere Leistungskraft am Tag.«

Ein weiteres Hormon, das in der ersten Nachtphase wirkt, nennt sich Testosteron. Dieses Hormon hilft Muskeln aufzubauen, indem es dort die Eiweißherstellung fördert. Schläft man zu wenig, wird deutlich weniger Testosteron gebildet, was zu geringerer Muskelbildung führt. Sportler müssen nicht nur viel trainieren und richtig essen, sie müssen auch genügend schlafen, damit die Leistungskraft verbessert wird. Und das Hormon Leptin sorgt nach dem Einschlafen für eine ungestörte Nachtruhe, unabhängig davon, wie viel man gegessen hat. Somit steht der Erholung nichts im Wege.

Wer wenig schläft oder an Schlafstörungen leidet, den befällt schnell ein Hungergefühl, da dann das Leptin nicht zum Einsatz kommt. »Somit essen wir mehr und sind daher anfällig für Übergewicht«, erklärte Jürgen Schuster. Der richtigen Ernährung kommt nach den Worten des Experten in Bezug auf eine erholsame Nacht ohnehin erhebliche Bedeutung zu. Neben den Energie liefernden Nährstoffen wie Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten benötigt der Körper insbesondere auch die nicht Energie liefernden Substanzen, wie Mineralstoffe, Vitamine, Wasser und Ballaststoffe. Diese Substanzen greifen in Wechselwirkungen auf die Reparaturmaßnahmen des Körpers ein.

Entscheidend ist vor allem der Flüssigkeitshaushalt. Dieser ist nicht nur für die Stoffwechselvorgänge und die Blutbildung von entscheidender Bedeutung, sondern er schafft auch die Grundlage für die Regeneration der Wirbelsäule. Durch Aufnahme von Körperflüssigkeit wachsen unter anderem die Bandscheiben pro Nacht bis zu drei Zentimeter. Leber und Nieren sind bei Nacht aktiver als am Tag und benötigen dafür ebenfalls ausreichend Flüssigkeit. Deshalb sollte man ausreichend trinken.

Die ausgewogene Ernährung, speziell die Aufnahme von Ballaststoffen, wirkt sich wiederum auf den Magen-Darm-Trakt aus. Es findet förmlich eine Entgiftung im Darm statt. Da es nachts zu einer stärkeren Durchblutung des Magens und in der zweiten Nachthälfte zu erhöhten Magen-Darm-Bewegungen kommt, werden hier Energieressourcen aufgebaut. Daher sollte man mindestens drei Stunden vor dem Einschlafen nichts mehr essen, damit dieser Prozess einsetzen kann.

Die innere Uhr des Körpers löst etwa gegen 3.00 Uhr früh die Produktion des Stresshormons Kortisol aus. Der Kortisolspiegel steigt unweigerlich bis zum Morgen deutlich an, wenn die biologische Mitternacht vorbei ist. Dies erklärt, warum der Schlaf vor Mitternacht von entscheidender Bedeutung ist. Gehen wir später ins Bett, können die Reparaturwerkstätten nicht mehr sinnvoll ihre Aufgabe erfüllen.

Durch Stress im Alltag kann dies verstärkt werden, da Stress ebenfalls das Kortisol produziert. Mithilfe des Kortisols wird nun in der zweiten Nachthälfte der Blutzuckerspiegel langsam erhöht. Dieser kann, durch die über Nacht aufbereiteten Kohlenhydrate, aufgebaut werden. Ein erhöhter Eiweißumsatz aktiviert den weiteren Stoffwechsel. Langsam erreicht der Körper seine Betriebstemperatur. Die Nieren wachen auf und erhöhen die Harnproduktion, was den Drang auf die Toilette einleitet.

Es stellt sich jetzt auch ein Hungergefühl ein. Das Hormon, das dies vermittelt, nennt sich Ghrelin. Dieser Gegenspieler des Leptins wird gegen Morgen ausgeschüttet und verstärkt den nun auftretenden Aufwachmodus. Der Magen wartet jetzt auf das Frühstück. Es wird Zeit aufzustehen.

Die Zuhörer waren sich nach dem Vortrag einig: Auf gesunden Schlaf und ausgewogene Ernährung müsste viel mehr geachtet werden. Literatur zu diesem Thema gibt es unter anderem in der Marktbibliothek und in der »Bücherstube«. B.Z.