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Schillernde Blues- und Jazz-Variationen

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Helmut Punzenberger mit Herbert Berger, Chris Haitzmann und Thomas Höger (von links) zelebrieren die Nummer »Brazil in Trostberg«. ( Foto: Mergenthal)

Es war im Programmheft nicht zu viel versprochen: Ein »Septett der Extraklasse«, quasi ein »Who is Who« der österreichischen Musikszene, brachte farben- und variantenreichen Jazz und Blues ins Foyer des Magazin 4 in der Alten Saline in Bad Reichenhall. Zu seinem 70. Geburtstag erfüllt sich Helmut Punzenberger, ein seit über 20 Jahren in Traunstein ansässiger Linzer mit über 50 Jahren Bühnenerfahrung, einen Herzenswunsch: Er geht mit sechs persönlich ausgewählten Instrumental-Virtuosen auf Tour.


Mit einem festlichen Halleluja-Intro eröffneten die sieben Musiker den Abend dem Anlass entsprechend, um im »Basin Street Blues« von Spencer Williams sogleich mit viel Groove, einem tollen Trompetensolo von Chris Haitzmann, der auch ein gefühlvolles Flügelhorn blies, und knackigen Bläser-Einwürfen zu brillieren.

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Verstärker zu laut eingestellt

Trotz ihrer Routine als Top-Profis hatten sie sichtlich Spaß an der gemeinsamen Jazz-Session. Ein einziger Wermutstropfen beeinträchtigte das akustische Vergnügen: Der Gehörgang wurde durch die überdimensionierte Verstärkung, die bei den Bläsern in dem kleinen Raum unnötig und störend war, regelrecht traktiert. Gleich nach dem Beginn flohen etliche Zuhörer zu einem Platz etwas außerhalb der Dezibel-Schusslinie. In großen Wirtshaus- oder Konzertsälen ist das etwas anderes. Musikalisch jedoch war das Konzert erste Sahne. Und »Punzi« selbst begeisterte nicht nur durch seine mal rauchig-gepresste, mal sanft nachklingende Blues-Stimme und seine singende und röhrende E-Gitarre, sondern auch durch eine trocken-charmante Moderation mit Linzer Schmäh.

Viele Eigenkompositionen

Viele Eigenkompositionen des Urgesteins der Szene waren dabei, wie »Keep on walkin’«, »This monday morning« oder »Brazil in Trostberg«, das in so manchen tristen Stunden des Trostberger Musikschulalltags entstanden ist. »Über Jahre ist das Stück in mir gewachsen«, flachste Punzenberger. Hier zeigte er, dass er auch feine, melancholische Latino-Töne ausgezeichnet beherrscht. Sax- ophonist Herbert Berger hat dazu ein Bläserrarrangement gezaubert, das seinesgleichen sucht, mit Querflöte, die er selber spielt, Flügelhorn und Posaune (Thomas Höger). Ein anderes Stück von Herbert Berger und Verena Göltl ist nach einem berühmten Nachtclub in New York benannt: »The bitter End«. Die sieben Jazzer bilden eine perfekte Symbiose. Christian Wegscheider spielt das E-Piano wundervoll locker aus dem Handgelenk, Roland Punzenberger bearbeitet sein Schlagzeug, dass es eine Freude ist, und Alexander Meik ist mit seinen Bass-Soli ein Erlebnis. Und »Punzi« ließ sich dabei nie aus seiner entspannten Lässigkeit bringen. Filigran und atmosphärisch war der Mundharmonika-Musette-Walzer von Herbert Berger »A la minute«. Stilistisch bunt wurde das Konzert auch durch drei Vertonungen von Texten des Wiener Lyrikers Peter Ahorner, ebenfalls durch Berger, Theatermusiker im »Theater in der Josefstadt«, wo er Ahorner kennen gelernt hatte. »Schaun’ Zahn’ Drahn«, ein wienerisch gefärber Jazz mit Anklängen an die Schrammel-Musik, ist eine köstliche, virtuose Exkursion durch die unterschiedlichsten Verwendungen dieser drei Verben im Wiener Dialekt. Ein besonders reizvolles Ahorner-Berger-Stück im zweiten Set war »In vino veritas«: Hier hatte die Rhythmusgruppe eine Pause, und Sänger und Gitarrist Helmut Punzenberger wurde allein von den drei Bläsern begleitet. Vom Reggae inspiriert war das dritte Stück dieser Art: »So schee wars aa net.«

Eine sehr ausdrucksvoll präsentierte Nummer, »God Bless the Child«, stammte von der bedeutenden US-amerikanischen Jazzsängerin Billie Holiday. Zielstrebig steuerte das Konzert schließlich auf die »Funkin 70« zu, und fürs dankbare Publikum hatten die Sieben natürlich auch Zugaben im Gepäck.

Der eigentliche Geburtstag wird vom 3. auf den 4. Dezember im »Jazzit« in Salzburg musikalisch gefeiert und klingt am 4. Dezember ab 20 Uhr im Trostberger Postsaal aus. Veronika Mergenthal

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