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Schäden an PV-Anlage bremsen Stromerzeugung in Enthal

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Bergen: Schäden an Photovoltaikanlage bremsen Stromerzeugung in Enthal
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Beschädigt ist die Photovoltaikanlage in Bergen-Enthal. Im Winter gaben Module der Schneelast nach. Seitdem hängen sie herunter oder liegen auf dem Boden. (Foto: Dr. Lutz)

Bergen – Einige Module hängen herunter, andere liegen am Boden: Schäden weist die Photovoltaikanlage auf, die die Wohnungsbau GmbH des Landkreises Traunstein erst vor fünf Jahren auf freier Fläche an der Autobahn in der Gemeinde Bergen geschaffen hat. Dr. Reinhold Lutz, ein Bürger, sagt, dass sie sich schon seit geraumer Zeit in einem »desolaten Zustand« befinde. Und er schickt klare Worte von Bergen nach Traunstein: »Ich fordere, nun endlich eine fachgerechte Reparatur durchzuführen, damit sich die Anlage amortisieren kann.«


Bis auf Weiteres ist jedoch keine Sanierung in Sicht. Aufgrund eines Klage- und eines Beweissicherungsverfahrens könne, wie Michael Reithmeier, der Pressesprecher im Landratsamt, auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts mitteilte, »keine umfangreiche Instandsetzung erfolgen«. Die Wohnungsbau GmbH könne »lediglich mit Blick auf Gefahr in Verzug« handeln und in diesem Sinne allein Maßnahmen zur Sicherung der Anlage ergreifen.

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Die Photovoltaikanlage (PV-Anlage) hat die Wohnungsbau GmbH des Landkreises Traunstein im April 2014 fertiggestellt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 1,4 Millionen Euro. Die GmbH in Traunstein bekam seinerzeit Unterstützung aus München für das Projekt in Bergen: Das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz förderte den Bau im Rahmen des Programms »Alte Lasten – Neue Energien«. Mit einer Nennleistung von rund 1210 Kilowattpeak kann die Anlage rund 1,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Die Module stehen auf einer Fläche von rund 8500 Quadratmetern.

Dr. Lutz beschwert sich über den Umgang von öffentlichen Mitteln hinsichtlich der Anlage in Enthal: »Hier werden Steuergelder in erheblichem Ausmaß seit Jahren verschwendet.« Die Anlage sei »falsch konzipiert« worden, »offensichtlich von Ingenieuren, die nicht wissen, dass es in Bergen auch schneit«. Schon zweimal habe die Anlage aufgrund von Schneelasten Schaden genommen.

Die Anlage sei einmal teilweise zusammengebrochen. Anschließend sei sie »völlig unfachmännisch mit diagonalen Holzbrettern abgestützt« worden. Die Folge dieser notdürftigen und nicht ausreichenden Instandsetzung: Nach einem Schneefall zum Jahreswechsel sei sie dann, so Dr. Lutz weiter, wieder teilweise eingestürzt.

Inzwischen sind Monate vergangen. Und Dr. Lutz kann nicht verstehen, dass die Wohnungsbau GmbH die Photovoltaikanlage nicht ordentlich saniert. Seit dem teilweisen Einsturz im Winter sei die Anlage, wie er kritisiert, »nicht repariert worden« – womit sie sich nun auch nicht amortisieren könne.

»Der Schneedruckschaden stammt aus den Jahren 2015 und 2019«, sagt Reithmeier. »Der Errichter gesteht Mängel grundsätzlich ein, hat die Schäden bislang jedoch nur in geringem Umfang behoben.« Deshalb habe ihn die Wohnungsbau GmbH wegen mangelhafter Bauausführung und Planung verklagt. Der Pressesprecher weiter: »Der Errichter hat mittlerweile Insolvenz angemeldet.«

Errichter und Planer bestreiten, dass sie die Anlage – wie Lutz behauptet – falsch konzipiert hätten. Sie räumen Planungs- und Ausführungsfehler laut Reithmeier »nur zum Teil ein«. Und der Pressesprecher betont in diesem Zusammenhang auch, dass der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises die Hände gebunden seien: »Wir dürfen angesichts des laufenden Klage- und Beweissicherungsverfahrens nur Sicherungsmaßnahmen vornehmen.«

Reithmeier räumt ein, dass die Anlage, bedingt durch die Schäden, nicht zu hundert Prozent läuft. Aber zum großen Teil sei sie in Betrieb. »Wir haben trotz des Schadens an einem Teil der Anlage insgesamt eine Einspeisung von 80 bis 90 Prozent des gesamten Potenzials der Anlage.«