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»Sanfte Choralstimmen und weiche Gambenklänge«

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Das Stück von Giovanni Francesco Anerio »Unam petii a Domino« oder »Nur eines erbitte ich vom Herrn« gab es in doppelter Darbietung: beginnend mit den Gamben-Klängen des Damen-Quartetts »Le quattro Viole« und abschließend in gesungener Form durch den Männerchoral der Stiftskirche Höglwörth. (Foto: Sojer)

Ein geistliches Abendkonzert organisierte Willi Setzer-Mühlbacher aus Petting in der Wallfahrtskirche am Mühlberg. Unter dem Motto »Wurzel Gregorianik« hatte sich die Choralschola der Stiftskirche Höglwörth, das Ensemble »Le quattro Viole« und Benedikt Meurers an der Orgel zusammengefunden, um gemeinsam im Gedenkjahr »500 Jahre Reformation« nicht nur an das Trennende, sondern auch an das Gemeinsame von Katholiken und Protestanten zu erinnern.


Durch die Kunst-Epoche der Renaissance (15. und 16. Jahrhundert) bis zum nachfolgendem Generalbasszeitalter des Barocks (1600 bis 1750) mit italienischer Dominanz und französischen Renommees, führten die Musiker die Besucher mit geistlichen Liedern durch den Jahresablauf des Kirchenjahrs.

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Organist Benedikt Meurers eröffnete den Abend mit der »Toccata prima aus dem Apparatus musico« von Georg Muffat (1653 bis 1704). Muffat teilte das Schicksal zahlreicher hochinspirierter Komponisten, die zu jener Zeit allenfalls als Kleinmeister eingeordnet wurden. Meurers spielte an der Orgel zwischendurch Werke aus der Feder protestantischer Komponisten, von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) mit »Vom Himmel kann der Engel Schar«, »Wer nur den lieben Gott lässt walten« und »Präludium in C«, sowie von Vincent Lübeck (1654 bis 1740) das »Präludium ex E«.

Die Wurzel der abendländischen Musik ist der gregorianische Choral, der von frühchristlichen Gemeinschaften gepflegt wurde. Papst Gregor der Große (6. Jahrhundert) richtete als erster die »schola cantorum« ein, eine Gruppe ausgewählter Sänger, die die Kunst des liturgischen Gesangs pflegten, und schließlich von den Stiften und Klöstern weitergetragen wurden. Die Choralschola-Sänger der Stiftskirche Höglwörth sangen unter der Leitung von Leopold Gnedel als Introitus zum 3. Adventssonntag »Gaudete«, »Kyrie« und »O Heiland, reiß die Himmel auf«. Weiter zogen die Herren einstimmig durch das Kirchenjahr zum 5. Passionssonntag mit »Judica me« und »O Herr, aus tiefer Klage« von Mimi Gendel-Hahn (1930) bis zum sequenziellen Ostersonntag mit »Victimae paschali laudes.« Am Ende des Kirchenjahres angelangt, trug die Choralschola das Communio zum Pfingstfest »Factus est repente«, das Introitus zum Michaelsfest »Benedicite Dominum« und »Nun bitten wir den Heiligen Geist« vom Mimi Gnedel-Hahn vor.

Das instrumentale Ensemble »Le quattro Viole« unter der Leitung von Gabriele Ruhland spielte sich mit ihren Gamben durch den Kirchenkalender mit »Fantasia N˚2« von John Coprario (1570 bis 1626), Francisco Guerrero (1527 bis 1599) »O celestial mediciana« und »Dulcissima Maria«, »Fantasia N˚18« von Richard Mico (1590 bis 1661) und »Sybilla Agrippa« von Orlando di Lasso (1532 bis 1594). Von Weitem sieht die Gambe nicht anders aus als ein Cello. Doch aufgrund ihrer Bauweise wird das Mitschwingen vieler Obertöne bewirkt, wodurch die tiefen Töne einen besonders weichen, hohen, singenden Klang haben.

Die »Viola da gamba« – die Geige fürs Bein – ist ein faszinierendes, aber auch ein hochempfindliches Streichinstrument. Das kammermusikalische Damen-Quartett musste vor jedem vorgetragenen Stück die sensiblen Darmsaiten neu stimmen, die sich bei geringsten Temperaturschwankungen äußerst schnell verziehen. Die Gambe hatte ihre Blütezeit im 16. und 17. Jahrhundert und zählte zu den Instrumenten des europäischen Adels. Berühmte Komponisten wie Bach, Händel oder Purcell schrieben dazu wunderbare Musikstücke. Mitte des 18. Jahrhunderts verlor das Instrument durch den klanglichen und musiksozialen Umbruch an Wertschätzung. Erst im 20. Jahrhundert entdeckten die Musiker die Gambe wieder für sich und brachten sie ins Konzertleben zurück.

Organist Meurers beendete die besinnliche Konzertstunde mit der »Toccata in E« von Johann Pachelbel (1653 bis 1706), einem deutschen Komponisten des Barock. Pachelbels spieltechnische und kompositorische Vielfalt waren wichtige Inspirationen für Johann Sebastian Bach, der sich besonders von den Choralbearbeitungen Pachelbels anregen ließ.

Das Faszinosum der Gregorianik zieht immer mehr Gläubige an, sei es die tiefe Sehnsucht nach Spiritualität, die Wiederbesinnung auf christliche Werte oder die heilsame Kraft der hörbaren Stille. Das geistliche Abendkonzert, in erhabener und frommer Weise von den Künstlern interpretiert, endete in seiner ganzen musikalischen Fülle und die Freunde der »Alten Musik« zollten großen, anerkennenden Beifall. Brigitte Sojer

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