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Ryan bringt Schwung in den US-Wahlkampf

Washington (dpa) - Der frischgebackene Vizepräsidenten-Kandidat Paul Ryan hat Schwung in den Wahlkampf der US-Republikaner gebracht. Bei mehreren gemeinsamen Kundgebungen am Sonntag (Ortszeit) zogen Spitzenbewerber Mitt Romney und sein als radikaler Sparer bekannter «Running Mate» große Menschenmengen an.

Paul Ryan
Paul Ryan (L) bei einer Wahlkampfveranstaltung in Waukesha, Wisconsin. Foto: Kamil Krzaczynski Foto: dpa

«Das ist überwältigend», rief Ryan bei einem Auftritt in Mooresville (Bundesstaat North Carolina) aus. Romney bekannte: «Ich bin so glücklich, jetzt einen Teamgefährten zu haben, dass wir beide zusammen sind.»

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Der 42-jährige Ryan will die Staatsverschuldung herunterfahren und plant dazu auch äußerst drastische Einschnitte ins soziale Netz. Präsident Barack Obama, Romneys Gegner bei der Wahl im November, nahm Ryan unter scharfen Beschuss und warf ihm eine radikale Ideologie vor.

Damit bestätigte sich bereits kurz nach Ryans Berufung zum Vizekandidaten, dass der Wahlkampf eine neue politische Note erhalten hat. Mit seiner Entscheidung für Ryan habe sich Romney unweigerlich das Sparprogramm des Kongressabgeordneten zu eigen gemacht - auch wenn er selbst nicht unbedingt in allen Punkten zustimme, kommentierten US-Zeitungen. Damit könne er die konservative Basis mobilisieren und motivieren, aber biete dem demokratischen Lager zugleich eine Flanke für Attacken.

Ryan zeigte sich nach der Schilderung von Augenzeugen bei den Wahlkampf-Auftritten entspannt und energiegeladen. Damit habe er den sonst eher etwas steif wirkenden Romney mitgezogen. Der Ex-Gouverneur von Massachusetts habe so locker gewirkt wie selten zuvor. Besonders stark umjubelt wurde das Duo laut Medienberichten bei einer Kundgebung in Waukesha in Ryans Heimatstaat Wisconsin.

Nach Augenblicken der Rührung über den herzlichen Empfang ging Ryan schnell zu Attacken gegen Obama über. Der Präsident habe versagt, bei der Wahl im November stehe die Zukunft der Nation auf dem Spiel. «Es ist unsere Pflicht, den amerikanischen Traum für unsere Kinder zu retten», sagte Ryan.

Romney erklärte, Obama werde alles in seiner Macht Stehende tun, um diesen Wahlkampf zum «gemeinsten, negativsten der amerikanischen Geschichte» zu machen. «Herr Präsident, holen Sie Ihren Wahlkampf aus der Gosse», sagte der Republikaner.

Ryan und Romney setzen den Wahlkampf nun getrennt fort. Gemeinsam auftreten werden sie erst wieder beim Nominierungsparteitag der Republikaner Ende August in Tampa (Florida).

Obama nannte Ryan bei einer Kundgebung in Chicago (Illinois) den «ideologischen Anführer der Republikaner im Kongress». Er heiße Ryan im Wahlkampf willkommen, sagte der Präsident in seiner ersten Reaktion auf Ryans Ernennung weiter. «Er ist ein anständiger Mann, ein Familienmann, ein deutliches Sprachrohr für Gouverneur Romneys Vision.»

Es sei aber eine Vision, die er, Obama, völlig ablehne. Die Wahl im November sei nicht nur eine Wahl zwischen zwei Kandidaten und zwei Parteien. Sie sei eine Entscheidung über zwei unterschiedliche Richtungen.

Bericht der «New York Times»