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Wilfried Tachezi und sein Orchester »Pro Musica Salzburg« schwelgen im Orchesterklang

Ruhpoldinger Konzerttage eröffnet

»Was für eine schöne Kirche! Und hier darf ich dirigieren,« freute sich Professor Wilfried Tachezi, Gründer und seit 1988 Dirigent des Orchesters »Pro Musica Salzburg«.

Musizieren mit Freude erzeugt Glücksgefühle bei Ausführenden und Zuhörern: Wilfried Tachezi und sein Orchester »Pro Musica Salzburg« beim Konzert in Ruhpolding. (Foto: Janoschka)

Das Konzert in der Pfarrkirche St. Georg war nicht nur das Eröffnungskonzert der Ruhpoldinger Konzerttage, sondern auch eines der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach«. Architektur und Landschaft spielen bei den Konzerten des Musiksommers tatsächlich eine große Rolle. Und es wird immer wieder deutlich, dass dieses ganzheitliche Konzept aufgeht. Der Klangkörper »Pro Musica Salzburg« besteht aus 45 Berufsmusikern – aus dem Mozarteum Orchester Salzburg, aus der Philharmonie Bad Reichenhall und aus hervorragenden Musikstudenten des Mozarteums Salzburg.

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Das Ruhpoldinger Konzert war das dritte nach zwei vorausgegangenen Konzerten in Kärnten und in der Steiermark. Cellist Simon Nagl und zugleich Vorstandsmitglied der Kulturinitiative Ruhpolding e.V., die die Konzerttage veranstaltet, begrüßte die überaus zahlreich erschienenen Gäste auf deutsch und auf englisch und stellte die einzelnen Programmpunkte vor – die Ouvertüre zur Oper »Hänsel und Gretel« von Engelbert Humperdinck (1854 bis 1921), die Haffner-Sinfonie, D-Dur, KV 358 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) und Felix Mendelssohn-Bartholdys (1809 bis 1847) »schottische« Sinfonie Nr. 3 in a-Moll.

Die herrlichen Arienmelodien in der Oper »Hänsel und Gretel«, wie etwa der Schutzengelchoral, »Hokus pokus« oder »Die Englein haben’s uns im Traum gesagt« und »Die Hokus pokus Hexerei ist nun vorbei« vermittelten zu Beginn ganz unterschiedliche musikalisch-inhaltliche Aussagen. Nicht weniger im Klangrausch schwelgte das Orchester in der »Haffner«-Sinfonie. Dass diese Sinfonie außerdem laut Simon Nagl »vor Lebensfreude strotzt«, war in jedem Takt zu hören. Zuvor hatten die Blechbläser die Bühne im Altarraum für dieses Werk verlassen, doch die Hörner durften bleiben.

Die Transparenz in der Komposition, der einheitliche Klang in jedem Streicherregister, so als würde jeweils nur ein Instrument spielen, die wechselnde Verteilung von Melodie und Begleitung charakterisierten nicht nur das »Allegro con spirito«. Auch der zweite Satz »Andante« war ein wunderbares Spiel mit den Melodien und kontrapunktischen Begleitphrasen. Sehr exakt musizierten die hervorragend aufeinander eingespielten Musiker die virtuose Schlussfuge des »Presto« und reagierten auf jedes Zeichen ihres Maestro unmittelbar. Die einzelnen Stimmen verfolgen zu können, die Übergänge in den Ritardandi mitzuempfinden – das wurde zur höchsten Freude der Konzertbesucher, die nach dem vierten Satz ihrer Begeisterung im Applaus und in den Bravorufen freien Lauf ließen.

Felix Mendelssohn-Bartholdys »schottische« Sinfonie Nr. 3 in a-Moll – laut Ankündigung »eine musikalische Landschaftsmalerei vom Feinsten« – wurde vor 175 Jahren im Leipziger Gewandhaus uraufgeführt. Sie hatte – zunächst im ersten Satz – alles in sich, was zur Romantik gehört, von der schottischen Landschaft inspirierte Naturschilderungen oder Donnergrollen und Sturmgetöse mit auf- und abschwellenden Streicherpassagen. Das Einfangen der folkloristischen Atmosphäre bei einem Volksfest im zweiten Satz (»Vivace non troppo«) und das Trauerspiel im kantablen »Adagio«, basierend auf der Vorstellung von Kriegen, Gemetzel und Schrecken, sowie die musikalische Darstellung aufbrausender Emotionen im vierten Satz – dies alles bezieht sich in erster Linie auf die durchlebten Gefühle des Komponisten, die er mit seiner Musik verarbeitet.

Nach dem langen und herzlichen Applaus gab es als Zugabe die virtuos gespielte Ouvertüre zur Oper »Die Zauberflöte«. Ein erinnerungswürdiges Klang-Erlebnis!

Die nächsten Termine der 13. Ruhpoldinger Konzerttage: 1. Oktober, 10.30 Uhr, Kirche St. Valentin-Zell: Schubert-Matinée; 6. Oktober, 10 Uhr HPZ (Heilpädagogisches Zentrum) und 7. Oktober, 16 Uhr, Kulturhaus Nagl: Konzert für Kinder »Die Zauberflöte« von W. A. Mozart. Brigitte Janoschka