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Rücksicht nehmen auf Frösche, Kröten und Molche

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Vor allem in den Abend- und Nachtstunden überqueren Frösche und Kröten demnächst wieder scharenweise unsere Straßen. (Foto: Rutkowski)

Die milderen Temperaturen und Regenfälle locken Kröten, Frösche und Molche bereits jetzt aus den Winterquartieren. Freiwillige Helfer des Bund Naturschutz (BN), Straßenbaubehörden und Gemeinden beginnen deshalb bereits jetzt mit dem Aufbau von Amphibienzäunen an Straßen. Das rettet jährlich 500 000 bis 700 000 Amphibien das Leben.


Mit den ersten warmen Tagen und frostfreien Nächten machen die Amphibien sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden überqueren sie dann scharenweise unsere Straßen. Der Bund Naturschutz im Landkreis Traunstein, die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Traunstein sowie der Kreisbauhof bitten wieder alle Autofahrer, besonders in der Dämmerung vorsichtig zu fahren.

»Tiere sollen ihr Ziel sicher erreichen«

»Der Klimawandel mit milderen und kürzeren Wintern führt dazu, dass die Amphibienwanderung immer früher im Jahr beginnt, während das Sammelende im April gleich bleibt. Damit steigt der Betreuungsaufwand enorm«, so Beate Rutkowski, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Traunstein. Landrat Siegfried Walch sagt: »Der Schutz der Amphibien ist uns sehr wichtig. Die Tiere sollen ihr Ziel sicher erreichen. Auch auf diese Weise leisten wir einen wichtigen Beitrag, die biologische Vielfalt unserer heimischen Natur zu erhalten.«

Auch Tiere, die »zwischen die Räder« genommen und nicht unmittelbar verletzt werden, verenden schon bei Geschwindigkeiten ab 30  Stundenkilometer wegen der sich unter dem Fahrzeug aufbauenden, starken Luftdruckunterschiede. Wenn also Amphibien auf der Straße sind, sollte diese Geschwindigkeit nicht überschritten werden. Eine wirkungsvolle Schutzmaßnahme sind deshalb die vom Landratsamt Traunstein aufgestellten Beschilderungen.

Was das rund 380 Kilometer lange Kreisstraßennetz betrifft, arbeiten Kreisbauhof, Untere Naturschutzbehörde und viele ehrenamtliche Helfer zum Schutz der Tiere auch heuer wieder Hand in Hand. Tausende Laufmeter Schutzzaun müssen rechtzeitig errichtet werden, um die Wanderwege der Amphibien umzuleiten oder um sie aufsammeln zu können.

Ehrenamtliche kümmern sich um Schutzzäune

Der Kreisbauhof verteilt das Material für die Schutzzäune an verschiedenen Brennpunkten der Amphibienwanderung im Landkreis. Vor Ort kümmern sich dann ehrenamtliche Helfer um den Aufbau, beispielsweise an der Kreisstraße TS  14 bei Seeon. Die längeren Schutzzäune, wie an der Kreisstraße TS 34 bei Marquartstein, werden von den Mitarbeitern des Kreisbauhofs aufgestellt und von Ehrenamtlichen des Bund Naturschutz im Achental betreut. Im Verlauf der Wanderung müssen dann einige hundert Meter Schutzzaun versetzt werden, um die von den Laichplätzen zurückkehrenden Amphibien bei der erneuten Überquerung der Straßen abzusichern. Wenn die Wanderungen vorbei sind, werden die Schutzzäune abgebaut und für das nächste Jahr wieder im Kreisbauhof eingelagert.

Neben den mobilen Schutzzäunen unterhält der Kreisbauhof an mehreren Stellen feste Amphibiendurchlässe. Der bekannteste liegt an der Kreisstraße TS 5 beim Weiler Klaus zwischen Bergen und Staudach-Egerndach. Diese »Unterführungen für Amphibien« werden das ganze Jahr über kontrolliert und gepflegt. »Nur so können wir den reibungslosen Durchgangsverkehr der Amphibien gewährleisten«, erklärt Bauhofleiter Peter Mayer. Die Bauhofmitarbeiter haben an einigen Strecken Warnschilder mit einem Froschmotiv aufgestellt, die auf Geschwindigkeitsbegrenzungen während der Wanderung hinweisen.

Auch an den Bundes- und Staatsstraßen werden in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt von ehrenamtlichen Helfern mobile Amphibienzäune aufgestellt. Sie sammeln die Amphibien entlang der Zäune ab und bringen sie sicher zu den Laichplätzen.

Neuer Übergang nahe Kirchanschöring

Weitere Amphibienschutzmaßnahmen gibt es auch an einigen Gemeindestraßen. Ein neuer Übergang hat sich beispielsweise bei Reichersdorf in der Gemeinde Kirchanschöring entwickelt. Dank einiger engagierter Anwohner werden dort mit Unterstützung der Gemeinde viele Tiere gerettet und auf diese Weise die Population erhalten.

Besondere Vorsicht ist jedes Jahr im Bereich der Bundesstraße 305 zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl geboten. Hier wandern die Tiere in manchen Nächten zu Tausenden über die Fahrbahn, wodurch die Straße kaum mehr befahrbar ist. In solchen Fällen wird sie aus Gründen des Tierschutzes und der Verkehrssicherheit für die Nachtstunden zwischen Seegatterl und Seehaus gesperrt.

Zudem bittet die Untere Naturschutzbehörde Hauseigentümer darum, ihre Kellerschächte regelmäßig auf Amphibien zu kontrollieren und gegebenenfalls die Tiere wieder in die Freiheit zu entlassen. fb