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Rohbauarbeiten am Untersberg in Rekordzeit beendet

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Der erste Anbau stand schon früh.
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Die Baustelle nach den Abrissarbeiten.
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Das für diesen Herbst anvisierte Bauziel bei der Stöhrhaus-Erweiterung hat man weit übertroffen. Das alte Nebengebäude links soll noch abgerissen werden. (Fotos: DAV)

Bischofswiesen – Das herrliche Herbstwetter ermöglichte den Abschluss der Rohbauarbeiten am Stöhrhaus in Rekordzeit. Die Alpenvereinssektion Berchtesgaden schafft in dem beliebten Unterkunftshaus am Untersberg durch einen Anbau etwas mehr Komfort. Jetzt hat man den Bau erst einmal winterfest gemacht, im Frühling geht es weiter.


Das Stöhrhaus wurde in den Jahren 1898 bis 1901 mit Genehmigung seiner königlichen Hoheit Prinz Luitpold auf Anregung und mit finanzieller Unterstützung von Kommerzienrat Paul Rudolf Eduard Stöhr erbaut. Trotz einer Erweiterung im Jahr 1985 entsprach die Schutzhütte schon länger nicht mehr den heutigen Standards, insbesondere was Küche, Übernachtungsmöglichkeiten und Brandschutz betrifft.

So sollen künftig eine zweite Ausgabe und die Erweiterung der Küche die Wartezeit beim Anstellen um Speisen und Getränke verkürzen. Die Sitzplatzkapazitäten werden an die Anzahl der Übernachtungsplätze angepasst. Die Hüttenpächter und das Personal müssen nach Fertigstellung der Arbeiten nicht mehr in den Gästezimmern wohnen. Die WC-Anlagen werden auf den neuesten Stand gebracht. Die Anzahl der Lager in den Schlafräumen wird reduziert – die Gesamtzahl der Lager bleibt aber gleich – und für Übernachtungsgäste mit Hunden werden zwei Zimmer eingerichtet. Ein Schutzraum für den Winter ist im neuen Gebäude ebenfalls untergebracht.

Nach intensiven Verhandlungen konnte man sich Ende Juni mit dem DAV-Bundesverband auf eine gute Umbauvariante einigen, die jetzt von beiden Seiten mitgetragen wird. Zugleich wurden die Baukosten in Höhe von 1 Million Euro mit dem Bundesverband abgestimmt. Hiervon trägt der Bundesverband etwa die Hälfte. Sogleich ging das mit dem Umbau beauftragte Architekturbüro dazu über, alle notwendigen behördlichen Anforderungen bezüglich der Genehmigung zügig umzusetzen. Hierfür waren Statiken, naturschutzrechtliche Planung und Brandschutzgutachten notwendig. »Sehr kooperativ und hilfsbereit zeigten sich die Mitarbeiter des Landratsamtes, der Gemeinde und der Bundesforste. Dadurch gelang es, das Genehmigungsverfahren in Rekordzeit durchzuführen«, betont Beppo Maltan, 1. Vorsitzender der Alpenvereinssektion Berchtesgaden.

Ein Anliegen war es auch, die anerkannten Naturschutzverbände frühzeitig in das Verfahren einzubeziehen. Hier zeigte sich, dass die Verbände durchaus einer Meinung sein können. Die ökologische Bauaufsicht wurde gemeinsam ausgewählt, dieses Vorgehen erwies sich erneut als hilfreich.

»Eine gute Entscheidung war es, dass die Werkplanung durch die beauftragte einheimische Zimmerei in enger Zusammenarbeit mit dem Statiker durchgeführt wurde«, sagt Beppo Maltan. Dies sei mit ein Grund, dass bereits am 3. September mit den Abbrucharbeiten begonnen werden konnte.

Auch in puncto Bauablauf ging die Sektion eigene Wege. Mit der Bauleitung vor Ort wurden der Hüttenwirt und der Zimmererkapo beauftragt. Die Oberbauleitung im Tal hatten der Chef der Zimmerei einschließlich seines Technikers inne. Diese holten alle notwendigen Entscheidungen über den Sektionsvorsitzenden ein, der bei so mancher wichtigen Frage kurzfristig seine Vorstandschaft abstimmen ließ. Oftmals war hier auch ein E-Mail-Beschluss notwendig.

Beppo Maltan lobt vor allem die Zusammenarbeit der am Bau beteiligten heimischen Firmen. »Maurer, Zimmerer, Sprengmeister, Elektriker, Installateur und Hüttenwirt waren sich nicht zu schade, bei der Umsetzung des Gewerkes des anderen mitzuarbeiten.« Und für die Verköstigung am Berg sorgte die Hüttenwirtin.

Ein Glücksfall war für alle Beteiligten die Wettersituation in diesem Herbst, die auch die Hubschrauberflüge begünstigte. »Dazu erbrachten die Piloten Höchstleistungen, besonders beim Flug der Fertigteile«, sagt Beppo Maltan. Er sieht es als Vorteil, wenn die Piloten aus der Region stammen und ortskundig sind. Die Heimat eines Piloten ist beispielsweise Maria Gern. Und die Gerer zeigten auch viel Verständnis für den nicht unerheblichen Fluglärm. Dass die Sektion beim Umbau auch die Naturschutzauflagen beachtet, bestätigte dieser Tage die ökologische Bauaufsicht, die eine Vielzahl von Kontrollgängen durchführte.

Die Ausbauarbeiten sollen je nach Wettersituation in den ersten Monaten des nächsten Jahres erfolgen. Hier hat die Sektion mit den Firmen und dem Hüttenwirt bereits Gespräche geführt, weil die Bauarbeiten an die Wettersituation und an die wildbiologischen Gegebenheiten angepasst werden müssen. Die Sektion geht davon aus, dass das Stöhrhaus Mitte Juni 2019 seinen Gästen wieder zur Verfügung stehen kann. fb