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Roger Waters kommt 2018 nach Deutschland

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Roger Waters
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Roger Waters sorgt sich um die Welt mit ihren vielen Problemen und Gefahren. Foto: Roger Waters Foto: dpa

Jahrelang stand «The Wall» vor allem für ein legendäres Album von Pink Floyd. Heute werden Mauern mit US-Präsident Donald Trump in Verbindung gebracht. Roger Waters, Mitbegründer der Band, baut auf alte Musik auf und verwandelt seine Show in ein politisches Spektakel.


New York (dpa) - Wenn Roger Waters dieser Tage von seiner laufenden Tour erzählt, könnte man meinen, der Mann geht in seiner Gedankenwelt irgendwann ganz verloren.

Über Rüstungsunternehmen wie Raytheon spricht er dann, die «unsere Kinder ermutigen, einander abzuschlachten», über Flüchtlingsströme aus «Ex-Kolonialafrika» und über Walt Disney als Teil einer «Maschinerie, um die amerikanische Öffentlichkeit den Bedürfnissen großer Konzerne zu unterwerfen».

Rogers ist Rockmusiker von Weltklasse, ob als früherer kreativer Kopf von Pink Floyd oder im Alleingang. Aber er ist auch ein Dampfplauderer, der ziemlich viel reden kann, wenn der Tag lang ist.

«Us + Them» heißt die Show, die Waters seit vergangenem Mai in den USA spielt und die ihn im Mai und Juni 2018 unter anderem nach Hamburg, Berlin, Köln und München führt. Rund zweieinhalb Stunden der dreistündigen Konzerte drehen sich um den klassischen Stoff, nach dem Pink-Floyd-Fans alter Tage sich bis heute sehnen.

Der Rest sind Songs von Waters' neuem Album «Is This the Life We Really Want?», die sich um eben die Frage drehen, die er selbst sich in Zeiten von US-Präsident Donald Trump zu stellen scheint: «Ist dies das Leben, das wir wirklich wollen?»

Bei den meisten Fans trifft das Trump-Bashing ins Schwarze, auch in Deutschland dürften die auf gewaltige LED-Leinwände projizierten Bilder von Trump als Ku-Klux-Klan-Mitglied oder mit winzigem Penis Jubel auslösen. «Die Donald Trump-Sache kam fast per Zufall», sagt Waters der Deutschen Presse-Agentur nach seinem Konzert in New York. Beim Coachella-Festival in Kalifornien habe er Trump 2016 erstmals aufgegriffen, sagt er. Der heutige US-Präsident war damals noch Immobilienunternehmer und vor allem als Star aus dem Reality-TV bekannt. Seine Chancen, jemals ins Weiße Haus einzuziehen, schienen zumindest gefühlt gegen null zu gehen.

Doch es kam alles ganz anders, und so sieht es Waters heute als seine Pflicht an, den mächtigsten Politiker der westlichen Welt vor Tausenden zu verballhornen. Das legendäre Pink-Floyd-Album «The Wall» (Die Mauer) von 1979 hält er dabei für so aktuell wie vor fast 40 Jahren. «Trumps Vorstellung, entlang der Grenze (zu Mexiko) eine Mauer zu bauen, ist verrückt, so wie das meiste seiner Politik verrückt ist», sagt Waters. «Die wirkliche Frage der Trump-Präsidentschaft lautet: Wie kommt er damit noch durch?»

Es ist eine kraftvolle Botschaft, die der 74-Jährige von der Bühne ins Publikum trägt: Liebt einander, haltet zusammen, sorgt für eure Mitmenschen. Jeder Mensch sollte sich Waters zufolge politisch engagieren. «Wer nicht auf irgendeine Weise politisch aktiv ist, leugnet seine Menschlichkeit», sagt er.

Der in Great Bookham im Südwesten von London geborene Waters wurde von seinen Eltern politisch geprägt, schon in jungen Jahren engagierte er sich für nukleare Abrüstung. «Ich habe den Humanismus meiner Eltern geerbt und ich danke ihnen dafür so sehr. Sie machten sich immer für die Außenseiter stark und suchten nach neuen Lösungen für die verletzlichen, schwächeren Mitglieder der Gesellschaft.»

Aber wer Waters im Gespräch über eine Stunde so zuhört, kann auch den Eindruck bekommen, hier wolle ein leicht verschrobener Verschwörungstheoretiker die Apokalypse heraufbeschwören. In einer Online-Kritik zum neuen Album heißt es: «Stechend und pessimistisch wie immer steht Waters ganz vorn und marschiert mit dem Umzug verdammter Seelen zum letzten Ende.»

Trump mag als größenwahnsinniger Egomane das schlagkräftigste Militär der Welt kontrollieren und heiße Konflikte noch anheizen, der Klimawandel bringt die Umwelt ins Ungleichgewicht, unsichere Zeiten brechen an. Doch für all diese Sorgen und die Fragen, die Waters zur Weltlage stellt, gibt er seinen Fans nur wenig konkrete Lösungsvorschläge.

Gut ankommen dürfte die Show in Deutschland trotzdem. Und was Waters selbst angeht, sieht es auch nicht danach aus, als würde er bald den Hut an den Nagel hängen. «Ich bin einfach sehr froh, dass ich von meinen Eltern ordentliche Gene geerbt habe und nicht so schnell gealtert bin wie einige meiner Freunde und Zeitgenossen, die alle Krebs oder was auch immer erlegen», sagt er. Bei allen düsteren Botschaften von Waters ist das ja irgendwie auch eine gute Nachricht.

Website Roger Waters