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Rössner: »Wir brauchen Kriminalisierung des Dopings«

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Doping
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Doping ist eine der Schattenseiten des Sports. Foto: dpa Foto: dpa

Düsseldorf (dpa) - Deutschland braucht nach Ansicht des Kriminologen Dieter Rössner ein Anti-Doping-Gesetz, weil die Grundwerte des Sports durch die bisherigen staatlichen Regelungen nicht geschützt sind.


»Das Eigendoping der Sportler muss ins Blickfeld genommen werden«, sagte er der »Frankfurter Allgemeine Zeitung«. »Wir brauchen eine direkte Kriminalisierung des Dopings.«

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Bisher ist der Besitz geringer Mengen von Dopingmitteln nach dem Arzneimittelgesetz (AMG) nicht strafbar. »Erst die Besitzstrafbarkeit ohne Einschränkung gäbe den Ermittlern die Möglichkeit, in den Spitzensport vorzudringen«, erklärte Rössner. Das AMG richte sich gegen den Handel mit Dopingmitteln und ziele eher auf Freizeit- und Fitnessathleten. Damit unterstützt er den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) bei der Forderung nach einer Gesetzesänderung. »Wenn man aber auch Doping im Spitzensport angreifen will, dann muss man Eigendoping unter Strafe stellen.«

Einen entsprechenden Antrag hat der DLV für die Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) eingereicht, die am Samstag in Stuttgart stattfindet. Der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) hat bereits die Unterstützung für diese Initiative zugesagt.

Die DOSB-Führung hat sich bisher gegen eine Strafverschärfung im Kampf gegen Doping ausgesprochen. Hauptargumente dabei sind, dass Sportgerichte schneller urteilen, das Sanktionsrecht mit jahrelangen Sperren härter ist und der Athlet bei einem positiven Test seine Unschuld beweisen muss. Im Strafrecht muss die Anklage die Schuld nachweisen.

»Das stimmt, ist aber nicht der entscheidende Punkt«, sagte Rössner. Es gehe um die staatliche Aufklärung, um die Verhinderung von Vertuschung, um die Erfassung aller, die sich auf Doping einließen. »Wir Kriminologen wissen, dass Entdeckung, Aufdeckung und Verfolgungsdruck die entscheidenden Wirkpunkte für die Prävention sind. Es ist nicht die Sanktion.«

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