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Rituale in künstlerischem Kleid

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Sylvia Mehnert-Kalenda verarbeitet Traditionen und Rituale in ihren Gemälden wie die drei Goaßlschnalzerinnen. (Foto: Mergenthal)

Mit Energie schleudern drei junge Frauen, die sich mit ihren schwarzen Dirndln und den tiefroten Schürzen vom endlosen Weiß abheben, ihre Goaßln. Sie trotzen den Elementen, dem Schneegestöber. Aus einem geheimnisvollen Dunkel kommen eine Bäuerin und ein Bauer beim Almabtrieb auf den Betrachter zu, durch den Lichtschein, der auf die beiden Kühe in der Mitte fällt, wirken diese wie mythologische Gestalten. Kraftvoller Gestus und zarte Nuancen prägen die Bilder von Sylvia Mehnert-Kalenda zum Thema »Magisches im Berchtesgadener Land«, die noch bis Sonntag im Alten Feuerhaus in Bad Reichenhall zu sehen sind.


Bei der sehr gut besuchten Vernissage stellte Stefan Wimmer, Leiter der Kunstakademie Bad Reichenhall, drei Grundthemen von Mehnert-Kalenda in dieser Ausstellung fest: Traditionen und Rituale, die von christlichen Bräuchen wie der Fronleichnamsprozession bis zu den vorchristlichen Ursprüngen reichen, der Berg als Kraftort und das hochaktuelle Thema der Flüchtlinge und Migration.

Die Natur als eindrückliches Element

Eine große Rolle spiele bei der Künstlerin die Natur als eindrückliches Element, auf die der Mensch mit Gegenkräften reagiert wie die Perchten oder die Buttenmandl. Eng verbunden seien die Riten mit dem natürlichen Zyklus der Jahreszeiten. »Das verarbeitet sie spannend in ihrer Maltechnik.« Jedes Bild besteht aus vielen Farbschichten, die tiefer liegende Thematiken mitschwingen lassen. So fällt bei der Fronleichnamsprozession eine schemenhaft blau durchschimmernde Form auf, die ein Geweih oder auch eine heidnische Maske sein könnte. Bei den auf der Galerie präsentierten Bildern, darunter Darstellungen des Florianiplatzes und des Riesen Abfalter, hat die Angerer Malerin zusätzlich Collage-Elemente einbezogen.

Geboren in Thüringen, arbeitete Sylvia Mehnert-Kalenda bis 2012 als Architektin. Die Malerei, die sie immer begleitete, entwickelte sie nach ihrem Umzug nach Anger im Berchtesgadener Land in einem Studium an der Kunstakademie bei Prof. Lüpertz und in Meisterkursen bei Rosa Loy und Leiko Ikemura weiter. Nebenbei widmet sie sich an der Heilingbrunner Schule ehrenamtlich der »Lernbegleitung«. Ihr Malstil wirkt mit seiner märchenhaften Seite, dem freien Gestus und dem Verzicht auf scharfe Konturen wie ein Gegenpol zur Strenge der Architektur.

Das große Format, bis zu 125 mal 155 Zentimeter in Öl oder Acryl, scheut sie nicht. Mehnert-Kalenda arbeitet viel mit Symbolen und Andeutungen. So tauchen bei ihren verwandten Bildern »Hexentanz« und »Frau Perchta« jeweils Raben, Hüter der Magie und schamanische Krafttiere, auf. Die Feuersäule, ein energetisches Element, wirkt wie eine zusätzliche Gestalt. Ihre Landschaften, Bühne für Prozessionen und andere Rituale, sind stark abstrahiert und lassen Raum für freie Assoziationen.

Menschen, die bunten Kopfschmuck tragen

In »Anderswelt« lässt sie Wesen mit tierischen und menschlichen Körperteilen in Dialog treten. Das »Frühlingserwachen« wirkt wie ein Gegenstück zum »Almabtrieb«. Nur sind es hier Menschen, die den bunten Kopfschmuck tragen. Der Nikolaus und seine Buttnmandl kämpfen sich durch den Schnee, der wie bei den Goaßlschnalzerinnen nicht einfach weiß ist, sondern durch die tieferen Farbschichten feine Blau- und Rotnuancen aufweist.

Auch biblische Themen wie »Und der Herr rief Maria Magdalena« setzte die Preisträgerin des Bischofswieser Extempore von 2016 um. Das Acrylbild »Kirchweih« oder das Aquarell »Höglwörth« sind weitere Formen ihrer Hommage an ihre Wahlheimat. Techniken und Materialien wie Kasein, Pastell und Tusche, Mischtechnik, Mixed Media und auch eine Skulptur runden die Präsentation von 26 Werken der Jahre 2014 bis 2017 ab.

Die Ausstellung ist bis Sonntag täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Veronika Mergenthal