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Ringen um Fortbestand des Grünstein-Klettersteigs geht weiter

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An dieser Stelle unterhalb des Grünsteins würden August Stengle sen. und August Stengle jun. gerne einen Parkplatz für etwa 90 Kraftfahrzeuge errichten. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – Das Ringen um einen Fortbestand des Grünstein-Klettersteigs geht weiter. Nach Bekanntwerden der Problematik durch eine Wortmeldung von Stefan Lochner im Gemeinderat (wir berichteten) meldeten sich jetzt die Grundeigentümer August Stengle sen. und August Stengle jun. zu Wort. Sie vermissen Sachlichkeit und klärende Gespräche, in denen man vorhandene Unstimmigkeiten aus der Welt schaffen könnte. Vor allem verstehen Vater und Sohn nicht, warum der Vorsitzende des SC Grünstein Klettersteig, Stefan Lochner, vor weiteren Gesprächen an die Öffentlichkeit gegangen ist. »Stefan Lochner müsste doch als langjähriges Mitglied des Gemeinderats wissen, wie man miteinander umgeht«, so August Stengle sen..


Doch der Reihe nach: Seit Errichtung des Grünstein-Klettersteigs vor zehn Jahren nahm die Frequenz an Kletterern immer mehr zu. Weil viele der Bergsportler die Zustiegszeit verkürzen wollen und mit ihren Autos so nahe wie möglich an den Ausgangspunkt heranfahren, verschärfte sich die Parksituation in der Nähe des Anwesens Stengle immer mehr. »Wir konnten teilweise mit unseren Arbeitsgeräten gar nicht mehr ausrücken, derart zugeparkt waren die Zufahrtsstraßen. Die Gemeinde hat zwar ein paar große Steine positioniert, doch die Klettersteiggäste haben sich einfach andere Nischen gesucht«, so August Stengle jun. bei einem Ortstermin unterhalb des Grünsteins.

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Um mehr Parkraum zu schaffen, sahen sich die Grundeigentümer nach einer Parkfläche um und fanden schließlich an der Weggabelung Hofreitstraße/Zulehenweg eine geeignete Stelle, auf der etwa 90 Autos Platz finden würden. Daraufhin stattete August Stengle der Gemeinde einen Besuch ab und trug sein Anliegen vor, dem Bürgermeister Hannes Rasp und Geschäftsleiter Andreas Huber zunächst wohlwollend gegenüber gestanden sind. Auch das Landratsamt gab grünes Licht, sodass Architekt Ludwig Moderegger mit der Planung für eine Bauvoranfrage beauftragt wurde.

Doch dann änderte sich die Situation laut Stengle. Auf einmal sei die Gemeinde nicht mehr bereit gewesen, einen Parkplatz zu genehmigen. »Wir sind gerne bereit, die Einnahmen aus den Parkgebühren mit der Gemeinde zu teilen, wenn dies die Situation erleichtert«, erklärte August Stengle jun..

Die Gemeinde Schönau am Königssee hat allerdings die Sorge, dass sich die Anwohner über den zunehmenden Verkehr beschweren würden und die Zufahrtsstraße für verstärkten Verkehr auch nicht ausgelegt sei. Die Stengles wiederum können das nicht verstehen, weil ja auch jetzt schon viele Klettersteig-Gäste wild in der Gegend parken. »Wenn auf der Kunsteisbahn große Rennen stattfinden, fließt der Einbahnverkehr ja auch über die Hofreitstraße«, betont August Stengle jun. und hofft noch immer, dass man mit der Gemeinde einen Konsens findet.

Sorgen um die Zukunft des Klettersteigs und des dazu gehörenden Vereins SC Grünstein Klettersteig macht sich auch dessen Vorsitzender Stefan Lochner, der das Thema jüngst im Gemeinderat angeschnitten hatte (wir berichteten). »Es ist ohnehin sehr schwierig für einen Verein, Nachwuchs zu finden. Noch problematischer ist es jedoch, wenn man gar nicht weiß, wie und ob es überhaupt weiter geht«, sagt Lochner, der sogar über die Auflösung des Vereins nachdenkt, was wohl zugleich das Ende des Klettersteigs bedeuten würde. Doch auch Lochner hofft noch auf ein Einlenken der verschiedenen Parteien. »Es muss doch eine für alle tragbare Lösung geben.«

Darauf hofft auch Bürgermeister Hannes Rasp, der demnächst mit allen Beteiligten ein Gespräch führen wird. Dabei wird der Rathauschef auch seine Argumentation gegen den geplanten Parkplatz erläutern: »Durch das Navi würde dieser geplante Parkplatz verstärkter angefahren und das ohnehin vorhandene Parkchaos noch größer. Dass uns dadurch Einnahmen aus dem Königsseer Parkplatz fehlen würden, ist überhaupt nicht ausschlaggebend«, versichert Rasp.

Der Vertrag sieht vor, dass der Klettersteig bis zum 31. Dezember komplett zurückgebaut sein müsste, wenn keine Einigung erzielt wird. Das touristische Angebot in Schönau am Königssee würde damit erheblich geschmälert werden. Christian Wechslinger