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Richard Reed Parry: Gegengift zum Stadionsound

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Richard Reed Parry
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Richard Reed Parry. Foto: Joe Barker Foto: dpa

Die jüngsten Alben von Arcade Fire waren erfolgreich, mit ihrer starken Pop-Orientierung aber auch nicht unumstritten. Richard Reed Parry, Multiinstrumentalist der Kanadier, hat als Solist nun eine Alternative zum Stadionsound im Angebot.


Berlin (dpa) - Seine Band Arcade Fire hat eine atemberaubende Entwicklung hinter sich - vom Montrealer Kellerclub-Geheimtipp zu Indie-Lieblingen zum Stadion-Act in wenigen Jahren. Als Solokünstler pflegt Richard Reed Parry hingegen das kleinere, vielleicht inzwischen spannendere Format.

Auf seinem neuen Album «Quiet River Of Dust Volume 1» (Anti-/Indigo) zeigt der 41-jährige Kanadier, wozu er jenseits der wuseligen Multiinstrumentalisten-Rolle bei Arcade Fire in der Lage ist. Begleitet von einigen der anerkanntesten nordamerikanischen Musiker wie Bryce und Aaron Dessner (The National), Schlagzeuger Andrew Barr (The Barr Brothers) oder Laurel Sprengelmeyer (Little Scream), schöpft Parry auf einem avantgardistischen Indiepop-Album aus dem Vollen.

Mit dem Instrumental-Ensemble Bell Orchestre und dem Neoklassik-Werk «Music For Heart And Breath» (2014) hatte er schon früher bewiesen, dass er sich vom zuletzt eher Mainstream-orientierten Weg seiner Hauptband gern mal entfernt. «Quiet River...» hört sich nun an wie eine moderne Version der Beach Boys, die britische Folk-Songs statt Surf- und Orch-Pop zelebrieren.

Zusammen mit besagten Gästen und den Friends Of Fiddlers Green - der Band seines 1995 gestorbenen Vaters - baut Parry wunderbar spinnerte und ätherische Klang-Kathedralen aus Chorgesang und einem Arsenal teils konventioneller, teils seltsamer Instrumente. Da kommen Gitarren, Drums und Keyboards ebenso zum Einsatz wie Northumbrian Pipes, Concertina, Klarinette und French Horn sowie allerlei sphärische Soundeffekte.

Es lohnt sich nicht, einzelne Songs dieser tollen, mutigen Platte hervorzuheben - sie will in Gänze ihrer 43 Minuten Laufzeit genossen werden, als Gesamtwerk aus sieben teils langen, auch mal ohne Refrain mäandernden Tracks. Insofern funktioniert «Quiet River Of Dust», dem erfreulicherweise schon nächstes Jahr ein Volume 2 folgen soll, als perfektes Gegengift - für Fans von Arcade Fire, die vom Dance- und Pop-Entwurf ihrer Lieblingsband auf «Reflektor» (2013) und «Everything Now» (2017) ermüdet oder gar genervt sind.

Internet: http://richardreedparry.com/