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Reuter: Stabil in der ersten Liga - das ist das Ziel

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FCA-Manager
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Stefan Reuter will das Grundgerüst der Augsburger Mannschaft zusammenhalten. Foto: Stefan Puchner Foto: dpa

Augsburg (dpa) - Der FC Augsburg zählt zu den Überraschungsteams dieser Fußball-Saison. Trotzdem bleibt für Geschäftsführer Stefan Reuter mittelfristig Abstiegskampf statt Europa League die Normalität. Dies erklärte der 47-Jährige vor dem Heimspiel gegen den FC Bayern München im dpa-Interview.


Noch sechs Vereine dürfen es versuchen, dem FC Bayern in dieser Saison eine Niederlage in der Liga zuzufügen. Der FC Augsburg macht den Anfang - und das zwischen den Champions-League-Partien der Münchner gegen Manchester United. Ein idealer Zeitpunkt?

Stefan Reuter: Ich weiß nicht. Mir machen die Bayern einen sehr guten, sehr konzentrierten Eindruck. Ich habe das 1:1 in Manchester gesehen. Wenn man sieht, wie gut sie das Pressing spielen und wie sie Druck machen, ist es nachvollziehbar, warum so viele Mannschaften in dieser Saison vergeblich versucht haben, die Bayern zu schlagen. Wir werden trotzdem versuchen, vielleicht ein Pünktchen mitzunehmen.

Wenn Sie doch noch in die Europa League wollen, könnte ein Punkt gegen die Bayern zu wenig sein.

Reuter: Zuletzt ist viel über Europa gesprochen worden. Wir hatten sehr früh 38 Punkte, jetzt sind es 39. Wenn uns das jemand vor der Saison prophezeit hätte, hätten wir 'Juhu' gerufen. Es muss schon viel zusammenkommen, wenn ein Club wie der FC Augsburg das internationale Geschäft erreicht.

Hätten Sie die Europa League in den vergangenen Wochen offensiver als neues Ziel anvisieren müssen?

Reuter: Nein. Durch Sprüche gewinnt man keine Spiele. Es ist nicht sinnvoll für einen Verein wie unseren, nach außen offensiv mit dem Ziel Europa League umzugehen. Das ist nicht realistisch. Für uns ist wichtig, dass wir die Klasse halten und uns stabilisieren. Wir haben auch so einen großen Schritt gemacht in dieser Saison.

Der FC Augsburg geht im Sommer in die vierte Bundesligasaison nacheinander. Ist er damit schon ein etablierter Erstliga-Club?

Reuter: Von einem etablierten Bundesligisten kann man noch nicht sprechen. Wir stehen in der Fernsehwertung noch ganz hinten, sind weiterhin in der Entwicklung. Unser Saisonziel wird definitiv wieder lauten, am Ende der nächsten Saison drei Mannschaften hinter uns zu lassen. Jedes Jahr länger in der ersten Liga macht uns stabiler.

Der FC Augsburg ist sportlich Tabellenachter. Welchen Rang nimmt ihr Club im Etat-Ranking der Bundesliga ein?

Reuter: Platz 17 - vor Braunschweig.

Wie wollen Sie diese Situation verbessern? Ist ein Ausbau des Stadions, das rund 30 000 Zuschauer fasst, ein Thema?

Reuter: Ein Ausbau wäre theoretisch möglich, käme aber viel zu früh. Die Stimmung in der Arena ist top. Man darf nicht vergessen, dass der FC Augsburg im bezahlten Fußball 25 Jahre nicht stattgefunden hat. Es gilt, die Fan-Basis und die Mitglieder-Basis weiter zu stärken und sich über den sportlichen Erfolg für Sponsoren interessant zu machen und auch bei den Fernseheinnahmen zu wachsen. Dafür muss die Mannschaft weiter mutig, leidenschaftlich und erfolgreich spielen.

André Hahn wechselt nach Mönchengladbach. Damit bricht ein erster wichtiger Puzzlestein weg. Zerfällt ihr erfolgreiches Team?

Reuter: Das sicher nicht! Wenn ein Verein wie der FC Augsburg eine gute Saison spielt, machen auch die Spieler auf sich aufmerksam. Da ist es normal, dass der eine oder andere den Verein verlässt. Es gilt für uns, neue Spieler zu finden und Abgänge zu kompensieren. Es ist ja auch ein schönes Zeichen, dass man sich als junger Spieler beim FC Augsburg sportlich entwickeln und seinen Marktwert steigern kann. Ich bin weit davon entfernt zu jammern.

Es gibt negative Beispiele: Gladbach verlor 2012 auf einen Schlag Reus, Dante und Neustädter, der SC Freiburg nach der vergangenen Topsaison Leistungsträger wie Kruse, Makiadi, Flum.

Reuter: Mit Ausnahme des FC Bayern geht es doch allen Vereinen so. Dortmund ist zweimal Meister geworden, stand im Finale der Champions League - trotzdem hat die Borussia Götze und Lewandowski an die Bayern verloren. Da wäre es sehr naiv zu glauben, dass es dem FC Augsburg nicht so ergehen könnte. Unsere Spieler wissen aber, was sie am FC Augsburg haben, an der Mannschaft, dem Umfeld, der Atmosphäre im Stadion.

Aber Geld ist stets doch das Hauptargument im bezahlten Fußball, oder?

Reuter: Es ist ein wichtiges Argument.

Neben Hahn werden auch andere junge Spieler wie Matthias Ostrzolek (23) oder Kevin Vogt (22) umworben. Wie können sie diese Jungs überzeugen, in Augsburg auch den nächsten Schritt zu machen? Sie sind bekanntlich vor 25 Jahren selbst als junger Profi vom 1. FC Nürnberg zum FC Bayern gewechselt.

Reuter: Ich war damals vier Jahre beim 1. FC Nürnberg und bin dort Nationalspieler geworden. Ich hatte auch vorher schon die Möglichkeit zu wechseln. So, wie wir als FC Augsburg stabil werden wollen in der Bundesliga, so ist es auch für die Spieler wichtig, dass sie stabile Erstligaspieler werden und in ihrer Persönlichkeit reifen. Wer weiß, vielleicht kommt irgendwann ein noch größerer Club? Die Frage ist doch: Wechsle ich jetzt, weil ich irgendwo ein paar Euro mehr bekomme oder stimmt das Gesamtpaket, um beim neuen Verein auch international zu spielen. Das war bei meinem Wechsel von Nürnberg zum FC Bayern der Fall. Da war klar, ich spiele jetzt um die Meisterschaft, ich spiele im Europapokal.

Was passiert denn mit Ostrzolek und Vogt, deren Verträge 2015 auslaufen? In diesem Sommer würden Sie noch Ablösesummen erhalten.

Reuter: Jeden Fall wird man individuell betrachten müssen. Unser Ziel ist es, größtenteils die Mannschaft zusammenzuhalten. Das Gefüge ist stimmig, die Mannschaft funktioniert. Klar ist: So, wie es uns ergeht, wenn ein großer Club kommt, so ergeht es Zweitligisten, wenn der FC Augsburg kommt. So funktioniert das Fußball-Geschäft.

Werden Sie die Millionen-Ablöse für Hahn reinvestieren?

Reuter: Unser Ziel ist, uns punktuell zu verstärken. Das heißt nicht, dass wir das Geld eins zu eins wieder investieren.

Müssen Neuzugänge sofort weiterhelfen?

Reuter: Wir suchen in erster Linie Qualität, die uns sofort weiterbringt. Wir investieren aber auch weiter in die Infrastruktur und in unseren eigenen Nachwuchs. Wir wollen auch eigene Spieler zu Erstligaspielern machen.

Ihre erfolgreichsten Torschützen sind die Außenstürmer Hahn und Werner. Fehlt dem FC Augsburg ein erstklassiger Mittelstürmer?

Reuter: Ich möchte unsere Stürmer ein wenig in Schutz nehmen. Sascha Mölders hat in der vergangenen Saison zweistellig getroffen, jetzt war er leider lange verletzt. Raul Bobadilla fehlt aktuell ein bisschen die Leichtigkeit, nachdem er ebenfalls nach langer Verletzungspause vor der Winterpause richtig gut drauf war. Nicht zu vergessen Arek Milik, der als gerade 20-Jähriger großes Potenzial besitzt. Aber unsere zentralen Stürmer schaffen auch Räume für unsere Außenspieler, die dadurch Tore schießen. Wir suchen grundsätzlich Spieler, die uns besser machen. Es geht dabei nicht um eine spezielle Position.

Baier, Altintop, Callsen-Bracker, Kapitän Verhaegh - wird dieses Gerüst auch kommende Saison Bestand haben?

Reuter: Ja, das Gerüst wird auf alle Fälle erhalten bleiben. Und das ist unser ganz großer Vorteil. Wir haben einen sehr guten, stabilen Kern in unserer Mannschaft. Der geht den Weg des FCA konsequent mit.

Sie haben auch einen jungen, ehrgeizigen Trainer, der sich in der Bundesliga einen Namen gemacht hat. Fürchten Sie Abwerbeversuche? Welche Perspektive können Sie ihm bieten?

Reuter: Markus Weinzierl hat ein ganz klares Bekenntnis zum FCA abgegeben. Er hat seinen Vertrag bis 2017 verlängert, weil er es sehr schätzt, was hier entsteht. Ich glaube nicht, dass es im Profifußball viele Präsidenten gibt wie unseren Walther Seinsch, der auch in einer ganz schwierigen Phase am Trainer festgehalten hat. Markus weiß das zu schätzen. Und ich glaube, das hat uns in der Republik auch sehr viele Sympathien eingebracht.

Ihr Vertrag läuft nur noch ein Jahr. Wann kommt Ihr Bekenntnis zum FC Augsburg, wann verlängern Sie?

Reuter: Das kommt immer darauf an, wann Zeit ist, Gespräche zu führen. Das hat jetzt noch keine Eile.

Sie sehen also kurzfristig Ihre Mission hier nicht als erfüllt an?

Reuter: Es ist ein sehr großer Reiz, den FC Augsburg richtig stabil zu machen.

Kommen wir noch zu einer Vision: Vor acht Jahren spielte der FC Augsburg noch in der 3. Liga. Wo steht er in einem Jahrzehnt?

Reuter: Stabil in der ersten Liga - das ist das Ziel!

Und wie viele Jahre wird es noch dauern, bis der FC Augsburg mal den FC Bayern schlägt?

Reuter: Vielleicht können wir das in Kürze realisieren... (lacht)

ZUR PERSON: Stefan Reuter ist seit Ende 2012 Geschäftsführer Sport des FC Augsburg. Der 47 Jahre alte Franke konnte den FCA in nur 15 Monaten in der Bundesliga stabilisieren. Als Profi spielte er für den 1. FC Nürnberg, Bayern München, Juventus Turin und am längsten für Borussia Dortmund. Er wurde Weltmeister 1990, Europameister 1996 und gewann mit dem BVB 1997 die Champions League und den Weltpokal.