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Report: «Er schoss mit tödlicher Ruhe»

Washington (dpa) - Der Todesschütze kam aus dem Nichts, just während einer Filmszene, in der Schüsse fielen. Er war schwarz gekleidet, wie viele der Kinobesucher auch - eben passend zum neuen Batman-Film.

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Ermittler durchsuchen das Auto des mutmaßlichen Amokschützen. Foto: Bob Pearson Foto: dpa

Und eine Gasmaske trug er, wie Augenzeugen im US-Fernsehen schilderten, möglicherweise einen Helm wie ihn Polizisten als Schutzausrüstung haben. Dann begann das Furchtbare: Beißender Rauch, es habe angefangen zu knallen, immer wieder, sagte ein junger Mann dem lokalen TV-Sender KUSA. «Ich war total verwirrt, dachte zuerst, das alles ist ein Hollywood-Stunt, es gehört irgendwie zum Film.»

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Es waren vor allem jüngere Leute, die in dieser Nacht in den Century-16-Theater-Komplex in Aurora bei Denver geströmt waren. Manche Pärchen kamen trotz der späten Stunde mit ihren Kindern. Viele hatten stundenlang Schlange gestanden, um eine Karte für den neuen Batman-Film «The Dark Knight Rises» zu ergattern, hatten der Filmpremiere lange entgegengefiebert. Sie galt als «Ereignis des Sommers». Für die Menschenmenge in diesem Kino wurde sie dies nun auf schreckliche Weise.

Mindestens zwölf Tote, Dutzende Verletzte, Kinder sind unter den Opfern - das jüngste laut «Denver Post» gerade mal drei Monate alt. «Es ist einfach entsetzlich», sagte ein Polizist dem Sender KCNC, er war so stark bewegt, dass sogar ihm die Tränen kamen.

Auch Präsident Barack Obama war sichtlich erschüttert, als er sich am Vormittag in Florida zu der Tragödie äußerte. Ein Anruf seines Top-Terrorabwehr-Beraters John Brennan hatte ihn während einer Wahlkampftour aus dem Bett geholt. «Meine Töchter schauen sich Filme an. Was, wenn Malia und Sasha in dem Kino gewesen wären?» fragte der Präsident vor einer schweigenden Menge, um danach vorzeitig nach Washington zurückzufliegen.

Auch die First Lady sagte für den Freitag alle Wahlkampf-Termine ab. «Michelle und ich werden uns glücklich schätzen, unsere beiden Töchter heute Abend ein bisschen fester zu umarmen», sagte der Präsident. «Und ich bin sicher, Ihr werdet das Gleiche mit Euren Kindern tun.»

Die Szenen, die Augenzeugen schilderten, waren chaotisch. Auch Stunden nach der Schießerei herrschte noch Verwirrung. Während sich Obama in Florida auf dem Laufenden hielt und noch nachts mit Auroras Bürgermeister telefonierte, füllten sich die Krankenhäuser in der Stadt nahe Denver mit Verletzten. Die Polizei selbst half beim Transport mit: Sie habe blutüberströmte Menschen in Streifenwagen gesetzt, berichtete der Sender CNN.

Augenzeugen glaubten, dass der später als James Holmes identifizierte Schütze seinen Amoklauf vorne im Kinosaal begann, hinter einer Leinwand oder einem Vorhang hervortrat und dann zuerst einen oder zwei Kanister in die Menge warf - möglicherweise Tränengasgranaten. Dann sei der 24-Jährige die Treppe hochgegangen, wie es hieß, mit tödlicher Ruhe um sich schießend.

«Es war furchterregend», schilderte ein Kinobesucher dem Sender KUSA. «Er wartete, bis beide (Tränengas)bomben explodierten, bevor er zu schießen begann.» Am schrecklichsten sei es gewesen, dass er dabei kein Wort gesagt habe. «Ich dachte, dass ich auf keinen Fall dort herauskommen würde, ohne dass mich ein Schuss trifft.»

Panik sei ausgebrochen, Menschen hätten sich auf den Boden geworfen, kriechend zwischen den Sesselreihen Schutz gesucht, hieß es weiter. Andere seien schreiend in Richtung Ausgang gestürzt, seien übereinander hinweggetrampelt. Einige hätten blutend am Boden gelegen.

Ein junger Kinobesucher wusste noch Stunden nach dem Blutbad nicht, was mit seinem Freund passierte. «Er ist plötzlich ohnmächtig geworden», sagte er in einem CNN-Interview. «Dann wurde er weggebracht. Ich habe Angst um ihn.»

Der erste Alarmruf soll rund eine halbe Stunde nach Mitternacht bei der Polizei eingetroffen sein. Schon kurz danach waren - nach Medienberichten fast 250 Uniformierte vor Ort - zusammengetrommelt aus allen Teilen der Region. Nur wenig später trafen auch Experten der Bundespolizei FBI ein.

Die Kernfrage zunächst: War es ein «einsamer Wolf», vielleicht geistig gestört, oder gehört er einer radikalen Gruppe an? «Klar ist, dass die Tat gut vorbereitet war», sagte ein Sicherheitsexperte in einem CNN-Interview. Anfangs war befürchtet worden, es habe einen zweiten Schützen gegeben, aber das bestätigte sich nach Angaben der Polizei nicht.

Während der Morgen dämmerte, befragten die Ermittler in einer High School nahe dem Kino Dutzende Augenzeugen und begannen mit der Untersuchung von Handys, die im Filmsaal zurückgelassen worden waren. Auch Psychologen trafen ein, um die geschockten Menschen zu betreuen.

Nach und nach wird bekannt, wer ums Leben kam. Darunter ist CNN zufolge zum Beispiel die 24 Jahre alte Jessica, eine lebensfrohe, energiegeladene junge Frau, die Sportjournalistin werden wollte. Sie war erst vor ein paar Wochen nach Aurora gezogen.

Bericht der Denver Post

Bericht von ABC News

CNN-Bericht