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Reizvolle Vielfalt an Motiven und Maltechniken

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In dem Bild »Die Schöne und das Biest« (Acryl auf Leinwand) von Ingrid Blüml ist nicht einmal der dunkle Affe wirklich hässlich. (Foto: Giesen)

Die Gemeinschaftsausstellung der Künstlerinnen-Gruppe »FRAUEN-ART« findet erstmals in der Alten Wache in Traunstein statt – und ist dort noch bis Sonntag zu sehen. Wegen des begrenzten Raums hat jede der sieben Künstlerinnen nur drei oder vier Werke gehängt. Trotz der reizvollen Vielfalt der Motive und Maltechniken präsentiert sich eine in sich geschlossene, harmonische Ausstellung. Die meisten der ausgestellten Bilder sind erst in letzter Zeit entstanden.


Die Mitglieder der Künstlerinnen-Gruppe lernten sich vor 33 Jahren bei einem Malkurs der Volkshochschule Traunstein bei Rosemarie Ulbricht kennen. Sieben von ihnen blieben seither beisammen, malen regelmäßig miteinander und inspirieren sich gegenseitig. Immer wieder nehmen einzelne von ihnen an Fortbildungen teil, zum Beispiel an der Akademie in Bad Reichenhall, und vermitteln das Gelernte dann den anderen. So tritt nie ein Stillstand ein und die jährliche Gemeinschaftsausstellung – meist im Kulturzentrum in Traunstein – fand im Laufe der Jahre immer mehr Beachtung.

Spontane und schwungvolle Pinselführung

Die Bilder von Ingrid Bauer beeindrucken durch ihre spontane, schwungvolle Pinselführung und die Leuchtkraft der Farben. Das wird besonders bei ihrem Bild »Explosiv« deutlich. Die Wagingerin malt »aus dem Bauch heraus« und gibt ihren Gefühlen oft temperamentvoll, manchmal auch ruhig, meditativ Ausdruck, so wie bei den abstrahierten Menschengestalten auf dem Bild »Gemeinsamkeit«.

Sensibel ausgeführte, harmonische Frauenporträts zeigt Ingrid Blüml aus Grassau, zum Beispiel bei den beiden zusammengehörigen Bildern »Liebeskummer« und »Sehnsucht«. In feinen Nuancen bringt die Künstlerin die Gefühle der Frauen zum Ausdruck, die gleichermaßen Weiblichkeit und Sinnlichkeit ausstrahlen. Bei dem großartigen Bild »Die Schöne und das Biest« nach dem gleichnamigen Märchen ist nicht einmal der dunkle Affe wirklich hässlich, denn mit seinem milden Gesichtsausdruck scheint er in Liebe zu dem Mädchen entbrannt zu sein.

Die Kultur Afrikas präsentiert Gisa Beyreuther eindrucksvoll in ihren erst kürzlich entstandenen Acrylbildern unter dem Obertitel »Heimat«. Erdfarben und dunkelbraun erscheint das »Ovahimba-Mädchen« von einem Stamm in Namibia, daneben zwei Landschaftsbilder aus dieser Region. Gisa Beyreuther versteht es, die Rhythmen und Strukturen der Natur ins Bild zu bringen. Lange hat sie in Namibia gelebt und an der Deutschen Schule Kunst und Sport unterrichtet. Bis heute fährt sie jedes Jahr dorthin. Ihre Eindrücke hält sie in Reisetagebüchern fest und arbeitet sie dann zu Hause im Atelier aus.

»Rot ist meine Farbe«, sagt Anna Maria Meixner aus Traunstein. In den verschiedensten Rot-Schattierungen schillert ihr neunteiliges »Bergmosaik«, aber auch zwei beachtliche, großformatige Bilder mit dem Titel »Felsfamilie«. Der besonders lebendige Eindruck der Bergimpressionen entsteht durch den Umgang mit der Farbe. Die Acrylfarbe wird in vielen Schichten, oft mit der Walze, aufgetragen. Dazu kommt Marmormehl, das beim Trocknen eine rissige Struktur erhält, aber auch Kreide, Tusche, Pigmente oder sogar Kaffeepulver.

Eine neue, ungewöhnliche Technik, mit Farbe umzugehen, hat Heidi Machatschek-Flieher bei ihren farbenprächtigen Bildern angewendet: Sie sind in Acrylfarbe auf Leinwand ohne Pinsel entstanden. Die Farbe wurde geschüttet, gespritzt, geblasen, laufen gelassen und manchmal mit Kleister als Festiger gemischt. Der Betrachter kann seine Fantasie spielen lassen. Aber anhand der Titel wie »Frosch«, »Wolf« oder »Baum« lassen sich unschwer Märchenmotive erkennen.

Die Schneeberge wirken ruhig und gewaltig

Ihre große Liebe zu den Bergen zeigt sich bei den Bildern von Gerti Richter, die in Ruhpolding aufgewachsen ist und heute in Truchtlaching lebt. Ruhig und gewaltig wirken die Schneeberge vor dem blauen Hintergrund. Aber auch ihr völlig anders, abstrakt gehaltenes »Rotes Band« entwickelt eine starke Ausstrahlungskraft. Gerti Richters Bilder sind eine »Synthese aus abstrakter und konkreter Malerei«, wie sie erklärt. Aus zunächst spontanen Bildentwürfen entstehen in mehreren Arbeitsschritten meist konkrete Bildwerke, die ihre persönliche Idee zum Aus-druck bringen.

»Kunst bildet nicht ab, sondern macht sichtbar« – dieser Ausspruch von Paul Klee ist der Wahlspruch von Margareta Thiel aus Freilassing. In der Ausstellung zeigt sie mehrere Bilder aus ihrer Serie die »Wilde Jagd«, nach dem gleichnamigen Mythos, den es bis heute in vielen Kulturen gibt. Weiße Pferde jagen, von einer unheimlichen Energie getrieben, wie ein Gespensterheer durch die Landschaft. Die Künstlerin versteht es hervorragend, die wüste, irrationale Kraft hinter dem Geschehen auszudrücken.

Die sehenswerte Ausstellung in der Alten Wache in Traunstein kann noch bis einschließlich Sonntag, 12. März, täglich von 12 bis 17 Uhr sowie am Samstag und am Sonntag von 10 bis 15 Uhr besichtigt werden. Christiane Giesen