weather-image
26°

Reisewelle einmal um den Untersberg

2.7
2.7
Bildtext einblenden
Deutsche Urlauber auf der Heimreise werden rund um den Untersberg geschickt, wenn sie die Autobahn bei Salzburg-Süd verlassen, um den Grenzkontrollen auszuweichen. (Foto: Hudelist)

Grödig/Berchtesgaden – Kilometerlange Staus vor den deutschen Grenzkontrollen am Walserberg verstopfen nicht nur die Tauernautobahn, sondern auch Ausweichstrecken durch das Stadtgebiet sowie Anliegergemeinden wie Wals-Siezenheim oder Grödig. In Grödig war die Belastung so groß, dass die Marktgemeinde jetzt zwei Landesstraßen sperrt, die den Urlaubern von den Navis automatisch als Ausweichroute angezeigt werden. »Es war nicht mehr zum Aushalten«, so Grödigs Bürgermeister Richard Hemetsberger. 500 Unterschriften von Bürgern sowie ein Umweltgutachten des Landes haben geholfen, diese Sperre für Nicht-Einheimische durchzusetzen. Die Urlauber werden jetzt nach Berchtesgaden geschickt.


Vor der deutschen Einreisekontrolle am Autobahn-Grenzübergang Walserberg staut sich die Urlauberkarawane täglich kilometerlang zurück. Auch unter der Woche oft bis Hallein, das sind rund 20 Kilometer. Die Navis in den Autos zeigen dann Ausweichrouten an, eine führt über Grödig und den Latschenwirt nach Großgmain und dann zum nicht kontrollierten Bundesstraßen-Grenzübergang Walserberg. »Die Straße über den Latschenwirt hat eine Steigung bis zu 22 Prozent und ist für Wohnwagengespanne gesperrt«, so Hemetsberger. »Aber das kümmert viele nicht, sie folgen blind ihrem Navi und bleiben dann stecken.« Aber auch schon vor der steilen Bergstrecke in Richtung Großgmain war die Situation für die Grödiger »unerträglich«. Der Verkehr im Ortszentrum glich zeitweise der Ignaz-Harrer-Straße im Stadtgebiet Salzburg. Vor allem Bewohner in Fürstenbrunn unmittelbar am Untersberg sammelten rund 500 Unterschriften und forderten Maßnahmen. »Wir haben die Umweltmediziner des Landes gebeten, in Fürstenbrunn zu messen.« Das Ergebnis: Sowohl die Lärmbelastung als auch die Abgasbelastung sind gesundheitsgefährdend. Dieses Ergebnis war die Grundlage für die Sperre, welche die zuständige Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Land erlassen hat.

Polizei oder Security sperren Straßen

»Die Verkehrsleitzentrale des Landes beobachtet den Stau auf der Autobahn, reicht er bis zur Haberlandbrücke zurück, wird die Sperre ausgelöst«, erklärt der Grödiger Bürgermeister. Die Haberlandbrücke ist nahe dem Knoten Salzburg, an dem die Westautobahn in die Tauernautobahn übergeht. Die Sperre bedeutet, dass entweder Beamte der Polizei in Anif die beiden Verbindungsstraße von der Bundesstraße in Richtung Fürstenbrunn sperren oder ein beauftragtes Sicherheitsunternehmen. »Diese Ermächtigung an eine private Security ist nach der Straßenverkehrsordnung möglich.«

Seit vergangenem Wochenende wurden die beiden Landesstraßen schon mehrmals für den Durchzugsverkehr gesperrt. Auch unter der Woche, »meistens in der Zeit von 11 bis 17 Uhr«, so Hemetsberger. Der Urlaubertross wird dann in Richtung Marktschellenberg und Berchtesgaden umgeleitet. Von dort geht es über Bischofswiesen und den Hallthurmer Berg in Richtung bundesdeutsche Autobahn. Die hauptsächlich deutschen Autofahrer werden sozusagen rund um den gesamten Untersberg geführt. Beschwerden von bayerischen Bürgermeistern habe es noch keine gegeben, so Hemetsberger. Ein schlechtes Gewissen, weil er den Ausweichverkehr nach Bayern umleitet, hat Hemetsberger ohnehin nicht. »Die Deutschen und ihre Grenzkontrollen sind ja schließlich schuld an den Staus bei uns.«

Die Verordnung ist bis Ende Oktober befristet, eine Wiederholung im kommenden Jahr ist nicht ausgeschlossen. Auch andere Gemeinden wie zum Beispiel Wals-Siezenheim überlegen schon laut, einzelne Ausweichstraßen in ihrem Gebiet zu sperren. Denn ein Ende der bundesdeutschen Grenzkontrollen ist nicht in Sicht. Erst am Donnerstag forderte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann am Walserberg eine Fortsetzung der Kontrollen auch nach dem November 2017. Zu diesem Zeitpunkt läuft die Genehmigung der EU-Kommission für das Aussetzen der Schengen-Reisefreiheit aus.

Zusätzlicher Verkehr im Talkessel unbemerkt

Für Staus im Reiseverkehr oder die Belastungen auf Salzburger Seite zeigte Herrmann kein Verständnis: »Das war früher auch so, und am Flughafen müssen Sie auch den Pass herzeigen.« Im Berchtesgadener Talkessel hat man die zusätzliche Verkehrslawine von der Autobahn indes noch nicht bemerkt. »Also bei uns ist im Sommer so viel Verkehr, dass ein zusätzlicher Umleitungsverkehr noch nicht aufgefallen ist«, sagt Sven Böttrich von der Polizeiinspektion Berchtesgaden. Michael Hudelist