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»Raritäten« aus dem Leben

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Stephan Zinner präsentierte dem Publikum in Stein auch den von ihm kreierten Leberkäs Saigon. (Foto: Mix)

Stephan Zinner hat die Steiner Literatur- und Medienwoche in der ausverkauften Aula der Schule Schloss Stein kabarettistisch und äußerst amüsant eröffnet. Er kramte in seinem aktuellen Kabarett-Programm »Raritäten« hervor.


Zusammen mit seinem Musikerkollegen Peter Pichler sorgte der gebürtige Trostberger im »kulturellen Epizentrum des Landkreises« für Lacher ohne Ende. Da er wusste, dass Lehrer im Publikum sitzen, nahm der Kabarettist gleich selber vorweg, dass das Wort Raritäten vom lateinischen raritas (Seltenheit, geringe Anzahl) kommt.

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Selten geworden sind in der heutigen Zeit seiner Meinung nach beispielsweise gute Bedienungen und Taxifahrer. Bei einer Fahrt mit einem asiatischen Taxifahrer zum Isartor in München musste er letztendlich selber das Steuer übernehmen, da dieser ihn und seinen Zielwunsch einfach nicht verstand.

Immer wieder gern erzählt Zinner von seiner Jugend, die er im benachbarten Trostberg verbracht hat. »Ich wollte Rockstar werden.« Auf MTV, seinem musikalischen Fortbildungsprogramm, habe er gesehen, dass Gitarrenspieler bei den Mädels gut ankommen. Also lernte er »beim Punzi« Gitarre und spielte am Alzknie für seine Clique auf. Blöd war nur, dass er die ganze Zeit spielen durfte, während seine Kumpels mit den Mädchen schmusten.

Auch als er nach dem Vorbild des legendären Pete Townshend beim Konzert der Kirchenband die Gitarre am Altar zerschmetterte, hatte das nicht den erwünschten Erfolg. Am Ende flog er aus der Band und seine Gitarre war kaputt, »des hod mir koana gsogt, dass der Pete mehrere Gitarren hod«. Selten geworden sind nach der Erkenntnis des Wahlmünchners auch die schönen alten Namen. So heiße ein Mädchen, das in der Familie Zinner einst zu Besuch war, Ronja Consuela und die Eltern bestünden auch darauf, den Namen immer auszusprechen. Genau dieses Kind habe dann von ihm einen Mango-Maracuja-Smoothie gewollt, »i bin doch koa Obstdandler«, und in der Zinnerschen Wohnung Alexa nach der Toilette gefragt. Eine Alexa gibt es jedoch bei Stephan Zinner nicht, »i red doch ned mit so oana bläden Dosn, liaba red i mit meiner Frau, de schaut besser aus und braucht ned so vui Strom«.

Völlig verkehrt läuft es nach Stephan Zinners Ansicht auch mit den modernen Kaffeemaschinen. »An normalen Kaffee konn de Maschin ned«, musste er leider feststellen und sich erst einen langen Vortrag über die Kaffeebohnen und die Raffinessen der hochmodernen Maschine vom »Sommerschalträger« anhören, ehe er seinen Espresso bekam. Auf die gespannte Frage des Gastgebers, »und, wie schmeckt er?«, fiel ihm dann nur ein: »Ja mei, a Kaffee hoid«.

Seine Erfahrungen im Bioladen bei ihm um die Ecke teilte Zinner ebenfalls mit dem Publikum. Dort gelte offenbar als Einstellungskriterium für die Mitarbeiter, dass sie extrem langsam sein müssen. Er kaufe jetzt immer den jungen Bergkas, denn »bei dem langsamen Einpacken reift er von selber nach«. Auch gebe es Bier dort nur als Einzelware. Wie froh war er, als er im Regal des Geschäfts sein geliebtes Steiner Bier fand, »des wo‘s Bio draufpappt ham«. Er wollte einen Kasten davon kaufen, erhielt aber nach langen, zähen Verhandlungen und unter dem kritischen Blick der Verkäuferin lediglich sieben Flaschen.

Im Programm durfte unter all den Raritäten natürlich auch die original Söder-Perücke vom Nockherberg nicht fehlen. »Mit der aufm Kopf geht ma glei ganz anders«, erklärt er und stolziert hoch erhobenen Hauptes und breitbeinig über die Bühne. Sehr amüsant war auch die Beschreibung einer Stunde Paar-Yoga mit seiner Frau, aus der er wegen seiner unpassenden Kommentare von den empörten Teilnehmerinnen rausgeworfen wurde. Sein Fazit: »Für einen über 90 Kilo schweren bayerischen Biertrinker ist Yoga ned die Trendsportart.« Weh tat ihm nur, dass seine Frau beim Rauswurf auf die Frage der anderen, ob sie diesen Mann kenne, »nein« geantwortet habe.

Im Schlusslied über »seltene Sachen« gab Stephan Zinner noch den Tipp: »Mach di ruhig a bissel rar.« Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Trostberger nicht zu rar macht und noch oft für Auftritte in seine Heimatregion kommt. In der Traunreuter Theaterfabrik ist er am 25. April mit einer Lesung »Kaffee und Bier« zu hören. Pia Mix