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Raffinierte Wortkunst im 6-Minuten-Takt

Seit drei Jahren organisiert und moderiert der deutsche Poetry Slam-Meister Bumillo im Überseer Freiraum Poetry Slams –- Dichterwettbewerbe also, bei denen in begrenzter Zeit Autorinnen und Autoren selbstgeschriebene Text vortragen, die sie ohne weitere Hilfsmittel präsentieren. Beim 10. Poetry Slam ging es besonders hochkarätig zu, denn die sechs Mitwirkenden hatten es faustdick hinter den Ohren. So jung sie sind (der jüngste Autor ist noch keine 20), gingen sie doch so souverän mit den 26 Buchstaben der deutschen Sprache um, dass die Zuhörer im voll besetzten Freiraum ins Staunen kamen.

Moderator Bumillo (r.) mit den Gewinnern Dominik Erhard (l.) und Alex Burkhard. (Foto: Grabmüller)

Auf der Bühne standen Klaus Bierdimpfl, Alex Burkhard, Mani Eder, Dominik Erhard, Meike Harms und Dietmar Wielgosch. Einige sind bereits aktiv in der Slammer-Szene, andere stehen am Anfang. Als Themen hatten sie gewöhnliche oder wunderliche Szenen aus dem »wirklichen« Leben gewählt (zum Beispiel Geschwisterstreit um Lasagne, Philosophie auf Bairisch oder »Wos daad der Jaga …?«). Mehrere Texte setzten sich ebenso kritisch wie bewundernd mit der Wortkunst auseinander, so der Beitrag »Sprachverfall« von Dominik Erhard, der mit seinen geschliffenen Sätzen genau diese Sorge widerlegte.

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Aufgrund der Beurteilung von fünf Juroren und dem Beifall des Publikums kamen Dominik Erhard und Alex Burkhard ins Finale, in dem Letzterer zum Gewinner des Abends »erklatscht« wurde. Der Preis, eine Flasche Whisky, wurde gleich weiter gereicht an das Freiraum-Team als Dank für dessen ehrenamtliches Engagement auch für die Poesie als Kleinkunstform

Hinter dem Künstlernamen des Moderators Bumillo verbirgt sich übrigens der promovierte Germanist Christian Bumeder aus Reit im Winkl. Wie erfreulich, dass auch aus Geisteswissenschaftlern was »Gscheit's« werden kann, und dass es Deutschlehrer gibt, die es schaffen, den Schülern den Spaß an Literatur nicht auszutreiben. Die Beiträge beim Jubiläums-Poetry Slam bewiesen es zum Vergnügen des Publikums. Uta Grabmüller