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Prachtvoller Opernbass als Liedgestalter

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Günther Groissböck (rechts) und Gerold Huber freuten sich über den applausfreudigen Zuspruch der Zuhörer. (Foto: Aumiller)

Der österreichische Bassist Günther Groissböck gehört zu den gefragtesten Operngrößen seines Fachs weltweit auf allen großen Bühnen. Seine ,kraftvolle Stimme ist zu jedem dramatischen Aufschwung fähig und füllt mühelos jeden Saal. Um so bewundernswerter, wie er bei seinem Liederabend im Mozarteum Salzburg der Stimme im ersten Teil Zügel anlegte und sie zum empfindsam gestalterischen Instrument machte.


»Vier ernste Gesänge« op.  121 von Johannes Brahms profitierten von der dunklen Farbe, auch wenn die Stimme erst noch kurze Anlaufzeit brauchte. Brahms' letzte Lieder sind vertonte Trauergedanken aus dem Alten Testament, entstanden aus persönlichen Verlusterlebnissen.

Nicht die Bitternis des Todes, sondern ein tröstliches »O Tod, wie wohl tust Du« brachte Groissböck stimmungsmäßig zum Ausdruck – ebenso im letzten Lied die romantisch trostreiche Überzeugung, die vor Hoffnung und Glauben der Liebe die größte Kraft zugesteht.

Im lyrisch feinsinnigen Liederkreis op. 39 nach Texten von Joseph von Eichendorff kamen die Lieder »Waldesgespräch«, »Schöne Fremde« und »Frühlingsnacht« dem stimmlichen Fluss entgegen, aber Groissböck machte es sich angelegen – auch in den leisen, verhaltenen Stimmungsbildern, gekrönt von der subtilen »Mondnacht« –, Ausdruck und Stimmführung dem Gehalt der zart schimmernden Seelenempfindsamkeit anzupassen.

Nach der Pause war dann der Bassist in seinem Element mit den russischen Gesängen von Peter I. Tschaikowski und Sergei Rachmaninow. Allesamt herrliche Liebesromanzen, die in Tongebung und Stimmfarbe sehr authentisch wirkten. Wie selbstverständlich ging Groissböck mit der russischen Sprache um. Sein Bass schwang sich zu vollem Leuchten auf, fächerte die Inhalte im Ausdruck auf, auch mit feinen lyrischen Einschüben dazwischen.

Im »Lied der Mignon«, eigentlich einem Frauenlied, hatte Tschaikowski sogar den ins Russische übersetzten Goethe-Text vertont. In strömendem Fluss gestaltete der Sänger die »Unendliche Liebe« und prachtvoll tönend sowie köstlich serviert das »Ständchen des Don Juan«.

Gleiches galt für die Romanzen von Rachmaninow – auch hier volle Kongruenz von Tonsprache, Stimmungsgehalt und stimmlichem Ausdruck. »Singe nicht, du Schöne«, das bekannteste, vielgesungene Lied auf einen Pushkin-Text erfreute ebenso wie die Heine-Vertonung »Der Traum« oder das eindringliche »O bleib bei mir, verlass mich nicht« oder das beeindruckende Fragment »Einsamkeit«. Der Straubinger Pianist Gerold Huber, international geschätzter Liedbegleiter, brachte farbenreichen Tastenzauber, von subtilen Tontropfen bis hin zum bravourös tönenden Klanggebirge, immer minutiös an der Seite des Sängers, aufmerksam, unterstützend und bereichernd.

Zugaben waren obligat für den großen Applaus: Heiter das italienische Volksstück »Catari«, meist Hit aller Tenöre, dann Schuberts »Erlkönig«, Pianist und Sänger gleichermaßen fordernd, und zuletzt als Schmankerl ein fesches Wiener-Lied mit variierter, aktueller Anspielung. Großer Jubel! Elisabeth Aumiller