weather-image

Porträt: Michelle Obama - die beste Wahlkämpferin

Washington/Charlotte (dpa) - Hätte US-Präsident Barack Obama Umfragewerte wie seine Frau, bräuchte er sich um seine Wiederwahl nicht zu sorgen. Die First Lady ist beim Volk beliebter als ihr Mann. Auch Republikaner haben Achtung vor ihrer Intelligenz und Fachkenntnis.

Barack und Michelle Obama
Die First Lady ist beim Volk beliebter als ihr Mann, auch Republikaner haben Achtung vor ihrer Intelligenz und Fachkenntnis. Foto: Olivier Douliery Foto: dpa

Gebildet, eloquent, leidenschaftlich und selbstbewusst: Wann und wo immer die 48-jährige Michelle Obama auftritt, zieht sie die Massen an. Das war schon vor vier Jahren so, als sie für ihren Mann Barack trommelte. Auch dieses Mal erweist sich die Juristin wieder als die beste Wahlkämpferin des Demokraten. Doch sie kann auch emotional sein, erinnert an ihre erste Zeit mit Barack Obama und beschreibt mit wenigen Worten die ganz großen Gefühle: «Wir waren so jung, so verliebt und so verschuldet.»

Anzeige

«Großartig» und «exzellent» nennen US-Kommentatoren ihre Rede vor den Delegierten des Parteitags der US-Demokraten in Charlotte (North Carolina). Viele vergleichen ihren Auftritt mit dem von Ann Romney, die vor wenigen Tagen für ihren Mann warb, den republikanischen Herausforderer Mitt Romney. Beide seien überzeugend gewesen, aber Michelle Obama habe den stärkeren Auftritt hingelegt, heißt es etwa in der «New York Times». Dabei habe sie genau darauf geachtet, nicht «unladylike» zu erscheinen.

«Großartig» nennt die «Washington Post» ihre Rede. Mehr als Ann Romney sei es ihr gelungen, direkt den Wähler anzusprechen. Sie werde zwar kaum Einfluss auf unentschiedene Wähler haben, meint der Kommentator. «Aber eine First Lady kann mit ihrer Rede Schwung in den Parteitag bringen und die Parteibasis anfeuern.» Das habe Michelle Obama geschafft.

Der US-Nachrichtensender CNN berichtet von einem wahren Twittersturm während des Auftritts. Mehr als 28 000 Kurzmitteilungen seien pro Minute abgefeuert worden - und viele davon beschäftigen sich mit dem Outfit der First Lady. «Michelle Obama kam heraus und hat die Bühne gerockt», schreibt einer.

Obamas auffälliges pink-metallisches Kleid mit floralem Muster der afroamerikanischen Designerin Tracy Reese habe auf subtile Weise das Verhältnis der Demokraten zum Mittelstand gespiegelt, heißt es. Die meisten Reese-Outfits kosteten zwischen 250 und 450 Dollar (zwischen 199 und 358 Euro). Das sei ein starker Kontrast zum Outfit von Ann Romney - von Modemacher Oscar de la Renta und angeblich 1900 Dollar teuer.

Aus Schnitzern, die Michelle Obama 2008 noch machte, hat sie gelernt. Ihre Berater sagen, dass sie sich extrem intensiv auf ihre Reden vorbereite und sich hüte, vom Skript abzuweichen - ein Zeichen eiserner Disziplin, die der 1,80 Meter großen durchtrainierten Frau auch beim Fitnesstraining täglich frühmorgens zu eigen ist.

Der unbedingte Wille zum Erfolg prägte sie schon in jungen Jahren. Die am 17. Januar 1964 geborene Michelle wuchs in einfachen Verhältnissen in der South Side Chicagos auf, dem armen Schwarzenviertel. Ihr Vater war Schlosser bei den Wasserwerken, die Mutter Sekretärin. Mit klugem Kopf und Strebsamkeit schaffte Michelle den Sprung an die Eliteuniversitäten Princeton sowie Harvard und erwarb einen Doktortitel in Jura.

Nach dem Studium trat sie zunächst in ein renommiertes Anwaltsbüro ein, wo sie auch ihren späteren Mann kennenlernte: Er wurde ihr als Praktikant zugewiesen. 1992 heiratete das Paar. Von der Anwaltskanzlei wechselte Michelle später in die Sozialarbeit und war vor dem Wahlsieg ihres Mannes 2008 zuletzt eine Vizepräsidentin am Universitätsklinikum von Chicago. 1998 und 2001 wurden die Töchter Malia und Sasha geboren. Michelle bezeichnete sich auf dem Parteitag als «mom-in-chief» (in etwa Mutter der Nation) - in Anspielung auf die Rolle ihres Mannes als «commander-in-chief» (Oberbefehlshaber der Streitkräfte).

Michelle Obama bei Twitter