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Porträt: McAllister spart am Wahlabend mit Worten

Hannover (dpa) - Nur David McAllister fehlt. Während im Landtag in Hannover ab 18.00 Uhr Hochrechnung um Hochrechnung von Politikern aller Parteien kommentiert wird, glänzt der Ministerpräsident und CDU-Landeschef zunächst durch Abwesenheit.

Landtagswahl Niedersachsen
«Muttis Liebling» muss lange bangen. CDU-Regierungschef McAllister lässt seine Anhänger im Landtag warten. Die Union in Niedersachsen ist zwar stärkste Kraft, hat aber massiv an Boden verloren. Foto: Boris Roessler Foto: dpa

Kein Wort von dem Mann, der im Wahlkampf gern so lautstark und auf den Podien zu «seinen Niedersachsen» gesprochen hat - am liebsten an der Seite von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

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«Er wird erst vor eine Kamera treten, wenn es ein klares Ergebnis gibt», heißt es aus seinem Wahlkampfteam. Ganz so lange wollte McAllister dann aber doch nicht warten. Um 19.37 Uhr tritt der 42-jährige Deutsch-Schotte im Landtag vor seine Parteifreunde. «Ich bin mir sehr sicher, dass wir am Ende die Nase in diesem spannenden Rennen vorne haben werden», ruft er.

Ein Sieg bei seiner ersten Landtagswahl als Spitzenkandidat hat nicht nur für die CDU große Bedeutung. Sollte der bodenständige McAllister gewinnen, wäre er auch in der Bundes-CDU ein politisches Schwergewicht. Ein Makel bleibt: Es ist eines der schlechtesten Ergebnisse der CDU bei niedersächsischen Landtagswahlen. Viele Unions-Anhänger haben die taumelnde FDP gewählt.

Was macht McAllister, wenn es doch nicht reicht? Holt ihn die Kanzlerin nach Berlin? «Mein Platz ist in Niedersachsen», verkündete er kurz vor Weihnachten. Dennoch finden die Gerüchte über einen Plan B kein Ende.

Denn der Vater zweier Töchter hat sich vor der Wahl gerne als loyaler Niedersachse präsentiert. Politische Gegner und sogar einige Amtskollegen mit CDU-Parteibuch nennen ihn daher mitunter spöttisch «Muttis Liebling». McAllister ist dies aber egal. Denn im Gegenzug unterstützte Merkel den «lieben David» im Wahlkampf, wo sie konnte. Im Sommer 2010 hatte McAllister als jüngster Regierungschef in Niedersachsen das Amt von Christian Wulff übernommen, nachdem dieser zum Bundespräsidenten gewählt worden war. Seither hat sich der politische Stil in der seit 2003 amtierenden Landesregierung sehr verändert, erzählen Kabinettsmitglieder. Es werde wieder mehr geredet und zugehört. Dennoch wisse McAllister sehr genau, was er wolle und was nicht.

McAllisters Vater war bei der Rheinarmee in Berlin stationiert, seine Mutter ist Deutsche. Auf die schottischen Wurzeln ist er stolz - bei seiner Hochzeit trug er einen traditionellen Kilt. Mit 27 Jahren zog McAllister in den Landtag ein, fünf Jahre später übernahm der Senkrechtstarter den Vorsitz der CDU-Fraktion.