weather-image
22°

Polizistin hat Snowboard-Gesamtweltcup im Visier

1.0
1.0
Bischofswiesen: Polizistin Ramona Hofmeister hat Snowboard-Gesamtweltcup im Visier
Bildtext einblenden
Ramona Hofmeister, Spitzensportlerin und Polizistin, ging mit zwei Weltcupsiegen in der noch jungen Saison in die Weihnachtspause. (Foto: Tanja Weichold)

Mit zwei Weltcupsiegen nach zwei Rennen auf dem Konto ging die 23-jährige Ramona Hofmeister in die Weihnachtsfesttage. Damit war nach ihrer Schulteroperation nicht unbedingt zu rechnen. Das sportliche Ziel für die Saison ist klar: Das Snowboard-Ass vom WSV Bischofswiesen will den Gesamtweltcup gewinnen.


Viel Selbstvertrauen nach den ersten Siegen

»Wahnsinn« und »unfassbar«. Mit diesen beiden Worten kommentierte Hofmeister Mitte Dezember 2019 vor den Kameras die Siege im Parallel-Riesenslalom in Bannoye/Russland und Cortina/Italien. »Jeder will ganz oben sein«, so die Bischofswieserin. »Beim ersten Rennen schaut man, wo man steht.«

Anzeige

Für sie war dieser Vergleich mit der Weltspitze zum Saisonauftakt 2019/20 in Russland mit noch größerer Spannung als sonst verbunden. Ihre Schulterverletzung hatte sie im Sommer zu einer längeren Pause gezwungen. Die Verletzung stammte von einem Sturz Ende Januar 2019 beim Weltcuprennen in Rogla/Slowenien.

Trotz der Schäden an Labrum und Kapsel holte sie bei der Weltmeisterschaft in Park City (USA) im Februar 2019 sogar noch die Bronzemedaille. Mühsam und diszipliniert kämpfte sich die Race-Snowboarderin nach ihrer Operation in München über den Sommer zurück. Mit der Schiene am Oberarm setzte sich Hofmeister täglich ein bis zwei Stunden auf das Ergometer, um Ausdauer und Muskeln aufzubauen. Im Juni lag der Fokus dann auf Schulter und Rücken.

Ende August der nächste Rückschlag: Ramona stürzte bei ihrem ersten Schneetraining in der Skihalle in Hamburg ausgerechnet auf ihre operierte Schulter. Den Schmerzen und ersten Befürchtungen folgte die erlösende Nachricht des Arztes, dass es sich lediglich um eine Muskelprellung handelte.

Trotzdem bedeutete das eine weitere Zwangspause. Anfang Oktober konnte die 23-Jährige auf einem Gletscher in Italien mit Verspätung ins Schneetraining einsteigen. »Zunächst durfte ich nicht durch die Tore fahren«, berichtet Ramona. »Das war zäh.«

»Asien liegt mir«

Beim ersten von insgesamt 17 alpinen Snowboard-Weltcuprennen der Saison in Bannoye fuhr sie sofort unter die Top 10 auf Rang 7. »Damit war ich schon sehr zufrieden«, erinnert sich die Bischofswieserin. Am nächsten Tag beim Parallel-Slalom setzte sie sich an die Spitze, ebenso eine Woche später in Cortina. »Ich fühle mich fit und mental extrem gut, das Sommertraining war perfekt, ich habe Spaß«, sagt sie nun.

Im neuen Jahr bleibt der alpine Snowboard-Weltcup erst einmal in Europa, bevor es im Februar nach China auf den Olympiahang für die Spiele 2022 geht. Danach findet am 22. Februar ein Weltcuprennen in Pyeongchang/Südkorea statt, wo Hofmeister 2018 bei den vergangenen Olympischen Winterspielen die Bronzemedaille holte. »Asien liegt mir«, sagt sie im Hinblick auf mehrere Weltcuperfolge, die sie dort einfuhr.

Nicht nur die Bayerische Polizei rüstete sie mit neuer Sportbekleidung fürs Training aus. Wie jedes Jahr stieg Ramona Hofmeister auf ein neues Raceboard um. Es ist heuer fünf Zentimeter länger. Sie fährt mit ihrer Körpergröße von 1,64 Metern nun ein 1,85 Meter langes F2-Board. »Der Umstieg hat gut funktioniert«, sagt sie. »Es läuft ruhiger, man muss nur die Kurven anders ansteuern.«

Kindheitstraum geht in Erfüllung

Für Ramona erfüllte sich mit der Spitzensportkarriere ein Kindheitstraum. Den konnte sie auch noch mit ihrem Berufswunsch verbinden. »Ich wollte schon immer zur Bayerischen Polizei gehen«, erzählt sie. Dass sie mit der Spitzensportförderung der Bayerischen Polizei nun zwei Karrieren miteinander verknüpfen kann, ist perfekt für sie. »Ich bin dafür sehr dankbar.«

Seit sie im Sommer 2018 ihre duale fünfjährige Ausbildung zur Polizistin erfolgreich abschloss, gehört sie der Sporttrainingsgruppe an. Ihren jährlichen mehrwöchigen, verpflichtenden Dienst absolvierte sie im Sommer 2019 auf der Polizeiinspektion Berchtesgaden.

»Die abgeschlossene Berufsausbildung und die Beschäftigung bei der Bayerischen Polizei geben mir Sicherheit und eine Perspektive nach der aktiven Sportkarriere«, so Hofmeister. »Der Beruf macht mir Freude. Ich bin stolz, dabei zu sein.«

Tanja Weichold