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Polizeiruf 110: Für Janina

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Polizeiruf 110: Für Janina
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Charly Hübner (r), Anneke Kim Sarnau und Peter Trabner in einer Szene des «Polizeiruf 110: Für Janina». Foto: Christine Schroeder/NDR Foto: dpa

Die Polizei sollte eigentlich die Hüterin des Rechtsstaats sein. Dass das - zumindest im Fernsehen - nicht immer so ist, zeigt die Crew des Rostocker »Polizeiruf 110«, die sich gern weit aus dem Fenster lehnt.


Rostock (dpa) - Ein Mörder läuft frei in Rostock herum. Vor 30 Jahren hat er die junge Frau Janina vergewaltigt und getötet. Schon damals geriet ein Mann in Verdacht, wurde jedoch im Prozess freigesprochen.

Doch nun tauchen neue Beweise auf, die ihn als Täter überführen können. Wer aber freigesprochen wurde, kann laut Strafprozessordnung nur in Ausnahmefällen noch einmal strafrechtlich verfolgt werden.

In dem teilweise hochemotionalen »Polizeiruf 110: Für Janina« müssten Polizeikommissar Alexander Bukow (Charly Hübner) und LKA-Profilerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) sowie ihr Ermittlerteam also eigentlich tatenlos zusehen, wie der Mann in seinem kleinen Familienidyll mit Frau und Kindern lebt und für sie unangreifbar ist. Das tun sie natürlich nicht: »Wir müssen hier Gerechtigkeit herstellen«, erklärt König - passend an diesem Sonntag (20.15 Uhr) zum Auftakt der ARD-Themenwoche »Gerechtigkeit«.

Es entwickelt sich ein spannender und für Rostocker Verhältnisse ungewöhnlicher Fall. Denn nicht wie meist im Nordosten geht es um Neonazis oder deren Umfeld, nicht wie sonst ist die Hansestadt in düsteren Farben gezeichnet. Nein, die Stadt lebt und ist bunt. Das vielfache Murren aus Mecklenburg-Vorpommern, dass Rostock im »Polizeiruf 110« kaum vorkommt - es wurde meist in Hamburg gedreht - und wenn, dann grau-in-grau, scheint bei den Autoren Eoin Moore und Anika Wangard angekommen zu sein.

So wäre ihnen fast ein richtig guter Krimi gelungen, der mit der notwendigen Dramatik aufwartet und das Täterumfeld gut ausleuchtet. Der einen Spannungsbogen aufbaut und den roten Faden nicht verliert. Auch wenn die unendliche Hassliebe-Geschichte von »Frau König« und »Herrn Bukow« weitergedreht wird, die sich in ihrem 18. Fall sogar prügeln und dabei weiter streng »per Sie« sind.

Dass es »Tatort«- oder »Polizeiruf 110«-Kommissare nicht so genau nehmen mit rechtsstaatlichen Methoden, liegt im krassen Gegensatz zwischen realer Polizeiarbeit und der Notwendigkeit, einem übersättigten Publikum Woche für Woche spannenden Stoff bieten zu müssen. Die Rostocker TV-Kommissare waren schon immer ganz weit vorne dabei im Übertreten von Gesetzen.

Dieses Mal ist es wirklich derb: Es gibt den Versuch, mit Tricks und Lügen eine DNA-Probe zu beschaffen, per Einbruch in den Besitz von Beweismitteln zu kommen oder den Verdächtigen mit der Weitergabe von internen Informationen zu erpressen. Geschlagen wird auch und Proben werden verfälscht - Polizeiarbeit zu Beginn der »Woche der Gerechtigkeit«.

Der Film begibt sich in Bereiche, in denen die Rechtsstaatlichkeit wackelt. Selbst im Polizeipräsidium. »Der Rechtsstaat ist Mist. Der Typ darf jetzt frei rumlaufen und dieses Scheißgesetz schützt ihn auch noch«, sagt Ermittler Anton Pöschel (Andreas Guenther). »Herzlichen Glückwunsch, Deutschland!«, fügt Pöschel hinzu und gibt noch rasch die Adresse des Verdächtigen an die verzweifelte Mutter der Ermordeten weiter.

Bei einer solchen Rechtsauffassung der Kommissare wundert es nicht, dass Bukow die Ohren fest verschließt, als er von einer Lagerhalle voller Plagiate erfährt - immerhin hängt sein Vater mit drin. Auch der Deal mit Kriminellen passt ins Schema der TV-Kommissare, die sich um keine Gesetze scheren müssen. »Das ist so erbärmlich«, sagt König.

Sie war in einer früheren Folge fast vergewaltigt worden und hatte sich verteidigt und gerächt. Sie wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt zu knapp 10.000 Euro verurteilt. Bukow muss gleichzeitig wegen versuchter Strafvereitelung 8400 Euro zahlen.

Polizeiruf 110 aus Rostock