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Polizei Berchtesgaden nun mit »Body-Cams« ausgerüstet

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Polizei Berchtesgaden nun mit »Body-Cams« ausgerüstet
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Der stellvertretende Dienststellenleiter Walter Schreyer, Polizeihauptmeister Markus Brandner – ausgestattet mit Body-Cam – und Dienststellenleiter Wilhelm Handke zeigen die neueste Technik der Polizeiinspektion Berchtesgaden. »Eine super Sache«, findet Brandner. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Zwei kleine gelbe Kästen gehören seit kurzem zum Equipment der Polizeiinspektion Berchtesgaden. Es sind »Body-Cams«, also Kameras, die die Streifenpolizisten am Körper tragen. Inspektionsleiter Wilhelm Handke und sein Stellvertreter Walter Schreyer erklären dem »Berchtesgadener Anzeiger«, wozu dies nötig ist, wann die Aufnahmen verwendet werden und dass die Kameras nicht dazu da sind, um die Polizisten bei ihrer Arbeit zu überwachen.


Mit einer Magnethalterung befestigt Polizeihauptmeister Markus Brandner die gelbe Kamera am Hemd seiner Uniform. Er bezeichnet die Body-Cam als »super Sache«. Brandner hat in den vergangenen zwei Wochen, also seitdem die Polizeiinspektion die Geräte hat, bereits Erfahrungen damit im Dienst gesammelt. »Ich merke schon, dass zum Beispiel Betrunkene besser aufpassen, was sie zu uns sagen, sobald sie die Kamera sehen«, erzählt er.

Damit wäre man auch schon beim Zweck dieser neuen Ausrüstungsgegenstände: »Sie dienen zum Schutz der Kollegen vor Übergriffen«, erklärt der Leiter der Polizeiinspektion Berchtesgaden, Wilhelm Handke. Zum einen schreckt die Kamera alleine schon durch ihre Optik ab, zum anderen können die Aufnahmen bei der Klärung von Streitfragen helfen. Zum Beispiel im Falle eines Beschwerdeverfahrens, so Handke, oder wenn es Unterstellungen gibt, die Polizisten hätten zu hart zugegriffen, oder auch den Vorwurf, der Einsatz sei »übertrieben« gewesen. In Rosenheim und München haben die Polizeibeamten laut Handke bereits positive Erfahrungen mit den Body-Cams gemacht.

In Berchtesgaden gab es extra Schulungen für die Polizisten, hinsichtlich der Technik und der rechtlichen Rahmenbedingungen. »Ob er die Body-Cam mitnimmt, entscheidet der Beamte«, so der Dienststellenleiter. Etwa, wenn derjenige zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gerufen wird, oder zu einer aggressiven Person, also Konfliktpotenzial besteht. Dies sei aber in Berchtesgaden nicht oft der Fall.

Sobald die Kamera wirklich im Einsatz war, wird sie in der Dienststelle an eine Dockingstation angeschlossen. Dann läuft die Datenübertragung automatisch. »Wir können also nichts manipulieren«, betont der stellvertretende Dienststellenleiter Walter Schreyer. Wenn die Videos nicht gebraucht werden, werden sie nach drei Wochen gelöscht. Sonst, sprich, wenn die Staatsanwaltschaft entscheidet, dass die Aufnahmen benötigt werden, müssen sie auf CD gebrannt werden und werden dann verwendet.

Hier stoppt Wilhelm Handke und betont noch einmal eindringlich, dass dies aber nicht der Sinn dahinter sei: »Das vorrangige Ziel ist Prävention. Die Body-Cams sollen bewirken, dass es gar nicht zu Übergriffen kommt.« Und: »Sie dienen nicht zur Dienstaufsicht.« Das bedeutet, der Chef schaut sich nicht die Videos an, um dadurch seine Kollegen zu kontrollieren.

Bevor ein Polizist die Kamera im Einsatz benutzt, muss er dies zudem ankündigen und sagen: »Ich schalte die Kamera jetzt an.« Dazu stehen außerdem die Worte »VIDEO« und »AUDIO« deutlich lesbar unter der Linse. Was passiert nun, wenn jemand zu den Beamten sagt, er dürfe aus Datenschutzgründen nicht gefilmt werden? Darauf hat Handke eine Antwort parat: »Der Datenschutz ist gegeben, da die Aufnahmen nicht veröffentlicht werden.«

Damit die Kamera eine möglichst realistische Einschätzung der aufgenommenen Situation ermöglicht, soll sie das menschliche Auge simulieren. »Das betrifft den Blickwinkel und auch die Lichtverhältnisse«, veranschaulicht Schreyer. Man wolle die bestmögliche Sicht des Polizeibeamten darstellen.

Letztlich müsse der Normalbürger aber auf keinen Fall Angst haben – er werde nicht einfach so gefilmt, sagt Handke abschließend. Und Betrunkene, die sonst eher »eine lockere Zunge« hätten, überlegen jetzt zweimal, bevor sie die Polizisten im Einsatz beschimpfen. Annabelle Voss