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Politik mit Rückgrat

Bischofswiesen – »Keine Parteipolitik, keine Seilschaften« – das hat sich Thomas Resch auf die Fahnen geschrieben. Am 16. März tritt er als Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler Bischofswiesen an.

Viel vorgenommen als möglicher Bürgermeister hat sich der Freie Wähler Thomas Resch: ein »Watzmann-Rundwanderweg« soll Wirklichkeit, eine verbesserte Tourismus-Vermarktung angestrebt, mehr Wert auf regionale Produkte gelegt werden. Foto: Anzeiger/Schüssler

Seit seinem 18. Geburtstag besucht Resch regelmäßig politische Veranstaltungen der verschiedenen Lager. Sich selbst bezeichnet er als CSU-nah und konservativ, doch ein »Schwarzer« zu werden, kam für ihn nie infrage. Lange sei zu viel Macht allein in den Händen der Bischofswieser CSU gelegen, so Resch, was der Gemeinde nicht gutgetan habe.

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Im aktuellen Gemeinderat, dem Resch angehört, betrachtet er die Freien Wähler als wichtigen Balancegeber zwischen den beiden politischen Blöcken. Die CSU stellt dort sieben Räte, SPD, Grüne und UBB kommen insgesamt ebenso auf sieben Vertreter. Die Freien Wähler, bei denen ohne Fraktionszwang abgestimmt werde, seien deshalb oft das Zünglein an der Waage und sorgten für ein gewisses Gleichgewicht zwischen der Haltung der CSU, einfach alles durchzuwinken, und der ideologischen Antihaltung des linken Lagers. Gerade auf kommunaler Ebene hält er die Freien Wähler deshalb für unverzichtbar. Als zum Beispiel der Schulstandort Bischofswiesen gefährdet war, weil eine Klasse um einen Schüler zu wenig hatte, seien die Freien Wähler die Einzigen gewesen, die bei einer Veranstaltung mit einigen Landespolitikern den Mund aufgemacht hätten.

Das eigene Ding machen

Man dürfe sich, so Resch, nicht alles gefallen lassen, »was aus München kommt«. Pragmatismus »zum Wohle der Gemeinde« stehe bei ihm im Vordergrund. Die Freien Wähler hätten unter Bürgermeister Toni Altkofer in den letzten sechs Jahren einige Erfolge zu verzeichnen gehabt, in Sachen Kinderbetreuung etwa sei die Gemeinde zum Vorreiter geworden. Diese erfolgreiche Arbeit möchte er gerne fortführen.

Selbstbewusstes Auftreten ist Thomas Resch nicht nur gegenüber Landespolitikern, sondern auch im Wahlkampf eigen. Man dürfe die Leute nicht »zumüllen«, meint er, aber man müsse sich etwas einfallen lassen. Als gelungenen »Gag« betrachtet er etwa die Wahlwerbung der Freien Wähler, auf deren Rückseite sich der Spielplan der Fußballweltmeisterschaft findet. Was die WM mit der Kommunalwahl zu tun haben soll, sei dahingestellt – der kleine Scherz dürfte aber dafür sorgen, dass die Wahlwerbung bei einigen Bürgern nicht so schnell im Papierkorb landet, wie sonst üblich.

Keine Zersiedelung, regionale Produkte stärken

Für einen Videoclip, der auf der Homepage der Freien Wähler zu sehen ist, hat Resch extra den Bischofswieser Hausberg, den Rauhen Kopf, bestiegen. Von dort oben kann man den Ort bestens überblicken und sich ein Bild von der Zersiedelung machen, die eines der Probleme ist, die Resch umtreiben. Ihm ist es wichtig, die klassische Landwirtschaft zu erhalten und zu unterstützen. Zwar gebe es viele Agrarsubventionen, die landeten aber oft bei den Falschen, meint er. Regionale Produkte müsse man stärken und besser vermarkten. Der 43-Jährige, der mit Frau und Kind im Bachingerweg lebt, ist Zimmerermeister und Teilhaber der Zimmerei Resch, hat sich aber mittlerweile weitgehend aus dem Betrieb zurückgezogen und ist selbst in der Landwirtschaft tätig. Er betreibt eine Fischzucht ohne Einsatz von Medikamenten und Gentechnik, setzt auf Klasse statt Masse und hat so seine Nische gefunden, in der er ein gutes Auskommen hat. Wenn es seine Zeit erlaubt, geht er gerne Wandern oder Skifahren. In zahlreichen Ortsvereinen ist Resch ehrenamtlich engagiert.

Kein Wahlkampfthema ist für ihn der Streit um die Aufnahme von Asylbewerbern. Schließlich sei niemand ernsthaft gegen Asylbewerber. Man müsse nur bedenken, dass die Geschichte Bischofswiesens seit dem Zweiten Weltkrieg mit den Flüchtlingen verflochten sei. Die Frage sei also nicht ob, sondern wie man Asylbewerber unterbringe: Resch hält die geplante Unterbringungseinheit für zu groß und der Integration nicht zuträglich. Außerdem sei eine Unterbringung der Asylbewerber, also eine Wohnnutzung, in einem Gewerbegebiet problematisch, weshalb er den Klageweg der Gemeinde für richtig hält.

Bei der touristischen Vermarktung des Talkessels sieht Resch eine Menge Luft nach oben, da gebe es in den fünf Gemeinden viel Stückwerk. Der »höchste Gebirgsstock Deutschlands« müsse sich nur besser präsentieren, meint er, die Infrastruktur sei durch die Nähe zu Salzburg hervorragend. Und den Namen »Watzmann« kenne ganz Deutschland, das müsse man nutzen. »Der Watzmann muss uns zu den Ohren heraushängen«, bringt Resch die Sache auf den Punkt. Ihm schwebt ein »Watzmann-Rundwanderweg« auf etwa 1 000 Höhenmetern durch alle Talkesselgemeinden vor, mit verschiedenen Routen für sportliche Wanderer und Familien sowie Stichwegen sowohl zu Almen und Gipfeln als auch in die Täler. Das sei eine Maßnahme, die nicht viel koste, denn das nötige Wegenetz sei bereits vorhanden, es müsse nur entsprechend beschildert und vermarktet werden.

Schwere Zeiten für Bischofswiesen

Wirtschaftlich sieht Resch, der seit sechs Jahren für die Freien Wähler im Gemeinderat sitzt, auf Bischofswiesen problematische Zeiten zukommen. Er möchte verhindern, dass die Straßenausbausatzung in Bischofswiesen zur Anwendung komme, die den Bürgern massive Kosten beschere, könne diesbezüglich wegen der angespannten Haushaltslage aber nichts versprechen. Jetzt schon habe die Gemeinde zwölf Millionen Euro Schulden, das desolate Straßen- und Kanalnetz werde in den kommenden Jahren weitere Kosten mit sich bringen. Durch den Zweckverband sei Bischofswiesen auch an der Berchtesgadener Therme beteiligt, die zwar wiedereröffnet, aber keineswegs fertig sei, sowie am Kongresshaus, das wegen Baurückstands keine Tagungen mehr annehmen könne. Dabei könne man manche Kosten schon im Vorfeld mit einer entsprechenden Bauweise vermeiden. Als Zimmerermeister sei es ihm unbegreiflich, wie man in der hiesigen, schneereichen Gegend Flachdächer wie etwa das des Berchtesgadener Kongresshauses bauen könne.

Resch fürchtet zudem, dass einige unangenehme Wahrheiten – wie dies auch auf Landesebene der Fall gewesen sei – erst nach der Wahl ans Licht kommen werden. Die Haushaltskonsolidierung betrachtet er deshalb als die wichtigste Aufgabe des künftigen Bürgermeisters. Dieser Aufgabe würde er sich gerne stellen. Markus Schüssler