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Poesievolle Klangbilder

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Das »Azahar Ensemble« ließ mit virtuoser Bravour im vierten Traunsteiner Sommerkonzert poesievolle, lautmalerische Klangbilder entstehen. (Foto: Benekam)

Zu Beginn des vierten Konzerts des Traunsteiner Musiksommers erklang im Großen Sitzungssaal des Landratsamts Mozarts bekannter Andante in F-Dur KV 616 »für eine Walze in eine kleine Orgel« – ein Arrangement für Bläserquintett (Ulf-Guido Schäfer) zierte den beliebten »Mozart-Hit«, in höchst lebendigem Vorspiel des »Azahar Ensembles« mit besonders charmantem Reiz.


»Dufte« Musik, im wahrsten Sinne des Wortes, denn »Azahar« bezeichnet im Arabischen den aromatischen Duft der Blüten von Zitrusfrüchten – und der passt perfekt zu dem energiegeladenen Bläserquintett aus Spanien. Bestehend aus den fünf jungen Musikern Frederic Sanchez Munoz (Flöte), Maria Alba Carmona Tobella (Oboe), Miquel Ramos Salvado (Klarinette), Maria Jose Garcia Zamora (Fagott) und Antonio Lagares Abeal (Horn) hat das Quintett seit 2010 etliche internationale Preise bei Musikwettbewerben gewonnen.

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Frisch, frech, leidenschaftlich, in tänzerischem Körperausdruck während des Musizierens – dabei immer locker, bei brillanter Technik und höchster Präzision spielte das Quintett in Traunstein. Jeder Musiker war ganz bei sich, verwachsen mit seinem Instrument und doch in intensiver »intermusikalischer« Kommunikation. Die junge Oboistin hatte, sehr zur Freude der interessierten Zuhörer, zu jedem Werk ein paar einleitende Worte parat, was, insbesondere bei den eher unbekannteren Werken, das Musikverständnis erleichterte. So »hörte« das Publikum in »Das Gebet des Stierkämpfers« von Joaquin Turina alle zwiegespaltenen Emotionen eines Kampfes – Angst, Wut, Zweifel oder Triumph aus der Musik her-aus – »Kopfkinomusik«.

Ähnliches lösten die Musiker in der »Kleinen Kammermusik« op. 24/2 von Paul Hindemith aus, wenn auch die Art der Musik kaum zu vergleichen war: voller musikalischer Ironie, Humor in Noten. Kurze, schnelle und stakkatohafte Läufe im ersten Satz imitierten Lacher. Ein schräger »Walzer« im zweiten Satz karikierte einen unbeholfenen Tanzversuch. Im vierten Satz wirkten die Musiker fast wie Sportler – immer wurf- und fangbereit für die Noten der anderen. Ein aufregendes Unterfangen, optisch wie akustisch.

Wahre Bildlandschaften vor dem inneren Auge des Hörers entstanden auch bei einem Werk von Joan Magrane, eigens dem »Azahar Ensemble« gewidmet: »Un Tapis« (Ein Wandteppich). Die Töne glichen einzelne Fäden, die aus der Ferne ein wunderschönes, facettenreiches, farbenfrohes Gesamtbild ergaben. Ganz, wie die Komposition: Viele einzelne Noten der Blasinstrumente entwickelten sich zu einem aufregenden, homogenen Gesamtklang.

Dänischer Vertreter unter den Komponisten des vierten Sommerkonzerts war Carl Nielsen mit dem Bläserquintett op. 43 in drei Sätzen. Ein Werk voller Gegensätze und durchdringender Klangschönheit, bunt und variationsreich wie das Leben selbst. Im Präludium des Finalsatzes wurde ein schlichtes, choralartiges Thema im Verlauf in eine Polonaise, eine Sarabande, einen Walzer, einen Marsch und schließlich sogar in eine Jagdfanfare für Horn solo verwandelt.

Langweile oder »Eintönigkeit« waren auch in diesem Konzert ein Fremdwort. Stattdessen gab es große Augen der Konzertbesucher – fast wie Kinder, die ein (musikalisches) Bilderbuch betrachten und am Ende laut in die Hände klatschen: noch einmal! Als Zugabe gab's von dem Bläserquintett aus Spanien ein »Liebeslied«, das natürlich den Abschied nach großen Begeisterungsstürmen nicht erleichterte. Kirsten Benekam

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