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«Phänomen» Müller-Wohlfahrt - Der Bayern-Doc wird 70

London (dpa) - Kaum zu glauben, aber wahr: Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt wird am 12. August 70. «Ein Phänomen» nennt Jupp Heynckes den Arzt, der seit über 30 Jahren die Fußballer des FC Bayern behandelt.

Jubilar
Sportarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt feiert seinen 70. Geburtstag. Foto: Achim Scheidemann Foto: dpa

Auch Sprint-König Usain Bolt wird aus London sicherlich wieder Glückwünsche übermitteln. Wenn Müller-Wohlfahrt 70 Jahre alt wird, werden viele berühmte Patienten dem Arzt des FC Bayern und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zum runden Geburtstag gratulieren.

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Bolt hatte dem Mediziner nach seinem ersten Gold-Lauf bei den Olympischen Spielen sogar einen Anteil an seinen Glanztaten zugeschrieben. «Danke, Doktor, vielen Dank!», sagte der 25 Jahre alte Leichtathletik-Superstar im Fernseh-Interview. Die «überraschende» Gruß-Botschaft hatte den Sportarzt gerührt. «Doktor Müller-Wohlfahrt ist ein großer Mann», erklärte Bolt vor einem Millionen-Publikum: «Er hat meine Muskeln behandelt, aber er war mehr als ein Arzt für mich.»

Der Superstar der Gegenwart ist bei weitem nicht der einzige Top-Sportler, der auf die medizinischen Künste des Pastorensohns vertraut, der am 12. August 1942 im niedersächsischen Leerhafe zur Welt kam. Der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker ließ «Mull» früher immer wieder zu großen Turnieren einfliegen. Und Fußballer - nicht nur vom FC Bayern - sind Stammgäste in der 1600 Quadratmeter großen Praxis von Müller-Wohlfahrt in der Münchner Innenstadt.

Gute Erbanlagen, eine ausgewogene Ernährung, ein gesunder Schlaf und wohl auch der rastlose Einsatz für seine zahlreichen prominenten, aber auch weniger bekannte Patienten haben den Doc offenbar jung und in Form gehalten. Wenn Bastian Schweinsteiger in einem Spiel auf dem Fußballplatz zu Boden geht, und Müller-Wohlfahrt auf den Rasen sprintet, hängt er den Physiotherapeuten an seiner Seite immer noch ab - und das mit 70! «Die 100 Meter konnte ich mal in 11,0 laufen», verriet «MW» im Magazin der «Süddeutschen Zeitung».

Ob Bundestrainer Joachim Löw oder Bayern-Coach Jupp Heynckes, seit Jahrzehnten schwören Fußballlehrer auf Müller-Wohlfahrts Künste. «Er ist ein Phänomen als Arzt und als Mensch. Er ist Tag und Nacht für uns da. Er übt seinen Beruf mit einer Leidenschaft aus, das ist keine Arbeit für ihn», sagte der 67 Jahre alte Heynckes über den Arzt, der bei Bayern-Spielen an seiner Seite sitzt.

Dass der Doc 70 wird, ist kaum zu glauben. «Er ist jung geblieben, er hat einen wunderbaren Kontakt zu den Spielern, ob jetzt hier bei uns oder in der Nationalmannschaft», betonte Heynckes: «Mull ist einzig, ich mag ihn und muss ganz ehrlich sagen, ich hoffe, dass er uns noch lange erhalten bleibt und dass er gesund bleibt.»

Die Arbeit bereitet Müller-Wohlfahrt immer noch Spaß, er fühlt sich gebraucht von seinen Patienten. Vor und während der Fußball-EM im Juni pendelte er immer wieder zwischen den Aufenthaltsorten der Nationalmannschaft und seiner Praxis. «Meine Patienten brauchen mich», begründete er den Aufwand.

Seine größte Fähigkeit ist wohl, Verletzungen mit seinen Händen zu ertasten und das Ausmaß aufgrund seines großen Erfahrungsschatzes einschätzen zu können. «Ich tauche quasi in den Muskel ein», beschrieb er im «SZ»-Magazin seine Herangehensweise: «Ich sehe mit den Fingern.» Er wird wohl auch mit 70 auf dem Fußballplatz noch oft der erste Mann am Einsatzort sein.