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Pfeilhagel, Schaukämpfe und Kunsthandwerk

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Packende Schaukämpfe zeigten Ostgoten der Gruppe »Swarafulk« am Familientag in Stöffling. (Foto: Müller)

Seeon-Seebruck – Über 100 Kelten, Römer, Ostgoten und Bajuwaren bereicherten das 10. Bedaius-Familienfest am Keltengehöft Stöffling. Für die vielen Besucher gab es bei freiem Eintritt viel Spannendes zu entdecken und auch auszuprobieren. Historische Darsteller stellten ihre alte Handwerkskunst vor, vom Schnitzen und Lederschuhe- herstellen über das Weben und Münzen- Prägen bis hin zum Salzsieden und Bronze- gießen.


»Beim Gießen der Bronze, einer Legierung aus Kupfer und Zinn, brauche ich 1150 Grad«, erzählte Martin Dürrwaechter von der Bajuwarengruppe »Nors Farandi«. Große Besuchertrauben bildeten sich immer dann, wenn die Legionäre der 2. Räterkohorte COH II RAET aus Straubing und der hiesigen Legio II Italica zum Exerzieren antraten. Auch einige Ostgoten der Gruppe »Swarafulk« mischten sich darunter, wenn sie sich nicht gerade packende Schaukämpfe lieferten.

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Viel zu erfahren gab es über die Ausrüstung und Waffen der Legionäre, aber auch über das damalige, medizinische Wissen. »Medicus Ordinarius« Werner Stocker verriet, wie seine Vorfahren Operationen durchführten und Brüche behandelten. »Narkosen hat es nur für höhergestellte Personen gegeben«, so Stocker, dessen Instrumentarium nach Originalfunden rekonstruiert worden ist.

Ein Zuschauermagnet waren die Nachbauten zweier römischer Pfeilgeschütze von Dirk Eggenweiler und der Isinger Römergruppe »Bedaienses«. Geschossen wurde auf eine rund 20 Meter entfernte, hölzerne Zielscheibe – mit erstaunlicher Präzision und Durchschlagskraft. »Drei Bolzen in der Minute konnten mit so einem Orsova-Geschütz abgefeuert werden, das heißt, wenn eine Legion 50 Geschütze hatte, waren es schon 150 Bolzen, mit einer vernichtenden Wirkung«, berichtete der Isinger Gymnasiallehrer Kurt von Kiesling den verblüfften Zuschauern. Das Geschütz war vor rund fünf Jahren im Rahmen eines P-Seminars und in schulisch-universitärer Zusammenarbeit entstanden. Der Pfeilhagel beim Clout-Schießen kam wegen des Regens nicht so zur Geltung, dennoch flogen die Pfeile rund 100 Meter weit.

»Geschichte zum Anfassen und Erleben« hieß es auch beim Kinderprogramm, bei dem gebastelt, Schilde bemalt, Bögen gebaut sowie Lederbeutel und Kräutersalz hergestellt wurden. Premiere feierte der römische Miniatur-Hühnerhof (»Gallinarium«) von Martina und Lenz Ziereis. Ihre Zwerghühner ließen sich sogar streicheln. Auch das Bogenschießen mit Bajuwaren-Familie Würdinger kam gut an.

»Das Wetter war nicht optimal, trotzdem sind viele Darsteller und Besucher gekommen«, bedankte sich Organisator Matthias Ziereis von der veranstaltenden Tourist-Information Seebruck. Keltin Claudia Bennich aus Irland hatte von den Darstellern die weiteste Anreise. Eine Besucherfamilie kam sogar aus San Francisco. Bestens bewirtet wurden die Zeitreisenden von der Keltenküche des Mitveranstalters Verkehrsverein Truchtlaching.

Bei Claudia Fischer, Vorsitzende des Fördervereins Bajuwarenhof Kirchheim, gab es Fladenbrot mit wohlschmeckenden Aufstrichen und beim Kelten-Clan Cuallaidh schmackhaftes Stockbrot. Für beste Stimmung sorgte die österreichische Band »Gjoad« mit keltisch-archaisch anmutender Musik. mmü