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»Loferer Passion« von Cesar Bresgen im 35. Jahr in Maria Kirchental

Passion an mystischem Ort in Szene gesetzt

Die mystische Atmosphäre des einmalig in einem Hochtal gelegenen »Pinzgauer Doms« Maria Kirchental durchflutet die »Loferer Passion« von Cesar Bresgen. Dort wird sie seit 35 Jahren alle fünf Jahre von der heimischen Bevölkerung gespielt. Im 30. Todesjahr des Komponisten und Musikforschers gibt es an den Sonntagen, 10. und 17. Juni, noch vier Aufführungen in der Wallfahrtskirche, jeweils um 15 und 19 Uhr.

Jesus (Jakob Berka) beim Verhör vor Kaiphas (Peter Pechlaner). (Foto: Mergenthal)

Die Grundlage des geistlichen Spiels bildet eine anonyme Passionshandschrift mit dem Titel »Passions-Spiel Pinzgau« im Salzburger Museum Carolino Augusteum. Vermutlich sind dies Teile einer großen Passion, die für Lofer oder Maria Kirchental vor etwa 250 Jahren geschaffen wurde. Bresgen ergänzte die lückenhaften Dokumente mit eigenen Kompositionen um 1960 zu einer »Salzburger Passion«, die 1966 im großen Festspielhaus von Profis unter großem Aufsehen der Fachwelt aufgeführt wurde.

Ein Rundfunkinterview mit Bresgen über seine Forschungen war die Folge. Dieses hörte in Schleswig-Holstein auch ein Nachfahre des Vogts Claas Adolph Schütt, der vor mehr als 400 Jahren, verfolgt wegen Nichtausführung eines Mordauftrags seines dänischen Lehensherrn, in Salzburg und dann im Pfarrhof in St. Martin bei Lofer gefangen gehalten worden war.

Bei seiner Flucht 1598 hatte Schütt unter anderem ein altes Loferer Passionslied mitgenommen, das dann als »Loverleedgebet« in seiner Familie von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Claas Adolphs Nachfahre Ernst August ließ ein Tonbeispiel im Radio aufhorchen, war es doch genau dieses Liedgebet, das er und seine Geschwister bei Sturmflut gebetet hatten und das ihm als Soldaten im Kugelhagel an der Ostfront Kraft gegeben hatte. Das alte Lied kam aus dem hohen Norden nach Lofer zurück und bewiesen, dass die Passion tatsächlich aus Lofer stammt.

Daraufhin überarbeitete Bresgen das Werk; es sollte in Landpfarreien gespielt werden. Die von ihm gewünschte Kooperation von professionellen Künstlern und Laien gelingt in der aktuellen Inszenierung, erstmals mit John Thomasson als Spielleiter und Dietmar Fröhling als musikalischem Leiter, hervorragend. Die Loferer Passion ist professioneller geworden, ohne dass das Herzblut aller Beteiligten, besonders der langjährigen Darsteller der Passionsspielgemeinschaft Lofer - St. Martin, verloren gegangen wäre.

Jeder Akteur hat ein Mikrofon, so dass die Texte bis in die letzte Reihe verständlich sind. Gab es bisher nur zwei Scheinwerfer-Spots, so wurde nun ein richtiges Beleuchtungskonzept entwickelt, das die Kirchenausstattung wie das Gnadenbild und die wie stumme Wächter wirkenden Heiligenfiguren einbezieht. Blaues oder rotes Licht im Hintergrund verstärkt das Beklemmende der zu klingenden, bewegten oder stehenden Bildern verdichteten Passionserzählung. Das große Kruzifix links wird im Moment der Kreuzigung angestrahlt.

Nadia Oberhuber als neue Darstellerin der Maria findet sich mit viel Einfühlungsvermögen in diese große Rolle, sei es beim Dialog mit Jesus (Jakob Berka), dessen visionärer Geist, Konsequenz und Treue zu seinem Auftrag auf Marias mütterliche Güte trifft, oder beim Ertragen des Unfassbaren am Kreuzweg an der Seite des Lieblingsjüngers Johannes (Georg Schmiderer).

Ein Glücksgriff ist Profi-Bariton Christoph Schöffmann als Vorsänger, der entlang der Evangelien deklamierend durch die Handlung führt und mit ausdrucksstarken Gesangspartien brilliert. Bresgen arbeitet viel mit der suggestiven Wirkung thematischer und musikalischer Leitmotive, die wiederkehren, wie »Siehe Mutter, betrübte Mutter, siehe dein Jesus, dein Herr und dein Gott«.

Bei der Musik bezieht Fröhling die Raumwirkung ein: Die Orgel, der Regionalchor Mosaik und das Vokalensemble Aperto Saalfelden, eine erstmals für das Spiel engagierte Chorgemeinschaft, ein Streichquartett und das St. Martiner Posaunenquartett kommentieren und untermalen von der Empore aus. Vor dem Altarraum ist die Harfe, auf der Bühne bewegt sich der Pinzgauer Dreigesang wie Frauen am Weg und von vorne links oben ertönen bedrängende Trommelwirbel. Volksszenen, wie die Gefangennahme, bei der sich Jesus ganz menschlich wehrt, oder die pointierten Verhöre vor Kaiphas und Pilatus wechseln mit verinnerlichten Passagen, in denen die Sopranistin des Pinzgauer Dreigesangs Ilse Grießenauer als »Seele« über sich hinaus wächst.

Je mehr es auf Golgota zu geht, desto mehr entzieht sich Jesus den Blicken. Im reduzierten Dialog zwischen Vorsänger, Seele und Musikern berühren Jesu letzte Worte besonders. Am Ende stellen sich alle Akteure lose verteilt auf der Bühne auf. Die »Seele« stimmt das zentrale Liedgebet »Ach fasse zu Herzen was Schmerzen sind« an.

Restkarten gibt es an der Kasse vor den Aufführungen und unter passion@lofer.at. Veronika Mergenthal