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Partystimmung im Hotel »Edelweiß«

Berchtesgaden – Erst Felix Loch, dann die flotten Tobis: Am Mittwoch war neuerlich feiern angesagt, denn der »Doppel-Express« mit Tobias Wendl und Tobias Arlt fuhr wie erwartet als mit Abstand Schnellster ins Ziel. Der Jubel nach dem Sieg kannte keine Grenzen. Die Menschen lagen sich in den Armen und feierten ihre Goldbuben.g

Heike Loch, Maria Arlt und Andrea Wendl (v.l.) freuen sich über ihre Gold-Burschen. Fotos: Anzeiger/Wechslinger
Altbundestrainer Sepp Lenz (l.) mit Horst Arlt und Barbara Niedernhuber.
Die Papas der Tobis stoßen auf den Gold-Erfolg an.
Die Freude ist groß. Darauf kann man einen trinken.
Daumen drücken für die Doppelsitzer-Tobis.

Hans Huber, Vorstand des Rodelclubs Berchtesgaden, hatte eingeladen und um die 100 Menschen, die den Rodel-Doppelfahrern nahe stehen, waren ins Hotel »Edelweiß« gekommen. Unter den Gästen waren mit Hans Plenk, Leonhard Nagenrauft, Hans Stanggassinger, Hans Brandner und Barbara Niedernhuber auch Medaillengewinner von früher. Hans Brandner vom Salzberg hatte sogar seine Silbermedaille aus Innsbruck von 1976 dabei.

Die vorherrschenden Farben waren schwarz-rot-gold, der zweite Vorstand des Rodelclubs Berchtesgaden, Hans Stanggassinger, trug wie schon am Sonntag die Vereinsstandarte. Diese hatte der Vorstand des WSV Königssee, Hannes Schneider, zwar nicht dabei, dafür aber verteilte er Handfahnen, Tröten, Kopfschmuck und viele weitere Accessoires unter den Gästen, die sich allesamt in prächtiger Feierstimmung befanden.

Zunächst herrschte noch Anspannung, doch nach dem ersten Lauf, da die Tobis mit Riesenvorsprung in Front lagen, schlug die Stimmung in große Vorfreude auf den Gewinn der zweiten Goldmedaille der Rodler um.

RCB-Vorstand Hans Huber bezeichnete den Erfolg von Wendl/Arlt als gigantisch und deutete schon an, dass wohl noch einmal eine Steigerung mit dem Gewinn der dritten Goldmedaille der Rodler folgen würde. »Ich weiß nicht, wohin dieser Höhenflug der Rodler noch führen soll«, so Huber, der jedoch auf einen möglichen Medaillengewinn seiner Tochter Anja im Skeletonbewerb angesprochen keine Prognosen abgeben wollte. »Beim Skeleton ist viel möglich, das warten wir ab«, meinte der »Goldmedaillen-Vorstand« und relativierte etwas die Erwartungshaltungen: »Es ist nicht selbstverständlich, zu Olympischen Spielen zu kommen. Wenn dann, wie bei Wendl-Arlt bei deren ersten Olympischen Spielen, gleich eine Goldmedaille herauskommt, dann haben die beiden alles richtig gemacht«, befand Huber.

Der Vater von Tobias Arlt bezeichnete den Olympiasieg seines Sohnes als phänomenal und lobte die beiden Doppelfahrer als großartige Sportler, deren jahrelange Mühen nun mit dem Sieg bei Olympia belohnt worden seien.

Trainiert wie die »Ochsen«

»Die beiden Tobis sind für ihre jahrelangen Mühen belohnt worden«, freute sich auch Andrea Wendl, die Mutter des Steuermannes. »Die beiden haben trainiert wie die Ochsen, ich musste meinem Tobi nie etwas anschaffen, jetzt glaube ich, dass unsere Rodler auch noch in der Mannschaft eine Goldmedaille holen«, so Mama Wendl, die ihrem Tobi nach dessen Rückkehr in die Heimat sein Lieblingsgericht Rindsrouladen kredenzen wird.

Mitten unter die Feiergäste hatte sich auch der ehemalige Bayernligafußballer Reinold Esterl gemischt. Er habe den Sieg mit großem Vorsprung schon vorhergesagt und freue sich nun schon auf den Teamwettbewerb, den er wieder mit Freunden im Hotel »Edelweiß« miterleben werde. Er wisse nicht, ob man noch einmal aus Sicht der Rodler solch erfolgreiche Olympische Spiele erleben werde, befand Alt-Bundestrainer Sepp Lenz.

Der erste Rodel-Medaillengewinner bei Olympia, Hans Plenk, sprach von gravierenden Unterschieden zu heute und seiner Zeit. »Ich weiß gar nicht, ob wir damals im Fernsehen waren«, so Plenk.

Dagegen schickte Barbara Niedernhuber gleich Fotos aus dem Hotel »Edelweiß« ins Kufenstüberl nach Krasnaja Poljana, von wo Tobias Arlt via Fernsehen Grüße in die Heimat sandte.

Großer Empfang am 26. Februar

Helmut Angerer, Sprengmeister- und Feuerwerker-Freund von Franz Wendl, freut sich jetzt schon auf den großen Empfang der erfolgreichen Olympioniken am Weihnachtsschützenplatz. »Das wird etwas ganz Großes, die ersten Überraschungen zünden wir bereits um 19 Uhr«, erklärte Helmut Angerer, der jedoch einschränkte: »Wir sind natürlich im Markt an gewisse Vorschriften und Auflagen gebunden, aber wir bringen schon etwas Gescheites zusammen. Wir hoffen, dass viele Berchtesgadener zum Empfang kommen, denn das haben sich die Sportler verdient. Sie machen schließlich Berchtesgaden weltbekannt«.

Diese ganze Entwicklung mache auch den »Alten« Spaß, erklärte Silbermedaillengewinner im Doppelsitzer von 1976, Hans Brandner. Man vergesse den Tag eines Olympiasieges sicher sein ganzes Leben nicht, erklärte der Goldmedaillengewinner von 1984 in Sarajewo Hans Stanggassinger. Im Gegensatz zu den Topfavoriten Wendl/Arlt seien er und sein Hintermann Franz Wembacher damals nur Außenseiter gewesen. Ein Olympiasieg sei auch immer der Lohn für viele Jahre Trainingsarbeit, befand der zweite Vorsitzende des Rodelclubs Berchtesgaden, der im Weiteren feststellte, dass die beiden Tobis nun seit Jahren auf höchstem Niveau mit fast ausschließlich Toprängen unterwegs gewesen seien, während er vor 30 Jahren mit seinem Doppelpartner auch einmal auf fünften und sechsten Rängen im Weltcup gelandet sei. Auf die Frage, ob er heute noch durch den Eiskanal käme, meinte der Olympiasieger von 1984: »Nur ab dem Jugendstart.«

Eine große Freude sind die Erfolge der Kufensportler natürlich auch für Thomas Hettegger, der mittlerweile eng verbandelt ist mit der Berchtesgadener Rodelszene. »Ich kenne zum einen alle Kufensportler und freue mich mit ihnen über ihre Erfolge. Des Weiteren ist es natürlich für unser Haus eine feine Sache, derartige Weltklassesportler als Werbeträger zu haben«, erklärte Hotelier Thomas Hettegger, der heute nach Sotschi abgereist ist: »Ich habe in Sotschi eine Woche Ruhe und kann machen, was ich will. Natürlich werde ich erst einmal zu meinem Freund Rudi Größwang ins Kufenstüberl gehen und schauen, was sich ergibt«, erklärte ein sichtlich zufriedener Hotelier, der bewusst erst nach den großen Siegen anreiste.

Voll des Lobes für die Rodler war natürlich auch der Vorstand des WSV Königssee, Hannes Schneider, der einen international erfolgreichen Wintersportverein führt. Am großen Ziel angekommen sieht sich Franz Wendl, der selbst einmal erfolgreich gerodelt ist und Deutscher Vizemeister war. Eine sehr große Freude ist es für Wendl, dass sich die Trainingsgruppe »Sonnenschein« durchgesetzt hat, die vor einigen Jahren schon einmal zusammen Team-Weltmeister der Junioren gewesen war. »Diese Gruppe hat es mit größtem Trainingseifer geschafft sich durchzusetzen und sich die Krone des Rodelsports aufzusetzen«, freut sich Wendl, dessen beinamputierter Vater im Jahr 1951 als Krückenskiläufer Deutscher Meister wurde. Christian Wechslinger