Party ohne Sohn: Dynamo-Legende Klaus Sammer wird 70

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Dresdens Fußball-Legende Klaus Sammer wird 70 Jahre alt. Foto: Thomas Eisenhuth Foto: dpa

Dresden (dpa) - Der prominenteste Geladene auf der Geburtstagsparty von Klaus Sammer fehlt. Der »Lange«, wie die Spieler- und Trainerlegende von Dynamo Dresden wegen seiner 1,92 Meter Körperhöhe gerufen wird, muss ausgerechnet an seinem 70. Ehrentag am Mittwoch auf Sohn Matthias verzichten.


»Die Bayern bestreiten am Mittwoch ihr Champions-League-Spiel gegen Borissow, da muss er vor Ort sein«, sagt der Vater und zeigt Verständnis. Und um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, fügt er an: »Eines habe ich von meinem langjährigen Trainer Walter Fritzsch gelernt: Du musst immer da sein, sonst gerätst du schnell auf das Abstellgleis. Und Matthias steht bei den Bayern erst wenige Monate in der Verantwortung.« So feiert Klaus Sammer nur mit der Familie und engsten Freunden.

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Die Fußballerkarriere von Klaus Sammer begann bei der TSG Stahl Gröditz. Als 19-Jähriger wechselte er zum SC Einheit Dresden, im Mai 1965 zu Dynamo. Zehn Jahre kickte er für die Schwarz-Gelben, wurde zweimal DDR-Meister und spielte eine Hauptrolle, als die Dresdner 1971 zum ersten Mal das Double gewannen. Im Pokalendspiel gegen den BFC Dynamo schoss der Abwehrrecke beim 2:1 nach Verlängerung beide Tore.

Sein Debüt in der Nationalmannschaft feierte Sammer im November 1970 in Dresden im EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande (1:0). Bei den Olympischen Spielen 1972 in München fehlte er im Auswahlaufgebot. »Sportliche Gründe gab es nicht, den Rest kann sich jeder denken. Kurz nach Olympia stand ich wieder im Kader.« Auch die WM zwei Jahre später in der BRD verpasste er, obwohl er während der Qualifikation noch zum Kader gehörte. Insgesamt bestritt er 21 Auswahlspiele.

Von den 19 Europapokalpartien mit Dynamo sind ihm die legendären Duelle mit dem FC Bayern München (3:4, 3:3) 1973 in schlechter Erinnerung. Noch heute ist ihm die Enttäuschung anzumerken, »weil es taktisches Versagen war«. Er selbst saß nur auf der Bank. »Dabei hätten wir einen mit meiner Körpergröße hinten dringend gebraucht. Wir haben sechs Tore gegen dieses Starensemble geschossen, das hätte doch zum Weiterkommen reichen müssen.«

Als Cheftrainer führte Sammer die Dynamos zwischen 1983 und 1986 zu zwei Pokalsiegen. In diese Zeit fiel allerdings auch die berühmte Europapokalpleite in Uerdingen, als die Dresdner nach einem 2:0-Hinspielsieg und einer 3:1-Pausenführung noch mit 3:7 untergingen. Nach der Wende kehrte Klaus Sammer zu Bundesliga-Zeiten (1992/93) noch einmal auf die Trainerbank zurück, arbeitete später auch für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Nachwuchstrainer, Scout und als Projektleiter »Sportbetonte Schulen«.

Die Zahl 7 vor seinem Alter schreckt ihn nicht, behauptet er zumindest. »Ich belüge mich selbst ein bissel und denke, ich bin erst 50. Außerdem werde ich 103.« Die Ironie und den Schalk hat sich Sammer bewahrt und so verwundert es nicht, dass er auf die Frage nach seinem größten Erfolg, antwortet: »Dass ich mich um die Armeezeit in der DDR gedrückt habe.« Sein Wettkampfgewicht bringt er immer noch auf die Waage. »Seit meiner Hüftoperation kann ich zwar nicht mehr joggen, aber Fahrrad fahren geht hervorragend«, erzählt der Jubilar.

Seine ehemaligen Mitspieler trifft er regelmäßig bei den Zweitligaspielen im Dresdner Stadion. »Ich gehe aber erst wieder hin, seitdem wir die neue Arena haben. Vorher hatte ich Angst, dass mir in der maroden Spielstätte etwas passiert.«