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Pärchen verurteilt

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Berchtesgaden/Laufen - Beide hatten ihre Arbeitsstelle verloren, beide hatten Schulden. Dennoch gaukelten sie einem Berchtesgadener Wohnungsbesitzer vor, über regelmäßiges Einkommen zu verfügen und zahlungsfähig zu sein. Die jungen Eltern standen nun wegen Betrugs vor dem Laufener Strafrichter. Sie hat 600 Euro Strafe zu zahlen, er bekam eine neunmonatige Freiheitsstrafe mit allerletzter Bewährungschance.


Der 25-jährige Lagerist aus Reichenhall hat 10 000 Euro Schulden, die 24-jährige Verkäuferin aus Schönau am Königssee 4 000 Euro. Beide waren ohne Arbeit und Einkommen, als sie am 13. März 2012 einen Mietvertrag mit einem 67-jährigen Unternehmensberater für eine Wohnung in Berchtesgaden unterzeichneten. Weil sie eine erste Zahlung von 600 Euro nicht leisten konnten, verlangte der Vermieter den Nachweis einer Bank.

Schließlich legten sie ein Schreiben der Sparkasse vor, in dem ein Dispokredit in Aussicht gestellt wurde für den Fall, dass zwei Gehälter auf ihrem Konto eingingen. Der Vermieter vertraute darauf und überließ dem Paar mit den beiden fünf Jahre und drei Monate alten Kindern die Wohnung.

»Das ist alles richtig«, räumte die junge Mutter ein, »ich war zu dieser Zeit nicht ich selber. Ich habe mich um nichts gekümmert.« Auch der Vater des Kleinkindes entschuldigte sein Handeln mit der »schwierigen Situation«. Er habe versucht, mit dem Vermieter zu reden. Der wiederum hatte sich bemüht, den beiden zu helfen.

»Ich habe versucht, die Übernahme durch das Jobcenter zu erreichen«, berichtete der Berchtesgadener im Zeugenstand. »Sie hätte nur im Bürgerbüro ihre Unterschrift leisten müssen«. Das aber habe sie nicht gewollt, berichtete der Unternehmensberater, nein, da gehe sie nicht hin.

»Das wäre doch übernommen worden, wie in der jetzigen Wohnung auch«, schüttelte Richter Thomas Hippler den Kopf. »Ich habe mich damals für nichts interessiert«, wiederholte die Frau, ihre Mutter sei schwer krank gewesen.

»Wir möchten das Geld auf alle Fälle zurückzahlen«, beteuerte der Lagerist, »aber bis jetzt konnten wir das nicht.« Der 25-Jährige ist kein unbeschriebenes Blatt, wegen mehrfachen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und gefährlicher Körperverletzung war er bereits verurteilt worden und stand zum Zeitpunkt des Mietbetruges unter offener Bewährung. Die Frau ist bislang unbescholten.

Neun Monate Freiheitsstrafe für ihn und eine 1 200-Euro-Geldstrafe für sie forderte Staatsanwältin Susanne Schatt. Rechtsanwalt Florian Eder plädierte auf acht Monate für seinen Mandanten. Der Verteidiger wollte den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen Kündigung und Mietverhältnis berücksichtigen, ebenso die »schwierige finanzielle Situation«.

»Wir werden alles wieder gut machen«, versprach die junge Mutter, die mit Kinderwagen in den Sitzungssaal gekommen war, und sich zwischendurch um ihr Baby kümmerte, das jedoch die Verhandlung weitgehend verschlief.

Auf 60 Tagessätze zu je 10 Euro entschied Thomas Hippler, räumte der Frau eine monatliche Ratenzahlung von 50 Euro ein. Unter Einbeziehung der Vorstrafe erhielt der Lagerist eine neunmonatige Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung, zwei davon unter Begleitung eines Bewährungshelfers. Die 1 500 Euro Schaden hat er in monatlichen Raten von 100 Euro wiedergutzumachen.

»Ich will Ihnen die Chance geben, für die Familie zu sorgen«, begründete der Richter die nochmalige Bewährung. Sollte allerdings das Kleinste passieren, dann sei die Zeit milder Urteile vorbei. »Denken Sie an Ihr Kind«. Hannes Höfer