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Paddler und Umweltorganisationen gegen Saalachkraftwerk

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Der Paddlerkonvoi spannte dort, wo das Ausleitungsbauwerk entstehen soll, ein Banner über die Saalach. (Fotos: Bauregger)

Schneizlreuth – Mehr als 300 Kajakfahrer, Stand-up-Paddler und Rafter setzten am Sonntag auf der Saalach bei Unken ein deutliches Zeichen gegen das geplante, grenzübergreifende Ausleitungs-Wasserkraftwerk zwischen Unken (Land Salzburg) und Schneizlreuth.


Am Startpunkt beim Fußballplatz in Unken bekundeten auch zahlreiche Bürger und betroffene Anlieger der Saalach aus beiden Gemeinden ihre Solidarität mit den Organisatoren. Auch die Bürgermeister Florian Juritsch aus Unken und Wolfgang Simon aus Schneizlreuth standen den besorgten Bürgern und zwei Fernsehteams des ORF und des BR für Fragen zur Verfügung. Der mehrere Hundert Meter lange Paddlercorso konnte von den Brücken und vom Wander- und Radweg entlang der Saalach bis zur Köstlerbrücke mitverfolgt werden.

Es war ein fröhlich wirkendes Bild, als sich der vielfarbige Korso in Bewegung setzte. So sollte es nach Meinung der Demonstranten auch in Zukunft bleiben, wenn sich Wassersportler auf diesem Teil der Saalach bis Schneizlreuth im Wasser tummeln. Schon bald könnte aber Schluss damit sein, wenn dieses gut sieben Kilometer lange Stück der noch größtenteils wild fließenden Saalach zur Restwasserstrecke des Ausleitungskraftwerkes verkommen sollte.

Das Thema, das hinter dieser Aktion steckt, ist für die Organisatoren ein ernstes. Die Unkener Guido Kreutschnigg, Bernhard Berger und Judith Hackinger sind die »Motoren« der Bürgerinitiative »Wasser ist Leben – Rettet die Saalach«. Die Initiative wird von etwa 500 Menschen unterstützt. Dazu gehören auch die Fischereiverbände, Wassersportunternehmer, Anrainer und Organisationen wie die »Saalach Allianz«. Bisher war es Ziel der Initiative, Betroffene und Bürger in erster Linie mit Informationen zu versorgen und Aktionen durchzuführen. In Kürze werde man aber auch eine Unterschriftenaktion gegen das geplante Kraftwerk in beiden Gemeinden starten.

Der Schneizlreuther Bürgermeister Wolfgang Simon hat sich in den letzten Wochen deutlich gegen das Projekt ausgesprochen. Sein Kollege Florian Juritsch aus Unken sieht ebenfalls mehr Nachteile als Vorteile für seine Kommune.

Auswirkungen auf Ökologie und Tourismus

Das Kraftwerk werde sich nach seiner Einschätzung nicht nur auf die Ökologie des Flusses, sondern auch auf den Tourismus und das gesamte Naherholungsgebiet entlang der Saalach auswirken. In keinem Fall passe es zum Werbeslogan der Touristiker »Wilde Wasser-Natur«. Zudem seinen einige Fragen zum Projekt noch offen, wie etwa zum Gutachten der Projektbetreiber über den Tiefbrunnen für die Wasserversorgung in der Mörtelau, der im Rückstaubereich liegt. Mit diesen und anderen Fragen werde sich der Unkener Gemeinderat in Kürze befassen.

Die Aktion gegen das Kraftwerk organisierte in diesem Jahr der Alpine Kajak Club (AKC) in enger Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative. Der Vorsitzende des AKC, Jobst Hahn, von Beruf Forstsachverständiger, bezeichnet die Behauptung der Projektbetreiber, es werde keine gravierenden Beeinträchtigungen für die Wassersportler geben, als schlichtweg falsch.

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Formieren sich gegen das Kraftwerksprojekt (v.l.): Bgm Florian Juritsch, Guido Kreutschnigg, Bgm Wolfgang Simon, Bernhard Berger, Jobst Hahn und Judith Hackinger.

Wenn nämlich die Wassermenge bis auf etwa sechs Kubikmeter dauerhaft zurückgefahren wird, wäre die Restwasserstrecke für Padler wie für Raftingboote, insbesondere in den breit fließenden Wasserflächen, nicht mehr passierbar. Hahn hat seine Diplomarbeit über Auenökologie geschrieben und sieht auch eine Katastrophe in Bezug auf den ökologischen Zustand der Saalach kommen.

Zum einen werde es keine Wildflussdynamik aus dem Zusammenspiel zwischen Niedrig- und Hochwasser mehr geben, die so wichtig für die notwendige Verschiebung der Kiesbänke und die darauf vorhandene Flora und Fauna sei. Durch permanentes Niedrigwasser könnten etwa Weiden starke Wurzeln bilden, die eine Verlagerung unmöglich machten. Gerade dieses Problem beschäftige seit geraumer Zeit auch Fachleute an der Restwasserstrecke der Isar am Sylvensteinspeicher. Zum anderen würden sich im Rückstaubereich vor dem Ausleitungsbauwerk Richtung Unken massiv Feinstoffe ablagern, was tödlich für die meisten Kleinlebewesen sei. Angesichts der Zerstörung des Ökosystems sei die Wasserkraftnutzung in keinem Fall »so grün, wie sie sich darzustellen versucht«.

Der Stellvertretende Vorsitzende der Saalach Allianz, Erich Prechtl, hält die anvisierte Restwassermenge für fatal. Dadurch würde nicht nur die Fließgeschwindigkeit massiv reduziert. Es würde sich auch die Wassertemperatur empfindlich erhöhen, was vielen Fischarten den Garaus machen würde. Vorhaben der Fischer wie das Äschenprojekt und das Urforellenprojekt in einem Seitenbach der Saalach in Unken, die der Erhöhung der genetischen Vielfalt dienen sollten, hätten keine Zukunft mehr.

Trinkwasserbrunnen gefährdet

Gefährdet seien zudem nicht nur die Trinkwasserbrunnen beider Gemeinden, sondern auch die einiger Anlieger. Da der Bau dieses Wasserkraftwerkes auch ein eklatanter Verstoß gegen die Europäischen Wasserrichtlinien wäre, in der ein Verschlechterungsverbot und ein Verbesserungsgebot verankert sind, versteht Erich Prechtl nicht, warum die Politik und insbesondere das Landratsamt Berchtesgadener Land als Genehmigungsbehörde »hiervor die Augen verschließe« und nichts dagegen unternehme. Vermutlich müsse der BUND erst wieder eine Klage dagegen einreichen, um diese Festlegungen durchsetzen zu können, so Prechtl.

Der Ressortleiter des Bayerischen Kanu-Verbandes, Dr. Stefan Schmidt, wertete die Behauptung eines Experten, dass bei sechs Kubikmetern Restwasser die Saalach für Wassersportler uneingeschränkt befahrbar sei, als »glatte Lüge«. Es mache auch keinen Sinn, eine derart zu erwartende Naturzerstörung zuzulassen um eine minimale Verbesserung der Stromversorgung zu erreichen. Die ökologischen Auswirkung sieht Dr. Schmidt ähnlich wie Jobst Hahn vom AKC. Für die Folgeschäden werde in jedem Fall die Allgemeinheit und nicht der Betreiber aufkommen müssen. Werner Bauregger