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»Out of Traunreut«

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Von links: Bastian Pusch, Christoph Zoelch, Guido May, Hans Baltin, Michael Vochezer und Knud Mensing feierten im k1 mit »Runde 10« jazziges Wiedersehen in der Heimatstadt Traunreut. (Foto: Benekam)

Im Rampenlicht der großen k1-Bühne im Saal warteten geduldig ein Flügel, ein Schlagzeug, ein Kontrabass, ein Saxofon und zwei Gitarren auf ihre Spieler. Weniger geduldig fieberte das Publikum im Saal dem bevorstehenden Wiedersehen mit den »Söhnen Traunreuts« entgegen.


Das alljährlich stattfindende klingende, swingende und vor allem lachfreudige Klassentreffen der »Söhne«, die vor rund 25 Jahren nach ihrer Hochschulreife ihre Heimatstadt verlassen haben, ging heuer im k1 in die zehnte Runde. Statt Geschichten aus dem bisherigen Leben, brachten diese musikalischen Söhne der Stadt Geschichten aus dem Musikeralltag mit und natürlich Musik vom Feinsten: Anekdoten von früher, als in der Schulband des JHG alles begann, Altes, Neues oder neu aufgearbeitetes Altes – eben alles, was damals bewegte und im musikalischen Gewand erklang, gewürzt mit musikalischen und zwischenmenschlichen »Ereignissen«, welche die inzwischen weit über die Grenzen des Chiemgau hinaus erfolgreichen Berufsmusiker prägten.

Die »Runde 10« sollte, wie Bastian Pusch eingangs erklärte, dem Genre huldigen, dem sich die Söhne Traunreuts so sehr verbunden fühlen: Dem Jazz. So hatten Bastian Pusch (Klavier), Hans Baltin (Kontrabass, E-Bass), Christoph Zoelch (Saxophon, Klarinette), Knud Mensing und Michael Vochezer (Gitarren) und Guido May (Schlagzeug) schon am Vormittag im k1 bei einer Veranstaltung extra für Schüler versucht zu erklären, was Jazz ist (und dabei die verblüffende Feststellung gemacht, es selbst nicht wirklich zu wissen). Dass die sechs Musiker aber nach nur einer Probe, die am selben Tag des Konzerts stattfindet, und bei der man spontan die gespielten Nummern aushandelt, so gut harmonieren, belegt dann eher, dass man den Jazz verinnerlicht hat.

Und so ganz von innen nach außen ließen die zwar äußerlich inzwischen eher als »Väter Traunreuts« wirkenden, ihre Gäste teilhaben, mitfeiern und grooven. Ein verjazztes Klassentreffen, organisiert von gut gelaunten »Kindsköpfen«, zu dem sich, wie man in der zehnten Auflage erleben durfte, Traunreut immer noch gerne einladen lässt. Denn schließlich schwingt da eine gute Portion Stolz über die musikalisch wohlgeratenen und gereiften Söhne mit.

In den folgenden zweieinhalb Stunden gab es also eine Art Best-of-Selection aus Jazzstandards, denen sich die Zuhörer mit großem Genuss hingaben: »Love for Sale« von Cole Porter aus dem Musical »The New Yorkers«, »Out of Nowhere« von Johnny Green oder »Moonglow« von Will Hudson. Es dauerte nicht lange, bis die k1-Gäste dem Charme der bekannten und beliebten Nummern erlagen. Es groovte, es passte und so trieben die jazzigen Söhne von Nummer zu Nummer mit treibender Dynamik und entfesselter Spielfreude die Stimmung nach oben.

In den langsamen Stücken Anlehnung suchend, in den flotteren Nummern in Richtung Stuhlkante unterwegs, feierte man längst gemeinsam, nahm »Stompin' At the Savoy« von Benny Goodman mit, trotzte mit der Bossa-Nova-Nummer »Summer Samba« von Marcos Valle den negativen Auswirkungen des Klimawandels und gab sich den romantisch-melodischen Grooves der Duke-Ellington-Komposition »In a sentimental Mood« hin: die gesamte Gefühlspalette und als Dreingabe höchste Virtuosität an Tasten, Saiten, Klappen und am Schlagzeug.

Da freut man sich auf Runde elf, obwohl die Rund zehn noch im Gange ist. »The Days of Wine and Roses« (Henry Mancini), die genussvollen Tage aus Wein und Rosen, scheinen also für die Söhne Traunreuts längst noch nicht vorbei. Die Ex-Schulband, »Out of Traunreut«, funktioniert bis dato prächtig und verabschiedete Fans, Freunde und Familien ihrer alten Heimat mit dem Blues »Night Blue«. Zuvor gab's zum Dank fürs gemeinsame musikalische Vergnügen einen kräftigen Beifall. Kirsten Benekam