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Einstimmung auf den Advent mit Heinrich Albrecht und Dr. Elke Michel-Blagrave

Orgelmusik und Engelmeditation

Mit inspirierenden Gedanken zu Engeln von Pater Anselm Grün und passend dazu ausgesuchten Orgelwerken nahmen Heinrich Albrecht und die Organistin Dr. Elke Michel-Blagrave in der Inzeller Pfarrkirche Ruhesuchende in einer außergewöhnlichen Art und Weise mit in den Advent.

Heinrich Albrecht trug als Moderator Gedanken vor und steuerte als Bariton Lieder bei. (Foto: Bauregger)

Heinrich Albrecht lud die Zuhörer ein, sich von der Klarheit, Zärtlichkeit, Zuversicht und Wärme, die von Engeln ausgehe, inspirieren zu lassen und die kommenden turbulenten Wochen bis Weihnachten mit einer inneren Ruhe und Gelassenheit auf sich zukommen zu lassen. Engelhaft fein, ruhig fließend eröffnete die Organistin den Abend mit dem Präludium in C-Dur von Johann Sebastian Bach. Fülliger und bewegter erklang danach ein Part aus der Pastorale Bachs in C-Dur in einem spielerisch-tänzelnden Wechselspiel zwischen gedeckten und strahlenden Orgelregistern.

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Mit klarer Stimme und eindrucksvoller Dynamik

Das Lied »Wohl durch die Nacht« trug der ausgebildete lyrische Bariton Heinrich Albrecht mit klarer Stimme und eindrucksvoller Dynamik vor. Die dazu ausgesuchte Orgelmusik aus der Pastorale Bachs in c-Moll klang dieses Mal Schalmei-ähnlich, aufgesetzt auf einer ruhig fließenden Bassstimme.

Die nächsten Gedanken drehten sich um die Nähe Gottes, der Engel schickt, die den Menschen die Augen öffnen oder sie aus Sackgassen führen können. Persönlich wichtig sei es, zu lernen, dem eigenen Lebensauftrag und der eigenen Berufung gerecht zu werden und sich nicht von Illusionen, von außen aufgedrängten Gedanken und Meinungen steuern zu lassen. Die Musik dazu lieferte die Organistin mit dem schreitend angelegten Adagio in C-Dur von Bach.

Eine schöne Überleitung zu Gedanken darüber, unter den Engeln vor schädlichen Einwirkungen beschützt und beschirmt zu sein und dadurch frei atmen zu können. Mit »Priere de Notre Dame« war das darauf folgenden Orgelwerk aus der »Suite Gothique« von Léon Boëllmann überschrieben – mit liedähnlichen, lieblichen Melodien und eingängigen Harmonien.

Feierlich festlich, voluminös bewegt, klang die Orgel daraufhin mit dem »Menuett Gothique« aus der gleichen Suite. Wie Albrecht weiter rezitierte, braucht es auch einen Engel und einen Raum der Stille, wenn viel Widersprüchliches auf den Menschen einströmt. Um wieder zur Ruhe zu kommen, brauche es aber auch klare Grenzen für sich selber und in der Beziehung zu anderen Menschen, die jedoch von Respekt geprägt sein müssen.

Gerade diese, teils aggressiven und aufreizenden, Widersprüche erklangen auch in der Orgel-Meditation von Olivier Messiaen, aufgelöst in einem strahlend angelegten, langen Schlussakkord. »A Galliards Gygge« von William Byrd war danach die Begleitung mit Flöten und Schalmeien zum Thema »im Einklang mit sich sein«.

Auf der Orgel erklingt die Leichtigkeit

Daraus ergebe sich für die Menschen Heiterkeit, Leuchtkraft fürs Leben und kindliche Ausgelassenheit. Gerade diese Leichtigkeit erklang auf der Orgel in der Adlgasser Sonate in B-Dur, 1. Satz, mit feinen Flötentönen, basierend auf einem unaufdringlichen Bass. Den ausgesprochenen Wunsch, die Engel mögen über eine ausgeglichene Seele wachen, aus der heraus sich Gleichmut und inneren Frieden entwickeln können, drückte die Organistin mit dem Choralvorspiel »Nun komm der Heiden Heiland« von Bach in ruhiger Art und Weise aus.

Schließlich forderte Albrecht mit einem Zitat Grüns dazu auf, an die eigene, innere Kraft zu glauben und nicht Opfer zu sein, sondern aufzustehen und selbst Verantwortung zu übernehmen. Manchmal brauche man dazu auch Engel-Menschen, die Steine wegrollen und Mut machen. Musikalisch untermauerte Albrecht diesen Gedanken mit dem wunderbar und ausdrucksstark intonierten Lied »Will die Nacht herniedersinken«.

Mit dem »Concerto« in a-Moll von Vivaldi und Bach wurden die Zuhörer in eine idyllische Winternacht mit dicken Schneeflocken entlassen. Werner Bauregger