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Orgasmen, Sport und Regenwetter

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In kurzen Hosen auf dem Motorrad ...
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... oder als Entwicklungshelfer bei nepalesischen Mönchen ...
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... beim Tennisspielen in Berchtesgaden ...
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... auf den Gipfeln der höchsten Berge ...
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... beim Skifahren in den Bergen ...
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... oder beim Radeln. Jürgen Geilich ist immer gut drauf.

Berchtesgaden – Dieser Mann ist ein Phänomen: Jürgen Geilich ist immer gut drauf. Hat die ganze Welt gesehen. Und schaut mit seinen 77 Jahren aus wie 50. Wie macht der gebürtige Allgäuer das bloß? Ganz einfach: Jürgen Geilich lebt nach der Fünf-Säulen-Theorie. Die er selbst entwickelt hat. Im »Anzeiger«-Interview erklärt der Abenteurer, Philosoph und Business Coach, wie man ein erfüllendes und glückliches Leben führen kann.


Herr Geilich, Sie wirken immer so positiv, wie ein Sunnyboy im Endorphinrausch. Woher nehmen sie diese Energie?

Jürgen Geilich: Ich wirke nicht so. Ich fühle mich wirklich so. Meine sportlichen Aktivitäten, Reisen und die Herausforderung bei Seminaren mit Führungskräften und Auszubildenden wecken in mir immer wieder eine Neugier. Genauso wichtig sind jedoch auch Regeneration, Entspannung und Meditation.

Sie waren über 20 Jahre Berufssoldat bei der Bundeswehr. Warum haben sie dort mit 42 Jahren als Oberstleutnant vor einer möglichen großen Soldaten-Karriere gekündigt?

Geilich: Ich wäre nach den Führungsebenen bei der Truppe in irgendwelchen Stäben im Ministerium eingesetzt worden, was jedoch nicht meine Welt war. So habe ich ein Angebot der damaligen »Outward-Bound-Schule«, der sogenannten »Kurzschule« in Berchtesgaden angenommen.

Was soll das sein?

Geilich: Die Kurzschule gibt es heute noch, sie ist nur verlegt worden. Es handelt sich dabei um eine internationale Schule für Erlebnispädagogik, wo Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Welt fit fürs Leben gemacht werden. Dort habe ich mehrere Jahre gearbeitet. Die Schüler waren unter Anleitung zwischen zwei und vier Wochen alleine in der Natur mit gewissen Aufgabenstellungen unterwegs. Dabei gab es tägliche Rückmeldungen, um das Erlernte zu vertiefen.

Hat ihnen da ihre Ausbildung als Gebirgsjäger-Offizier geholfen?

Geilich: Natürlich hat mir Menschenführung geholfen, aber auch die Ausbildung »Leben im Felde«, wo man mit einfachen Mitteln auf sich alleine oder in der Gruppe gestellt war und sich durchschlagen musste.

Sie sind auch immer wieder im Ausland.

Geilich: Ich bin schon als Soldat mit anderen Kulturen und Mentalitäten in Berührung gekommen und habe gerade im Ausland viel für mein späteres Leben gelernt.

Wie ging es nach dem Ende der »Outward-Bound-Schule« weiter?

Geilich: Ich habe mich selbstständig gemacht und organisiere Outdoor-Seminare und Persönlichkeitstrainings. Dabei geht es darum, seine Stärken und Schwächen auszuloten und zu lernen wie man mit den Schwächen umgeht.

Sie haben eine sogenannte Fünf-Säulen-Theorie entwickelt. Können sie dazu etwas sagen?

Geilich: Die Säulen Beruf und Finanzen, Familie und soziale Kontakte, Gesundheit und Fitness sowie Sinnhaftigkeit und Kultur sind bekannt. Ich habe dazu die fünfte Säule Sexualität mit dem krönenden menschlichen Gefühl, den Orgasmus, gesetzt. Nur wenn alle fünf Säulen in einem Gleichklang funktionieren, bleibt der Mensch gesund und kann erfolgreich sein. Alle fünf Faktoren sind untrennbar miteinander verbunden. Jeder Körper ist ein dichtes Netz von unsichtbaren Energiebanden und bewegt sich in diesem Feld der fünf Säulen.

Wie kann man diese fünf Faktoren für sich selbst bestmöglich vernetzen?

Geilich: Jeder Mensch ist einmalig. Es gibt kein Patentrezept, wenn es auch in Tausenden Büchern propagiert wird. Für ein zufriedenes, erfülltes und auch erfolgreiches Leben ist das Zusammenspiel aller fünf Säulen unabdingbare Voraussetzung. Eine Grundvoraussetzung ist auch, dass ich mich in diesem Netz der fünf Säulen wohl fühle.

Ein Manko unserer Gesellschaft ist mangelnde Bewegung.

Geilich: Richtig. Jeder Mensch hat täglich 24 Stunden Zeit zur Verfügung. Da müssten 20 Minuten Bewegung möglich sein. Es ist schon etwas, wenn man zu Fuß ins Büro geht oder einen kleinen Lauf absolviert. Wer sagt, dass er dafür nur am Wochenende Zeit hat, dem reicht es nicht aus. Entscheidend ist hier eine ständige Kontinuität.

Es gibt jedoch auch Menschen, die ihr Leistungsvermögen überstrapazieren.

Geilich: Gerade in unserer Zeit der Superlative bringt es im fortgeschrittenen Alter nichts, sich zu sehr anzustrengen. Man muss in seinen Körper hineinhören, der Signale aussendet. Wer beim Sport überdreht, ist der Schaden größer als der Nutzen.

Was sagen Sie zu einer positiven Lebenseinstellung?

Geilich: Wir begegnen täglich verschiedenen Menschen und können förmlich ausflippen, was einem bei diesen Begegnungen alles passieren kann. Doch jeder Mensch hat einen positiven Bereich, den es herauszufinden und sich nutzbar zu machen gilt. Man muss lernen, vermeintlich Negatives in eine positive Situation umzuwandeln.

Können Sie dazu ein Beispiel bringen?

Geilich: Wenn es regnet, tut das der Natur gut. Man kann im Regen spazieren gehen und patschnass nach Hause kommen. Wenn man das annimmt, kann es ein sehr schönes Erlebnis sein. Man kann den Regen ja nicht ändern, aber das Beste aus der Situation machen. Man muss einfach lernen, Gegebenheiten anzunehmen und sie nicht von vorneherein abzulehnen.

Sie waren oft in den hohen Berglandschaften des Himalajas unterwegs, in denen die Menschen eine besondere Zufriedenheit ausstrahlen. Woran, glauben Sie, liegt das?

Geilich: Die Bergvölker leben im Einklang mit der Natur. Diese Menschen strahlen eine Würde aus, nach der wir uns sehnen. Sie sind mit sich im Reinen. Körper und Geist sind eins.

Der Mensch sehnt sich nach der Leichtigkeit des Seins.

Geilich: Wir müssen unsere Energie in ein Gleichgewicht von Anspannung und Entspannung bringen. Die Harmonie von Emotionen und Verstand muss stimmen. Nur dann bleiben wir gesund. Christian Wechslinger