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Operation Bypass: Arbeiten am einspurigen Kreisverkehr laufen

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Berchtesgaden: Operation Bypass: Arbeiten am einspurigen Bahnhofs-Kreisverkehr laufen
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Eine verbreiterte Ausfahrt Richtung Ramsau ermöglicht den wichtigen Sicherheitsabstand. Hier können die Bauarbeiter nun ungehindert die Verkehrsinsel verschmälern. (Fotos: Vietze)

Berchtesgaden – Verkehrsteilnehmer müssen sich an eine neue Situation gewöhnen: Seit Anfang September ist der Kreisverkehr am Bahnhof Berchtesgaden nur noch einspurig befahrbar. Die Marktgemeinde Berchtesgaden und das Staatliche Bauamt sind gerade dabei, den Busbahnhof und den Kreisverkehr für den künftigen Bypass umzugestalten. Deswegen ist mit Rückstau zu rechnen. Geschäftsanliegern macht dieses Bauprojekt zu schaffen.


Großes Gedränge herrscht am einspurigen Kreisverkehr, obwohl das Verkehrsaufkommen an einem bewölkten Vormittag mäßig ist. Sobald ein Fahrer an der Einfahrt eine Lücke erkennt, quetscht er sich riskant zwischen zwei Autos. Allgemein ist Rückstau an mindestens einer Einfahrt zu beobachten. »Ganz ohne Behinderung funktioniert diese Baumaßnahme nicht. Wir wollen dennoch einen Verkehrsfluss ermöglichen«, so Marktbaumeister Peter Hasenknopf. Denn schließlich wird die Straße in Zukunft einspurig bleiben. Verkehrsteilnehmer müssen sich an diese Situation gewöhnen.

Eine Herausforderung für die bauausführende Firma Schwab ist es, Platz für den neuen Bypass in Richtung Ramsau zu schaffen. Dafür haben sie bereits die kleine Stützmauer neben dem Busbahnhof abgerissen. Ein Mauerkopf mit Zaun wird etwas versetzt neu errichtet. Zudem muss die Busspur verkürzt werden. Ein Teil der Überdachung ist bereits abgerissen. »Das ist notwendig. Die Überdachung würde sonst in den Bypass hineinragen«, weiß Hasenknopf. Der vordere Bus wird in Zukunft leicht abgewinkelt stehen und ein Busplatz wird voraussichtlich wegfallen. Trotzdem ist geplant, dass die Busse auch künftig im bisherigen Takt fahren sollen.

Schmalere Verkehrsinsel

Aktuell verschmälern die Bauarbeiter die Verkehrsinsel an der Abzweigung Richtung Ramsau. Die Ausfahrtsspur ist für diese Maßnahme verbreitert worden. Bauarbeiter benötigen die Sicherheitsabstände und der Verkehr kann relativ ungehindert in Richtung Ramsau passieren.Durch die schmälere Verkehrsinsel sind zwei Spuren Richtung Ramsau möglich: die Bypassspur und die Ausfahrtsspur aus dem Kreisverkehr. Zusätzlich sollte die Zufahrt zum Bahnhof gewährt sein.

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Heini Weber und Ulrike Fellner beklagen sich über rückläufige Kundschaft.

Denn gerade dieses Thema macht Geschäftsbetreibern am Bahnhof zu schaffen. So beklagt sich Geschäftsleiter Heini Weber von Optic Augenblick über ausbleibende Kundschaft seit Beginn des Bauprojekts. Viele Berchtesgadener wissen laut dem Optiker nicht, dass man trotz der Maßnahme zum Bahnhof fahren kann. »Dabei ist die Parkplatzsituation begünstigt«, weiß Weber. Da die Busse aktuell vom Salinenplatz abfahren, darf man auf der Busspur vor dem Bahnhof eine halbe Stunde parken.

Apothekeninhaberin Ulrike Fellner sieht die Parksituation kritischer. »Parken ist zwar möglich, aber die Situation nicht unbedingt besser, wenn Baufahrzeuge zwischenzeitlich den Weg blockieren«, so Fellner. Die Apothekerin beklagt sich ebenfalls über rückläufige Kundschaft. Sie weiß auch, warum das der Fall ist. »Die Bayernwelle hat gemeldet, dass man den Kreisverkehr am Bahnhof möglichst umfahren soll«, sagt sie.

Das Fußgänger-Problem

Dass viele Verkehrsteilnehmer den Bahnhof meiden, kann Ulrike Fellner nachvollziehen. Sie fährt aus Richtung Marktschellenberg zur Arbeit. Seit Baubeginn müsse sie wegen des Rückstaus mit einer Verspätung von mindestens 20 Minuten rechnen. Weber und Fellner sind, was den Erfolg der Umgestaltungsmaßnahmen betrifft, skeptisch. Beide sind sich einig, dass Fußgänger und Radfahrer das größte Problem für den Kreisverkehr darstellen.

Die Fußgänger halten demnach die Verkehrsteilnehmer vor der Einmündung unnötig auf, wenn sie die Straße überqueren. Das verursache den Rückstau. Fellner schlägt vor, dass »man eine Brücke über den Kreisverkehr bauen soll, um Fußgänger und Radfahrer zu entlasten.« Die Bauverantwortlichen der Marktgemeinde Berchtesgaden räumen ein, dass Fußgänger den Verkehrsfluss verzögern. »Aus Sicht des Verkehrsflusses sind die Fußgänger ein Problem. Allerdings gab es bisher keinen Unfall. Die Sicherheit bleibt nach wie vor wichtig«, erklärt Moderegger. Bei dem Gedränge lässt sich öfters beobachten, dass Fußgänger Probleme haben, die Straße zu überqueren.

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Die verlängerte Verkehrsinsel am Triftplatz. Sie soll bis zur Innenspur erweitert werden.

Viele Autofahrer wollen so schnell wie möglich die Einfahrt erwischen. Manchmal dauert es Minuten, bis ein Fußgänger die Straße gefahrlos passieren kann. Zusätzlich verwirren die Absperrungen an der Verkehrsinsel den Verkehrsteilnehmer. Ein Fußgänger kann da leicht übersehen werden. Die Absperrungen sind aber notwendig, um die Verkehrsinseln in Richtung Innenspur erweitern zu können. Die Verlängerung der Verkehrsinseln erfolgt abschnittsweise. Die Inseln am Triftplatz und Friedhofsberg sind bereits verlängert und müssen nur noch gepflastert werden. Derzeit sind Bauarbeiter mit der Insel-Erweiterung an der Ausfahrt Richtung Ramsau beschäftigt. »Wenn wir schrittweise eines nach dem anderen bauen, ermöglichen wir weiterhin einen Verkehrsfluss«, weiß Moderegger.

Sollte alles nach Plan laufen, können die Busse ab Dezember wieder vom Bahnhof aus starten. Zudem wollen die Verantwortlichen zum Frühsommer 2020 das komplette Bauprojekt abschließen. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, wird besonders vom Wetter abhängen. »Natürlich wollen wir den Bypass so früh wie möglich abschließen«, betont Moderegger. Patrick Vietze

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Die Stützmauer beim Busbahnhof ist abgerissen.