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»Ohne Humor ist alles verkrampft«

Berchtesgaden - Der bekannte Fernsehmoderator Max Schautzer war mit seiner Frau Gundel Schautzer anlässlich einer Popstahl-Kücheneinweihung in »Striemitzer's Esszimmer« in Berchtesgaden. Von seinen Erlebnissen als »Pleiten, Pech und Pannen«-Moderator sowie als Schauspieler erzählte er im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«.

Gundel und Max Schautzer fühlten sich wohl in Berchtesgaden und in »Striemitzer's Esszimmer«. Der Heimatzeitung erzählte der bekannte Fernsehmoderator ausführlich von seiner einzigartigen Karriere. Foto: Anzeiger/Voss

Herr Schautzer, waren Ihre Frau und Sie schon einmal in Berchtesgaden?

Max Schautzer: Ich arbeitete in meiner Schulzeit als Praktikant bei einer österreichischen Zuckerwarenfirma. So bin ich in ganz Österreich herumgekommen und auch einmal über Lofer nach Berchtesgaden. Hier gefällt es mir sehr gut, auch wenn sich einiges über die Jahre verändert hat. Bei der Anreise macht sich vor einem plötzlich dieses wunderschöne Tal auf, das man gar nicht so vermutet. Das ist toll. Morgen werden wir mal auf Sightseeingtour gehen.

Sie haben in ihrem Leben bis jetzt eine Karriere hingelegt, die für Zehn reichen würde. Sie waren schon Reporter, Fernseh- und Radiomoderator, Schauspieler und sind Autor. Wie war denn Ihr allererster Fernsehauftritt?

Schautzer: Ich war im WDR-Radio und dann hat Werner Höfer, der damals den Frühschoppen im TV moderierte, aber gleichzeitig Direktor des dritten Programms war (dem heutigen WDR), mich gefragt, ob ich mir nicht auch Fernsehen vorstellen könnte. Ich war ja eigentlich ein Radio-Mann. Ich hab dann aber angefangen mit Informationssendungen wie »Hierzulande heutzutage«. Meine erste Unterhaltungssendung war dann eigentlich eine Gastmoderation bei »Musik aus Studio B«. Da wurden Sänger vorgestellt und ein Abbild der aktuellen Schlagerszene geschaffen. Die erste große Unterhaltungssendung war die Samstagabendshow »Allein gegen Alle«. Dafür hatte mich Hans Rosenthal vorgeschlagen.

Es besteht ja schon ein Unterschied zwischen Radio und Fernsehen. Waren Sie nicht unglaublich aufgeregt vor ihrem ersten TV-Auftritt?

Schautzer: Ich war damals 27 Jahre alt, und auch wenn ich nie so richtiges Lampenfieber hatte, so hatte ich doch erhöhte Temperatur. Es ist wichtig, dass die Spannung da ist. Man hat ja auch noch keine Routine als Anfänger. Aber ich bin da natürlich nicht einfach so rausgegangen. Ich war beim Radio ja der Haus- und Hof-Moderator für Außenveranstaltungen, die auch live übertragen wurden. So kannte ich mich schon ein bisschen aus.

Sie haben zuallererst nach ihrer Matura 1958 ein duales Studium der Wirtschaftswissenschaften begonnen und wieder abgebrochen. Welche Absicht steckte denn dahinter?

Schautzer: Mein Vater war Kaufmann und daher kam diese Intention, aber für mich stand immer fest: Ich wollte zum Radio. Damals war ich auf der Handelsakademie in Wien und habe dann als Werkstudent, um etwas Geld zu verdienen, an einer Großbank in Wien gearbeitet. Während dieser Zeit habe ich aber auch nebenbei die Schauspielschule besucht.

Sie haben im letzten Jahr auch bei der Sendung »Old Ass Bastards« in ProSieben geschauspielert. Dabei geht es um Senioren, die mit sehr derbem Humor Leute mit versteckter Kamera veräppeln. Hat Ihnen das Spaß gemacht?

Schautzer: Das hat mir gut gefallen. Dabei war so toll, dass die Alten einmal zurückschlagen, aber auch nicht mit allzu bösen Mitteln. Es wurden ja alle gefragt, ob sie damit einverstanden sind, dass die Gags gesendet werden, und bis auf einen waren alle zufrieden. Ich habe beim Prominentenspecial mitgemacht, weil es mich auch an »Verstehen Sie Spaß« und »Pleiten, Pech und Pannen« erinnert hat. Die Schadenfreude steht dabei im Mittelpunkt.

Wurden die Scherzopfer nach dem Dreh aufgeklärt? Hat man Sie erkannt?

Schautzer: Ja, alle wurden aufgeklärt. Nachher kamen schon die meisten drauf und sagten: »Ach, das ist doch der Schautzer!«

Humor ist ja bekanntlich Ihr Steckenpferd. Sie haben aber auch Erfahrung als Vorstand einer riesigen Firma, sie waren von 1980 bis 1983 Deutschlandchef vom RTL Hörfunk. Braucht man in so einer hohen Stellung nicht auch Humor?

Schautzer: Sicher. Ohne Humor ist alles verkrampft im Leben. Humor löst auch viele Konfliktsituationen, ich finde es immer viel besser, etwas mit Humor zu lösen. Wenn beide sich dann in die Augen schauen und die Hand geben können. So muss man auch als Chef mit seinen Angestellten umgehen. Man hat ja beim Fernsehen sein eigenes Völkchen, wir sind im Grunde genommen ja Gaukler. Das sind keine normalen Berufe. Trotz des journalistischen Hintergrundes haben wir für das Publikum gearbeitet, egal, ob beim Fernsehen oder beim Radio. Man muss publikumsorientiert denken und seine eigenen Interessen und seine Eitelkeit zurückstellen. Dann kommt auch irgendwann der Erfolg.

Apropos Erfolg und Publikum: Haben Sie auch eine richtige Fangemeinde und Fanclubs?

Schautzer: Ja, die hatte ich auch. Meine schönste Erfahrung war damals, als die Mauer geöffnet wurde. Ich war mit meiner Frau in Berlin am Brandenburger Tor und wir haben uns das ein paar Wochen später angeschaut. Da kam ein junger Mann auf mich zu und hat gesagt: »Ich wollte Ihnen noch was sagen, wissen Sie, dass ich in der Schule immer Max Schautzer genannt worden bin?« Er hat mir nachgeeifert und mich imitiert. So wie wir als kleine Jungen Fußballer als Idole gehabt haben, hatte er mich als Vorbild. Und das ist auch eine meiner wichtigsten Erfahrungen, die ich gemacht habe: So wie man dem Publikum entgegentritt, so wird man behandelt.

Das ist also Ihr Erfolgsgeheimnis.

Schautzer: Und auch eine gewisse Distanz. Mein Kollege Didi Hallervorden war für alle Zuschauer immer der Didi und wurde auch so auf der Straße angesprochen. Aber das wollte er nicht. Er hat darauf meist so etwas geantwortet wie: »Ich bin für Sie der Herr Hallervorden.« Da hat er die Distanz gesucht, was schwierig ist.

Worauf darf sich Ihr Publikum denn eigentlich als Nächstes freuen?

Schautzer: Ich recherchiere gerade für ein neues Buch. Darin wird es um meine Erfahrungen und meine Erinnerungen gehen, die ich im Laufe meines Lebens gesammelt habe. Annabelle Voss