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»Nützet die Zeit, denn die Tage sind kurz« – Neue Sonnenuhr an Kühroint-Kapelle

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Dass die neue Sonnenuhr an der Bergopfer-Gedenkkapelle auf Kühroint die exakte Zeit angibt, bestätigten die Teilnehmer an der Bergmesse. (Fotos: Privat)

Schönau am Königssee – Die Messe an der Bergopfer-Gedenkkapelle auf Kühroint war trotz des regnerischen Wetters gut besucht. Das 20 Jahre alte Kirchlein war im Spätsommer renoviert und mit gemalten Ecksteinen verschönert worden. Auch ein Wunsch der Erbauer ging in Erfüllung: die Anbringung einer Sonnenuhr an der Südostseite des Turmes.


Mancher Bergsteiger bewunderte die Uhr und erkundigte sich, wie eine Sonnenuhr überhaupt gezeichnet werde, damit sie auch die richtige Zeit anzeigt. Anton Grassl vom Kressgraben in Königssee hat die Sonnenuhr berechnet. Er ist ein interessierter Mensch, der sich mit dem Thema Sonnenuhr intensiv befasst hat. Als Hobby sozusagen.

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Grassl erzählte uns Folgendes: Bei einer Sonnenuhr ergibt sich die Zeit durch Sonne und Schatten, der auf die Uhr fällt. Die Erde dreht sich täglich 360 Grad einmal um sich selbst und der Sonnenstand verändert sich. Dadurch auch der Schatten, der die Zeit darstellt. 360 geteilt durch 24 ergibt 15 Grad pro Stunde. Die Erdachse ist gegenüber der Bahn um die Sonne geneigt, darum muss der Zeiger als Schattenwerfer parallel zur Erdachse stehen. Bei der Kapelle waren dies 13 Grad.

Für das Aufmalen des Ziffernblattes braucht man den Längen- und Breitengrad des Standortes. Diese Angaben finden sich auf Landkarten oder in den modernen Navigationsprogrammen der Smartphones.

Zuerst kommen die Nord-Süd- und Ost-West-Linie dran. Sie verlaufen gerade und kreuzen sich mittig im rechten Winkel. Dann wird der Versatz berechnet, der immer 15 Grad minus Längengrad beträgt. Mit diesem Versatz wird nun die Bezugslinie zur Ost-West-Linie eingezeichnet. Sie stellt die 6-Uhr- und 18-Uhr-Linie dar. Alle weiteren Linien werden an ihr ausgerichtet.

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Nach den Berechnungen Anton Grassls erfolgte die Gestaltung der Sonnenuhr auf Kühroint.

Die Sonnenuhr zeigt die Mitteleuropäische Normalzeit an. Die bestrahlte Fläche an der Kapelle reicht gerade bis 13 Uhr. Wollte man die gesamte Sonneneinstrahlung für die Darstellung nutzen, müsste man die Sonnenuhr von der Süd- auf die Ostseite rund um den Turm anlegen und mit zwei Stäben arbeiten.

So einfach ist die Theorie, aber alle haben sie vermutlich nicht verstanden. Auch dem Autor dieser Zeilen ging es so. Eine kurze Aufheiterung und ein gnädiger Sonnenstrahl vor der Messe am Samstag zeigte den Teilnehmern, dass die neue Sonnenuhr an der Bergopfer-Gedenkkapelle auf Kühroint perfekt die Zeit angibt. Anton Grassl hat alles richtig berechnet. A.P.