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Neustart an der Hochbahnstraße

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Um 1900 wurde das Haus erbaut. (Fotos: privat)
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Vera und Bernhard König setzen auf Nachhaltigkeit und Regionalität.

Schönau am Königssee – In Zeiten des Klimawandels sind die Anforderungen in vielen Bereichen gestiegen. Die Menschen machen sich mehr Gedanken und fordern gleichzeitig auf, selbst etwas zu verändern. Halt macht der Aspekt auch nicht vor der Gastronomie und Hotellerie. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat sich mit Vera und Bernhard König vom »Almhotel Grünsteinblick« darüber unterhalten, warum sie sich 2014 für das Gastgewerbe entschieden haben und wie sie versuchen, den Anforderungen gerecht zu werden.


Im Gegensatz zu vielen anderen Gastgebern im Talkessel, sind Vera und Bernhard König nicht in die Hotellerie »hineingeboren«. Sie entscheiden sich 2013 dazu, die »Pension Grünsteinblick« zu kaufen. Ein eher ungewöhnlicher Schritt, Vera König war damals noch Geschäftsführerin einer großen Bank, ihr Ehemann Bernhard war bereits pensioniert. »Als sich die Möglichkeit ergab, haben wir sie genutzt«, sagt Vera König. Unter der Hand haben sie damals vom Verkauf der Pension erfahren. »Das Grünsteinblick war nicht ausgeschrieben.« Möglich war das nur, weil sie seit vielen Jahren Kontakte nach Berchtesgaden pflegten.

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Aus Hessen an den Königssee

Das Ehepaar stammt aus Fulda. Vor 34 Jahren kamen sie zum ersten mal nach Berchtesgaden: Familienurlaub mit dem einjährigen Sohn. »Es hat uns wahnsinnig gut gefallen«, sagt Bernhard König. Über die Jahre kamen sie immer wieder, meist nur für ein paar Tage, denn mehr ließ der Job nicht zu. »Irgendwann habe ich zu meinem Mann gesagt, wir werden mal hier her ziehen und ein kleines Café aufmachen«, sagte Vera König lachend. Für beide damals mehr ein Tagtraum.

2013 änderte sich alles: Der Kaufvertrag wurde unterschrieben, Vera König beendet ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin. Mit ihrem Hab und Gut zogen die Beiden in die »Pension Grünsteinblick« nach Schönau am Königssee. Das Haus an der Hochbahnstraße entstand um 1900. Schon damals wurde es bewirtschaftet. Mit Eseln überquerten Handeltreibende den Jenner, um nach Österreich zu gelangen. Oft nächtigten sie in diesem Gästehaus. 1964 ist das Gebäude erstmals als Pension erwähnt worden. Seit jenem Jahr trägt es auch den Namen »Grünsteinblick«.

Vera und Bernhard König sitzen in der Bauernstube und erzählen über die Anfänge des Umbaus im Jahr 2014. Alles hatte sich verändert – sie haben Familie und Job zurück gelassen. »Wir hatten nie Zweifel an unserer Entscheidung«, sagt Bernhard König. Auch dann nicht, als Vera König schwer erkrankte. »Wir waren gerade einmal sechs Monate hier, dann bekam ich die Diagnose Krebs.« Keine leichte Zeit. Vera König erzählt, dass sie schon in Hessen mit Beschwerden zu kämpfen hatte, die Ärzte aber nie eine Ursache gefunden hätten. Schließlich suchte sie einen Spezialisten in Bad Reichenhall auf. »Er hat den Krebs schnell erkannt.« Für Vera König kam die Diagnose fast schon zu spät, die Erkrankung war weit fortgeschritten. »Ich wurde operiert, acht Stunden dauerte das«, sagt sie mit dünner Stimme. Danach wurde es besser, die OP ist gut verlaufen, inzwischen ist sie krebsfrei.

Weitermachen

Die Arbeit an der Pension ging weiter. In den Zimmern mussten Bäder eingebaut werden, in der alten Pension lagen diese noch auf den Gängen. »Wir haben nur Handwerker aus der Gegend beauftragt, die Holzarbeiten draußen hat weitestgehend mein Mann erledigt.« »Alles Lärche Natur«, sagt Bernhard König stolz. Stück für Stück veränderte sich die Pension so, wie es sich die Königs vorstellten. »Dieser Prozess war für mich heilsam«, sagt Vera König.

Wenn Vera König morgens aufwacht, freut sie sich über ihren neuen Wohnort am Fuße des Jenners. Dann strahlt die Sonne langsam in die Räume und taucht alles in einen warmen Ton. »Manchmal denke ich mir, die Leute, die hier schon immer leben, wissen gar nicht, wie schön sie es haben.«

2019 bekam das »Grünsteinblick« schließlich die Berechtigung, sich »Hotel« nennen zu dürfen. Nun fokussiert sich Vera König hauptsächlich darauf, das Hotel den Herausforderungen der Zeit anzupassen. »Wir verwenden regionale Produkte, soweit es in einem Hotelbetrieb möglich ist.« Nuss-Nougat-Cremé hätte ihr aber Grenzen aufgezeigt. Bewusst habe sie die Cremé nicht angeboten, die Gäste hätten aber danach verlangt. »Manches geht einfach nicht. Orangensaft ist auch so ein Beispiel.« Zwar gebe es im Landkreis keine Orangenplantagen, wenigstens sei aber der Produzent aus der Region. »Sich gegenseitig am Wohnort unterstützen, das finde ich sehr wichtig«, sagt Vera König. Die Kräuter wachsen deshalb am Hang hinter dem Haus, Fleisch und Milchprodukte stammen von regionalen Anbietern. »Die Gäste schätzen das«, resümiert sie.

»In einem Hotel fällt wahnsinnig viel Papiermüll an«, sagt Vera König. Ob Zeitung, Speisekarte, Ausflugstipps auf Flyern oder die Hotelmappe, vieles landet nach kurzer Zeit in der blauen Tonne. »Papier ist eine wertvolle Ressource«, so die Hotelbesitzerin und zeigt die Hoteltablets (elektronische Geräte), die in jedem Zimmer das Papier ersetzen. »Wir haben da alles drauf.« Wer sich mit diesen technischen Hilfsmitteln nicht auskenne, der bekäme am Anfang eine Einweisung. »Viele Senioren fragen aber schon bei der Anreise, ob es Wlan gibt«, sagt Vera König lachend. Ihre Mithilfe sei fast immer überflüssig.

Wichtig ist dem Ehepaar, dass der Gast vor Ort sieht, welche Produkte verwendet werden und wie die Eigentümer versuchen, einen Teil zum Umweltschutz beizutragen. »Auszeichnungen und Zertifikate können so etwas nicht ersetzen«, ist sich Vera König sicher.

Bernhard König denkt darüber nach, eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach zu bauen, auch eine Solaranlage komme in Frage. Als nächstes ist die Bauernstube dran. In Lärche Natur versteht sich. Lena Klein