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Neuer Bayern-Anlauf - BVB hofft auf »Helden«

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Bayern-Präsident Hoeneß und Vorstandsvorsitzender Rummenigge bei einem Spiel des FC Bayern. Foto: Marc Müller Foto: dpa

München (dpa) - Wenn beim Neustart gegen den FC Valencia die Champions-League-Hymne in der Münchner Fußball-Arena erklingen wird, dann werden den Bayern unweigerlich wehmütige Gedanken an das bittere »Finale dahoam« vor vier Monaten durch den Kopf schießen.


»Hier kann keiner dieses Spiel gegen Chelsea vergessen«, gestand Karl-Heinz Rummenigge vor dem Gruppen-Auftakt am Mittwoch. Nach zwei Endspiel-Niederlagen in den letzten drei Jahren verspürt der Vorstandsvorsitzende beim deutschen Rekordmeister einen ungezügelten »Hunger« nach der Königskrone. »Die Sehnsucht nach dem Titel ist groß«, sagte der 56 Jahre alte Rummenigge im Interview der Nachrichtenagentur dpa: »Aber es wird wahnsinnig schwer.«

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Real Madrid und der FC Barcelona heißen seine großen Favoriten. Für die Bayern ist zunächst das Überstehen der Vorrundengruppe mit Valencia, dem OSC Lille und BATE Borrisow aus Weißrussland Pflicht. »Valencia ist ohne Frage der schwerste Gegner. Mit einem Sieg zu starten, wäre gut. Das gäbe Selbstvertrauen und Ruhe«, erklärte Rummenigge: »Unsere Mannschaft ist sehr motiviert.«

Große Hoffnungen setzt der Bayern-Chef gerade international in den neuen 40-Millionen-Mann Javier Martínez, der zusammen mit Bastian Schweinsteiger das neue Kraftzentrum im Münchner Mittelfeld bilden soll. »Das kann ein Duo werden, das uns Stabilität verleiht. Da kommt eine Qualität zusammen, die uns gut zu Gesicht stehen wird.«

Dem nationalen Rivalen Borussia Dortmund macht Rummenigge nach dem Negativ-Erlebnis im letzten Jahr demonstrativ Mut für die »schwere Gruppe« mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam. »Diesmal traue ich den Dortmundern die positive Überraschung zu.«

Ein Weiterkommen des BVB hätte für die Bayern wohl den schönen Nebeneffekt, dass durch den dann größeren Kräfteverschleiß des BVB in der Königsklasse mehr »Wettbewerbsgleichheit im Kampf um die deutsche Meisterschaft« herrschen würde, wie Rummenigge einräumte.

»In dieser Gruppe werden Helden geboren!«, sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kämpferisch nach der Auslosung. Gleich die erste Partie des BVB am Dienstagabend im eigenen Stadion gegen Ajax Amsterdam wird die Richtung weisen. »Wenn wir nicht wieder Dritter oder Vierter werden wollen, müssen wir dieses Spiel gewinnen«, forderte Torjäger Robert Lewandowski.

Auch die Schalker starten schon am Dienstag in die Festwochen auf der internationalen Bühne. »Jetzt geht es Schlag auf Schlag«, sagte Manager Horst Heldt. Erster Prüfstein ist Olympiakos Piräus. »Es erwartet uns ein Hexenkessel«, sagte Nationalspieler Benedikt Höwedes vor der Abreise nach Griechenland voraus. Der FC Arsenal mit Lukas Podolski und Per Mertesacker sowie Montpellier heißen die weiteren Gegner. »Die Gruppenstärke ist ähnlich wie bei uns«, bemerkte Rummenigge. Er traue Schalke »das Achtelfinale zu«.

Nach dem Scheitern von Borussia Mönchengladbach in der Qualifikation wäre ein Weiterkommen des Bundesliga-Trios wichtig, um den zurückgewonnen vierten Startplatz gegen Italien zu behaupten. »Deutschland braucht nicht nur die Punkte von Bayern München, sondern auch von Dortmund und Schalke«, betonte Rummenigge. Übergeordnetes »Ziel« müsse es jedoch auch sein, dass die seit dem Bayern-Triumph 2001 (übrigens gegen Valencia) anhaltende deutsche Titel-Durststrecke im Europapokal möglichst bald endet, so Rummenigge: »Das wäre ein wunderbarer Schub für die Bundesliga und ein Ausrufezeichen.«

Die Champions League hat sich seiner Ansicht nach in den 20 Jahren ihres Bestehens zum »weltweit wichtigsten Wettbewerb« entwickelt, den es im Club-Fußball zu gewinnen gebe. Die Königsklasse boomt. Die UEFA habe die Vermarktungserlöse wieder um einen »zweistelligen Prozentsatz« steigern können. 910,3 Millionen Euro werden vom Dachverband ausgeschüttet, gut 150 Millionen Euro mehr als im Vorjahr und so viel wie nie zuvor. Allein die fixe Startprämie für die 32 teilnehmenden Vereine beträgt 8,6 Millionen Euro. »Ganz Fußball-Europa ist mit dem Produkt Champions League, wie es aufgestellt ist, hochzufrieden«, schwärmt Rummenigge.

Hoffnungsvoller als früher sieht der Vorsitzende der Europäischen Club-Vereinigung (ECA) die Bemühungen der Europäischen Fußball-Union beim Financial Fairplay. Die Maßnahme der UEFA, bei 23 Clubs Preisgelder einzufrieren, sei ein »Warnschuss« gewesen. Er sei inzwischen »überzeugter, dass die UEFA jetzt ernstmacht«, sagte Rummenigge: »Ich habe die leise Hoffnung, dass Clubs ihr finanzielles Gebaren umstellen.« Ab 2014 drohen Sanktionen bis zum Ausschluss aus der Champions League. »Das wäre der Super-GAU«, meint Rummenigge.

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