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Neue Volksmusik und alte Sagen

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Unser Bild zeigt von links Karl-Heinz Hummel, Evelyn Plank und die Nagl-Musi. (Foto: M. Heel)

Wer sich vielleicht schon immer gefragt hat, warum die jungen Burschen aus der Gegend um den Watzmann kein Dankeschön über die Lippen bekommen, bekommt hier die nicht ganz ernst gemeinte Antwort: Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fuhr in der Thomasnacht ein verliebter junger Mann in seinem VW-Käfer über den zugefrorenen Königssee, um einem Mädel, das im Gasthof in St. Bartholomä als Bedienung arbeitete, zu imponieren bzw. auf eine Spritztour über den See einzuladen.


Doch mitten auf dem See geriet er unversehens in einen Schneesturm und verlor sein Ziel aus den Augen. Verängstigt kurvte er orientierungslos umher, bis eine vermummte Gestalt mit einer Laterne neben dem Auto auftauchte und ihm den Weg zeigte. Es war das sagenumwobene Weidwiesenweiberl, das schon so manch Verirrtem geholfen bzw. »heimgeleuchtet« hatte. Nur danken oder ihm nachschauen, das durfte man auf keinen Fall dabei, sonst geschah ein Unglück. Aber überglücklich, wie er nun mal war, hörte der junge Mann nicht auf die warnenden Worte des Weiberls »Nix sogn, staad sei …« Stattdessen bedankte er sich lautstark gleich mehrmals für seine Rettung … und ward nie wieder gesehen.

Das war nur eine der vielen Sagen und Geschichten, die Karl-Heinz Hummel und Evelyn Plank bei ihrer Lesung der »Rauhnacht-Sagen« in der gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS präsentierten. Spannend war auch, was sie sonst noch erzählten, von seltsamen Sitten und Bräuchen in der »Zeit zwischen den Jahren«, von der Wilden Jagd und der Frau Percht.

So erfuhren wir zum Beispiel, was eine Frau machen soll, um herauszufinden, wen sie heiraten wird. Sie soll sich in der Thomasnacht verkehrt herum ins Bett legen und darauf warten, dass ihr der Mann im Traum erscheint. Weniger empfehlenswert ist es dagegen, sich in der Christnacht im Stall auf die Lauer zu legen. Denn wer Ochsen und Rösser sprechen hört, der hat nicht mehr lange zu leben. Höchst aktuell war Hummels Gedicht vom Schneewind, der sich bitter darüber beklagt, dass hierzulande wohl kein Platz mehr für ihn ist.

Musikalisch so mitreißend wie kreativ in Scene gesetzt wurde der Abend von der Nagl-Musi mit Bärbel Steinbigler am Hackbrett und an der Blockflöte, Janine Schmidt an diversem Schlagwerk und ebenfalls der Blockflöte, Rolf Nagl an (elektrifizierter) Zither und Gitarre, Uwe Block an Gitarre und Klarinette sowie Stefan Pfaffinger am Bass. Die Gruppe, als traditionelle Stubenmusik gegründet und inzwischen in fast jeder Stilrichtung versiert, entfachte mit ihrem kreuzfidelen Mix mit alter und neuer Volksmusik, Swing, Jazz und Gitarrenpop in ihre ganz eigene wilde Jagd, schräg und eigenwillig und mit sichtlicher Freude am ausgelassenem Spiel. Wobei trotz aller Experimentierfreudigkeit und stilistischen Eskapaden alles verblüffend harmonisch und wunderbar flüssig klang, mit dezent eingesetzter Percussion, funky Zitherklängen und fast schon psychedelischem Hackbrettspiel. Wolfgang Schweiger