weather-image
11°

Netanjahu: Teheran braucht klare rote Linie

Tel Aviv/Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu haben ihre Differenzen im Atomkonflikt mit dem Iran offen auf den Tisch gelegt.

Benjamin Netanjahu
Netanjahu: «Klare rote Linien müssen gezogen werden, damit dem Iran die Folgen klar werden, wenn er diese überschreitet». Foto: Abir Sultan/Archiv Foto: dpa

«Kein Staatsmann lässt sich die Hände binden», sagte Obama israelischen Medienberichten zufolge in einer Telefonkonferenz mit US-Rabbinern. Er habe aber immer klar gesagt, dass «wir den Iran daran hindern werden, Atomwaffen zu erlangen», fügte Obama hinzu.

Anzeige

Netanjahu betonte am Sonntag in der «Jerusalem Post» hingegen erneut, dem Iran müsse klar gesagt werden, was ein militärisches Eingreifen auslösen würde. US-Verteidigungsminister Leon Panetta tat solche «kleinen roten Linien» in «Foreign Policy» jedoch als weltfremd ab.

Netanjahu sieht in einer Grenzziehung im Konflikt um das vermutete iranische Atombombenprogramm gerade die Chance, einen militärischen Konflikt zu vermeiden: «Ich denke, klare rote Linien müssen gezogen werden, damit dem Iran die Folgen deutlich werden, wenn er diese überschreitet.» Sanktionen und diplomatischer Druck hätten sich bisher als wirkungslos erwiesen.

Obama äußerte jedoch die Hoffnung auf den Erfolg nicht-militärischer Maßnahmen. Israel stehe natürlich das Recht auf Selbstverteidigung zu. Ein Militärschlag könne durchaus irgendwann nötig werden, sagte er am Samstag. «Aber nicht, bevor wir nicht alle anderen Möglichkeiten genutzt haben.» Für Diplomatie bleibe noch Zeit. Teheran solle sich aber keinen Illusionen über die Entschlossenheit Amerikas hingeben.

Panetta argumentierte ebenfalls gegen eine Festlegung im Atomstreit. «Tatsache ist doch, dass ein amerikanischer Präsident, ein Regierungschef Israels oder eines jeden anderen Landes nicht einen Haufen kleiner roter Linien hat, die das Handeln bestimmen», sagte er «Foreign Policy». «Tatsächlich werden ihnen Fakten darüber vorgelegt, was ein anderes Land vorhat, und dann wägen sie ab, was zu tun ist», fügte Panetta hinzu. «Das ist die wirkliche Welt. Rote Linien sind eher politische Argumente, um Leute in die Ecke zu drängen», sagte der Pentagon-Chef.

Artikel in Haaretz vom Samstag

Artikel in Jerusalem Post vom Sonntag