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Nebenjob: So wird aus mehr Arbeit auch mehr Geld

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Ein Arbeitnehmer, viele Stellen
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Die Zahl der Berufstätigen mit mehreren Jobs hat sich seit 2003 mehr als verdoppelt. Foto: Oliver Berg/dpa/dpa Foto: dpa

Das Einkommen reicht nicht, der Hauptjob ist zu langweilig: Immer mehr Arbeitnehmer suchen sich eine zweite Beschäftigung – aus ganz verschiedenen Gründen. Damit es mit dem Zweitjob klappt, müssen sie allerdings nicht nur eine passende Stelle finden.


Kathrin Fischeidl ist 26, hat ein Studium absolviert, zwei Abschlüsse und drei Jobs. Und sie ist bei weitem nicht die einzige Berufstätige, die mehr als einen Job hat...

Einmal in der Woche arbeitet die Kunsthistorikerin im Minijob bei einem Auktionshaus und an drei weiteren Tagen in der IT-Abteilung eines Museums. Zusätzlich macht sie über die Volkshochschule Nachmittagsbetreuung für Grundschüler.

Ende 2016 zählte die Bundesagentur für Arbeit 3,2 Millionen Mehrfachbeschäftigte. Nach Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat sich ihre Zahl seit 2003 mehr als verdoppelt. Die meisten kombinieren eine sozialversicherungspflichtige Hauptbeschäftigung mit einem Minijob.

Vor allem Menschen mit einem unterdurchschnittlichen Verdienst im Hauptjob haben laut IAB einen zusätzlichen Minijob. Doch nicht immer sei die finanzielle Not der Grund. Viele empfänden die geringen Abgaben auch als praktisch, denn «brutto ist wie netto».

«Minijobs gibt es meist bei Tätigkeiten, wo man Arbeitsspitzen hat», erklärt Wolfgang Buschfort, Pressesprecher der Minijob-Zentrale. Das ist zum Beispiel in der Gastronomie und im Einzelhandel der Fall, wo in der Hochsaison mehr Arbeit anfällt als im Rest des Jahres. «Für die meisten ist das keine Lebensperspektive. Die wollen sich über einen bestimmten Zeitraum ein bisschen was dazu verdienen», sagt Buschfort.

Wolfgang Buschfort
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Wolfgang Buschfort ist Pressesprecher der Minijob-Zentrale. Foto: Melanie Garbas/dpa Foto: dpa

Harte Grenze: Maximal 450 Euro im Monat?

Eine geringfügige Beschäftigung hat den Vorteil, dass sie als Zweitjob neben einer regulären Stelle steuer- und sozialversicherungsfrei ist. Auch von der Rentenversicherungspflicht können Minijobber sich befreien lassen - und kommen trotz dieser Vergünstigungen in den Genuss von Urlaubsanspruch oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Bedingung dafür ist, dass der Zuverdienst die Grenze von insgesamt 450 Euro nicht überschreitet, auch wenn man mehrere Minijobs gleichzeitig hat. Außerdem ist zusätzlich zur Hauptbeschäftigung nur ein Minijob abgabenfrei.

Auch kurzfristige Beschäftigungen, die nicht länger als drei Monate oder 70 Arbeitstage dauern, sind für den Arbeitnehmer sozialversicherungsfrei. Allerdings kann Lohnsteuer fällig werden, wenn diese nicht vom Arbeitgeber pauschal abgeführt wird. «Wenn die Haupttätigkeit mit der Steuerklasse I abgerechnet wird, fällt die zweite Beschäftigung automatisch in die Steuerklasse VI», erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Das heißt konkret, dass zunächst einmal relativ viel Lohnsteuer abgezogen wird - die man sich dann zum Teil über die Steuererklärung zurückholen kann.

Isabel Klocke
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Isabel Klocke ist Leiterin der Abteilung Steuerrecht und Steuerpolitik beim Bund der Steuerzahler. Foto: Annette Koroll/Bund der Steuerzahler Deutschland e.V./dpa Foto: dpa

Ob man überhaupt eine zweite Arbeit ausüben darf, hängt vom Arbeitgeber ab. «Arbeitsrechtlich gesehen darf man einen Nebenjob haben, sofern er nicht den Interessen des Arbeitgebers entgegensteht», sagt Nathalie Oberthür, Fachanwältin für Arbeitsrecht. In den meisten Arbeitsverträgen gebe es entsprechende Passagen, die eine weitere Beschäftigung nach Absprache erlauben. Verbieten kann der Chef zum Beispiel einen Zweitjob bei der Konkurrenz oder Tätigkeiten, die auf Kosten der Leistung seiner Angestellten gehen.

Soviele Stunden sind erlaubt:

Wieviel man nebenbei arbeiten darf, hängt von der Stundenzahl ab. Die wird bei mehreren abhängigen, also nicht selbstständigen Beschäftigungsverhältnissen zusammengerechnet: Mehr als 48 Stunden pro Woche dürfen es nicht sein. «Wenn man nebenher selbstständig beschäftigt ist, ist das Arbeitszeitgesetz dagegen kein Thema», erklärt Oberthür.

Problematisch wird es dann höchstens, wenn die Arbeitszeit sich überschneidet. «Normalerweise gibt der Arbeitgeber die Arbeitszeiten vor», sagt Oberthür. Zwar müssen Angestellte die Möglichkeit haben, ihren privaten Interessen nachzugehen. Ob eine weitere Beschäftigung als privates Interesse gewertet wird, ist aber fraglich.

Tipps für Azubis und junge Berufseinsteiger

Kindergeld bis 25: Auszubildenden, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, steht Kindergeld zu. Das sind in der Regel 184 Euro pro Monat – ab dem dritten Kind steigt es auf 190 Euro, dann auf 215 Euro. Wohnen Auszubildende nicht mehr zu Hause, und die Eltern geben es nicht an den Nachwuchs weiter, können sie es sich direkt auszahlen lassen. Dafür müssen sie bei der Familienkasse der Arbeitsagentur einen Antrag stellen, erklärt Florian Haggenmiller vom Deutschen Gewerkschaftsbund.

Berufsausbildungsbeihilfe: Müssen Jugendliche für die Ausbildung von zu Hause ausziehen und einen eigenen Haushalt gründen, können sie BAB bekommen. Maximal erhalten Schulabgänger 584 Euro, der Betrag berechnet sich unter anderem nach der finanziellen Situation der Eltern. Jugendliche können ihren Anspruch im Netz unter babrechner.arbeitsagentur.de errechnen. Das Geld müssen Jugendliche nicht zurückzahlen, erklärt Paul Ebsen von der Bundesarbeitsagentur in Nürnberg.

Wichtig ist, frühzeitig einen Antrag zu stellen – denn die Leistung wird nicht rückwirkend gezahlt. Stellen Auszubildende im November einen Antrag, bekommen sie frühestens ab November Geld. Das gilt selbst dann, wenn sie schon seit dem 15. September eine Ausbildung machen.

Wohngeld: Zusätzlich ist es theoretisch denkbar, Leistungen wie Wohngeld zu erhalten. Das gilt für den Fall, dass Vergütung und BAB zusammen nicht reichen, erläutert Ebsen. Das kommt in der Praxis in der Regel aber nur infrage, wenn jemand nicht nur sich selbst, sondern zusätzlich Kinder versorgen muss und deswegen einen erhöhten Bedarf hat.

Bafög: Wer eine klassische duale Ausbildung macht, hat keinen Anspruch auf Bafög. Doch wer an einer Berufsfachschule lernt, kann es beziehen, erklärt Alireza Khostevan, Rechtsberater bei der Arbeitnehmerkammer Bremen. Sie gibt es etwa für kaufmännische, handwerkliche Berufe, künstlerische, hauswirtschaftliche und sozialpflegerische Berufe. Die Schüler müssen das Geld nicht zurückzahlen.

red /dpa/tmn/ fb