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Narretei in der Fastenzeit

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Wurde von der Berchtesgadener Faschingsgilde ausgeschlossen: Ehrenpräsidentin Karin Schröer. Foto: Archiv/Fischer

Berchtesgaden – Die Narren machen ernst: Die Berchtesgadener Faschingsgilde hat jetzt ihre Ehrenpräsidentin Karin Schröer aus dem Verein ausgeschlossen. Und ihr sämtliche Titel aberkannt. Wegen »unüberwindbarer Differenzen«, wie Schriftführerin Brigitte Pilz dem »Berchtesgadener Anzeiger« auf Nachfrage bestätigte. Karin Schröer hat bereits rechtliche Schritte eingeleitet.


Wie aus einer Pressemittelung hervorgeht, hat die Faschingsgilde Karin Schröer den Titel »Ehrenpräsidentin« aberkannt und die Veteranin des Berchtesgadener Faschings gleichzeitig aus dem Verein ausgeschlossen. »Sie ist daher nicht berechtigt, Einschaltungen oder Veröffentlichungen im Namen der Gilde zu tätigen«, heißt es in der von Vizepräsident Werner Pilz unterzeichneten knappen Mitteilung weiter.

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Da Werner Pilz nicht zu sprechen war, erteilte seine Frau, Schriftführerin Brigitte Pilz, Auskunft über die überraschende Entscheidung. Ende Februar hat demnach der Vorstand der Gilde in der Hauptversammlung den Beschluss gefasst, Karin Schröer auszuschließen. »Wir sind mit ihr einfach auf keinen grünen Zweig mehr gekommen«, erklärt Pilz. »Wir kämpfen ums Überleben und wollen es auf die Reihe kriegen«, so die Schriftführerin weiter. »Dieser Schritt tut uns wirklich leid. Aber die Differenzen waren zu groß.«

Karin Schröer wollte sich auf »Anzeiger«-Nachfrage zunächst nicht zu den Vorfällen äußern. Zum einen, weil sie gesundheitlich angeschlagen ist. Zum anderen, weil rechtliche Schritte vorbereitet werden. »Ich habe sofort Widerspruch eingelegt«, so Schröer. Sagen wollte sie nur soviel: »Ich bin verärgert und enttäuscht.« Vor allem für die Aberkennung des Titels »Ehrenpräsidentin« hat sie keinerlei Verständnis. »Das geht nicht, das gibt es nicht«, ist Karin Schröer überzeugt.

Was die Gilde ihr genau vorwirft, will Schröer wegen eines möglichen Rechtsstreits nicht verraten. Im Wesentlichen geht es aber um Vortäuschung von Vertretungsbefugnissen, Funktionsanmaßung und unberechtigte Verwendung des Vereinsnamens.

Karin Schröer war jahrelang Schlüsselfigur und Aushängeschild der Berchtesgadener Faschingsgilde und hat das Gildenmotto »BGD-Juchhee« auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Ihr Ehemann Ludwig Schröer war 1958 sogar Gründungsmitglied. Karin Schröer engagierte sich 20 Jahre lang im Vorstand des Vereins und war 15 Jahre lang dessen Präsidentin. 2008 hat sie sich nach internen Querelen dazu überreden lassen, erneut das Zepter in die Hand zu nehmen und die Gilde aus der finanziellen Krise zu führen. Was ihr auch gelang.

So richtig auf die Füße ist die Berchtesgadener Faschingsgilde aber seitdem nicht mehr gekommen. Der Hofball fand heuer nicht mehr statt, ein Prinzenpaar gab es ebenfalls nicht mehr und auch der Präsidentenposten ist nicht mehr besetzt. Christian Fischer

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