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Nahrung für die Ohren

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Das Quartett »Nouveau Noir« begeisterte die Zuhörer der neuen Reihe »Kulturnahrung«, die Max Schmid ins Leben gerufen hat. (Foto: Heigl)

Max Schmid, der Mit-Initiator des Musikanten-Treffens in der Traunsteiner Zieglerstube, der vor zwei Jahren sein Master-Studium für das Instrument Bass mit Auszeichnung am Salzburger Mozarteum abschloss, hat mit viel Herzblut ein Konzept entwickelt, das aus seinen Erfahrungen als Musiker und Konzertbesucher heraus gewachsen ist. Dem anonymen Konzertbesuch in teuren Sälen will er mit seinem erweiterten Kulturprogramm etwas Neues entgegensetzen.


Für das erste Konzert der Reihe, für die er den vielsagenden Namen »Kulturnahrung« gewählt hat, gewann er den Schauspieler und Synchronsprecher Claus Peter Damitz aus München sowie das Quartett Nouveau Noir. Vor dem Beginn der eigentlichen Veranstaltung kam das Publikum im Siegsdorfer Café Weinmüller zu einer geselligen Plauderei zusammen, um anschließend gemeinsam in den Pfarrsaal hinauf zu pilgern, wo das Konzerterlebnis »Musik und Stimme« stattfand. »Es ist doch nett, sich vor einem gemeinsamen Konzerterlebnis kennenzulernen und mit Leuten zu sprechen, mit denen man sonst vielleicht nicht sprechen würde«, erläuterte Max Schmid sein Konzept.

Bevor das Hauptwerk »Suite aus L’Histoire du Soldat« von Igor Strawinsky, eine Moritat für Sprecher und Musik, zu Gehör gebracht wurde, begannen die Musikstudenten aus Spanien, Rumänien, Frankreich und Bayern, die sich alle während des Studiums im Salzburger Mozarteum kennengelernt haben, mit einer energetisch aufgeladenen Interpretation der Suite für Klarinette, Violine und Klavier von Darius Milhaud. Die farbenreiche, charaktervolle, selbstbewusste und quicklebendige Gestaltung der Musik ließ den Funken der Begeisterung schon nach kurzer Zeit auf das Publikum überspringen.

Dann gab es echtes Kopfkino mit der entsprechenden »Filmmusik«: Die Geschichte vom Soldaten, der mit dem Teufel einen Handel abschließt. Der Soldat überlässt ihm seine Geige und bringt ihm das Spiel derselben bei, dafür erhält er ein Buch, das ihn reich machen soll. Claus Peter Damitz erzählte sie fesselnd und gleichzeitig unaufdringlich: Wie der Soldat alles dem Reichtum opfert und dabei das Wichtigste verliert, sich nach Liebe sehnt und Gemeinschaft, dem Teufel die Geige wieder abluchst, das Herz einer Königstochter mit seiner Geige heilt und gewinnt. Die musikalisch verwinkelt-poetische Interpretation der Erlebnisse des Soldaten und das diabolische-fiese Gehabe des Teufels brachten die Musiker in all ihrer Komplexität transparent und virtuos zu Gehör.

Nach einem begeisterten und warmen Applaus machten sich Sprecher, Musiker und ihr Publikum wieder auf den Weg zum Café Weinmüller. Die »Karawane« zog weiter, nachdem die Künstler zur Einstimmung für den nächsten Teil des Abends »Caravan« von Duke Ellington im Pfarrsaal gespielt hatten.

Dort ging es gleich weiter mit Jazzmusik. Aus dem Trio war nun ein Quartett geworden (Percussion), das mit feinem Jazz genauso begeisterte wie zuvor mit der sogenannten E-Musik. Mit »Merci, Merci« von George Zawinul bedankten sich die Musiker für die treue Gefolgschaft, und spielten einen quirligen »Blue Bossa« als Zugabe, nachdem sie die Zuhörer zuvor schon mit dem Stück »Spain« von Chick Corea begeistert hatten. Ein interessantes, bekömmliches Menü, diese neue Kulturnahrung, das mit großstädtisch anmutender Lockerheit serviert wurde. Barbara Heigl