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Nächtliche Suche in den Göllsanden

Schönau am Königssee – Sind oberhalb des Alpeltals im Bereich der Göllsanden polnische Höhlenforscher in Not? Oder haben Bergsteiger am Mittwochabend fünf Leuchtraketen abgefeuert, weil sie bei Einbruch der Dunkelheit Probleme bekommen haben? Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe gab es auf diese Fragen keine Antwort, denn Rettungskräfte der Bergwacht Berchtesgaden und die Besatzung des Polizeihubschraubers »Edelweiß 1« haben in der Nacht auf Donnerstag den gesamten Bereich abgesucht. Ohne Ergebnis.

Zwei Beobacher hatten unabhängig voneinander am Mittwoch gegen 21 Uhr Alarm geschlagen, weil sie im Bereich der Göllsanden zwischen dem oberen Alpeltal und dem Hohen Brett den Abschuss von fünf Signal-Leuchtkugeln beobachtet hatten. Die Sorge, dass dort etwas passiert sein könnte, war durchaus angebracht, denn sechs im Abstand von einer Minute abgefeuerte Kugeln wären tatsächlich ein alpines Notsignal gewesen.

Die eingeschaltete Bergwacht Berchtesgaden stellte dann kurz darauf am Alpeltal-Parkplatz ein Auto fest, das polnischen Höhlenforschern gehört. Aufkleber an dem Pkw wiesen darauf hin. Tatsächlich gilt der Bereich Göll/Brett als ein höchst interessantes Gebiet für Höhlenforscher. Ziemlich genau dort, wo die Leuchtraketen gesichtet wurden, befindet sich unter anderem der sogenannte Geburtstagsschacht, der mit einer Tiefe von 700 Metern bis zur Entdeckung des »Riesendings« am Untersberg noch als tiefste Höhle Deutschlands galt.

»Da passte einfach alles zusammen; die Möglichkeit, dass da etwas passiert war, war durchaus gegeben«, sagt Bergwachtmann Michael Graßl. Man alarmierte daraufhin den Einsatzleiter Höhlenrettung bei der Bergwacht Freilassing, der über die Salzburger Speläologen abklären sollte, ob im Bereich Göll/Brett zurzeit Höhlenforscher aktiv sind. Allerdings ergab dies keine neuen Erkenntnisse.

Drei Männer der Bergwacht Berchtesgaden stiegen daraufhin bei Regen zur Brettgabel auf, um über das sogenannte »Kammerl« in den Bereich zwischen dem oberen Alpeltal und dem Hohen Brett vorzudringen. »Wir haben gerufen und Teile des sehr unübersichtlichen Geländes abgesucht«, sagt Bergwachtmann Andi Baumann. Da man nichts entdecken konnte, stiegen die Bergretter wieder ab.

Gegen 3 Uhr traf der Polizeihubschrauber »Edelweiß 1« ein. Dessen Besatzung suchte mit Wärmebildkamera und Suchscheinwerfer noch einmal das gesamte Gebiet sehr genau ab. »Wir waren überzeugt, dass in dem unübersichtlichen Gelände eine nächtliche Suche am besten ist, weil man da Taschenlampen und ähnliches gut erkennen kann«, sagt Michael Graßl. Doch auch die Hubschraubersuche verlief ohne Ergebnis, sodass die Suchaktion gegen 3.30 Uhr abgebrochen wurde.

»Die Leuchtraketen waren sicherlich kein Hirngespinst. Aber wir haben keine Ahnung, wer sie abgefeuert hat«, sagt Bergwachtmann Michael Graßl. Nun wartet man auf neue Erkenntnisse. Ulli Kastner